Will Ferrell ist einer von den Guten, zumindest generell. Wenn denn das Drehbuch stimmt, wie zum Beispiel bei „Anchorman“ oder „Ricky Bobby“. Dann kann Ferrell sein gottgegebenes Timing-Talent ausspielen und die Ticks von Normalos zu irren Katastrophen ausweiten. Wer den Mann schon mal bei einem seiner zahlreichen Late-Night-Auftritte erlebt hat, weiß, was das für schmerzbefreite Ausmaße annehmen kann. Will Ferrell ist laut, amerikanisch und konsequent geschmacksunsicher. Die Idealbesetzung also für „Daddy's Home“, eine süßliche Familienkomödie voller Klischees und Brachialhumor.

Daddy's Home - Exklusiver Clip aus der neuen Komödie mit Will Ferrell2 weitere Videos

Die etwas anderen Dads

Und mit einem „high concept“-Aufhänger, wie so oft bei Will-Ferrell-Komödien. Dieses Mal spielt der Mann einen braven Stiefvater, der eines Tages mit dem leiblichen Vater der beiden ihm überantworteten Kids konfrontiert wird. Während Ferrell den typischen Vorstadt-Papa gibt, mit rosa Lacoste-Hemden und porentiefer Nettigkeit, ist der „richtige“ Papa, gespielt von Mark Wahlberg, ein muskelbepackter Outlaw-Biker. Der auf einmal die Liebe zu seinen Kindern entdeckt und so einen zunehmend ausufernden Aufmerksamkeitskampf entfacht. Bei dem es zugleich ständig und eigentlich überhaupt nicht um die Kinder geht.

Dass Will Ferrell und Mark Wahlberg eine funktionierende Film-Chemie besitzen, wurde bereits 2010 mit „Die etwas anderen Cops“ bewiesen. Auch die Geschichte von „Daddy's Home“ durfte sich schon mal bewähren, in dem zumindest ähnlich angelegten „Die Stiefbrüder“. Die Familienzusammenführung zwischen Sentiment und Pimmel-Humor, die dabei gezeigt wurde, ist ebenso bei „Daddy's Home“ der zentrale Aufhänger. Braver Dad gegen cooler Dad, inklusive eskalierender Geschenke, „Jackass“-iger Mutproben und zunehmend lautem Geschrei. Bis dann im dritten Akt unweigerlich die Gags gegen gefühlsduselige Drama-Ansprachen ausgetauscht werden.

Daddy's Home - Guter Papa, böser Papa. Will Ferrell vs. Mark Wahlberg

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 5/71/7
Will Ferrell fährt Motorrad. Obwohl er es nicht kann.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Die Chaos-Dads

Eine typische Mainstream-Komödie eben, wie üblich beseelt von der Unfähigkeit, die Balance aus Drama und Humor mal glaubwürdig über die Zielgerade zu bringen. Der ganze Aufbau des Films, die Wendungen, die Charaktere – all das ist ein völlig vorhersehbares Unterhaltungspaket, das in dieser Form seit den achtziger Jahren geschnürt wird. Inzwischen sind die Gags etwas derber, die Stunts etwas härter, aber unterm Strich bleibt immer noch ein Mario-Barth-Film nur mit Männern. Der seine Balance so definiert, dass sich Pimmel-Witze und Umarmungen nicht ergänzen, sondern jeweils als Entschuldigung für den Gegenpol dienen.

„Daddy's Home“ ist also ein netter Film, aber nicht zu nett. Und „Daddy's Home“ ist auch ein zotiger Film, aber keinesfalls zu zotig. Die mittige Balance ist hier eigentlich ein schwarzes Loch, weil es ständig nur um Extreme geht, die bestehenden Klischees einen Chinakracher in den Hintern schieben. Geradezu erstaunlich mutet dabei die Figur von Will Ferrell an, die auf der einen Seite fast schon normal bleiben darf, doch unter ihrer geschniegelten Fassade creepige Unsympathie produziert. Ein Stiefvater, der sich furchtbar bemüht seinen Stiefkindern aufdrängt. Der sich Liebe mit Geschenken erkaufen möchte. Der mit seiner tiefen, ungelenken Unsicherheit ein konservatives Nerd-Trauma transportiert.

Daddy's Home - Guter Papa, böser Papa. Will Ferrell vs. Mark Wahlberg

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 5/71/7
Mit dem Kopf durch die Humorwand. Aua.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wie bitte kommt so ein Typ an so eine heiße Frau (Linda Cardellini)? Wieso sollte man mit so einem Typen mitfühlen? Der suburbane Durchschnittsamerikaner mag sich hier wiedererkennen, doch die smarten Mitteleuropäer, die bei gamona diese Zeilen lesen, entdecken nur ausgestellte Brachialkomik. Die dann im dritten Akt, wenn die Figuren Mitgefühl einfordern, nichts weiter als zuckende Schultern hervorruft. Weil den beiden zentralen Charakteren, dem von Ferrell mehr als dem von Wahlberg, zuvor keine echten Sympathiehaken gestattet wurden. Und man sowieso dezent genervt ist, dass eine amerikanische Mainstream-Komödie nicht einfach mal nur eine Komödie bleiben kann.