Was „Psycho“ für Duschvorhänge oder „Der Weiße Hai“ für Badestrände bedeutete, das wohl mögen die „Chucky“-Filme für einfaches Puppenspielzeug bedeutet haben: Etwas, das seiner harmlosen Alltäglichkeit erst einmal lange Zeit beraubt war. Die „My Buddy“- und „That Kid“-Puppen aber, auf denen Chucky mutmaßlich basiert, dürften genauso längst aus US-amerikanischen Kinderzimmern verschwunden sein wie die mordlustige Killerpuppe aus den Kinos: „Curse of Chucky“ ist die erste direkt für den Videomarkt produzierte Fortsetzung der Serie.

Curse of Chucky - Red Band TrailerEin weiteres Video

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Knapp zehn Jahre nach „Chucky’s Baby“, dem vorläufigen Tiefpunkt im einstigen Erfolgsfranchise um den ruhelosen Killer Charles Lee Ray, hält der Erfinder der berühmtesten Mörderpuppe der Horrorfilmgeschichte weiterhin an seiner Schöpfung fest.

Wohl im Bewusstsein der ziemlich depperten Stoßrichtung, die seine nur noch zu zotigen Doofwitzen taugliche Figur im letzten Film einschlug, versucht sich Regisseur und Drehbuchautor Don Mancini mit zurückgeschraubtem Humor und betont klassischem Grusel nun an einer Rückbesinnung auf das Original.

Der von Tom Holland inszenierte erste Film bemühte sich 1988 schließlich noch, die perfide Psychologie der Idee auszuschlachten: Zumindest während der ersten Hälfte spielte „Chucky – Die Mörderpuppe“ mit der Frage, ob hier tatsächlich ein Killer gewordenes Spielzeug oder nicht doch viel eher ein gestörtes Kind am Werk ist, dessen sinistre Seele dieses Fantasma lediglich für seine Zwecke missbraucht. Aus der abgründigen Vorstellung kindlicher Mordlust bezog der Film ebenso seinen Reiz wie aus dem morbiden Einfall eines zur Leichenschau pervertierten Kinderzimmers.

Curse of Chucky - Nix Neues in der Puppenkiste

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Immer erst einmal ganz süß: Die doch nur spielen wollende Good Guy Doll.
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In der direkten Fortsetzung, „Chucky 2 - Die Mörderpuppe ist zurück“, erhielt diese Idee 1990 eine noch konkretere Gestalt: Hier musste der kleine Andy nicht nur hilflos zusehen, wie die von einem Serienkiller beseelte Puppe reihenweise Schutzbefohlene (Pflegeeltern, Lehrerinnen) meuchelte, sondern das blutige Finale sogar in einer Spielzeugfabrik, eigentlich Paradies jedes Kindes, bestreiten.

An diese Klasse konnte „Chucky 3“ kaum heranreichen, auch wenn sich die nunmehr in einer Militärschule verortete Weiterführung der Adoleszenz-Prämisse ebenfalls alles andere als uninteressant ausnahm.

So folgerichtig die Entwicklung der Serie mit dem erst viele Jahre später produzierten Reboot „Chucky und seine Braut“ auch gewesen sein mag, so vereitelte die bewusst trashige, auf Puppen-Ulk geeichte Neuausrichtung auch eine qualitative Rückkehr der Mörderpuppe. Dies demonstrierte nicht zuletzt „Chucky’s Baby“, bei dem Don Mancini erstmals Regie führte, mit seinem hochnotpeinlichen Klamauk und einer Jennifer Tilly, die ihre Karriere gar nicht unwürdiger hätte beenden können. Längst drehte sich Chucky hier nur noch um die eigene Achse ungefragter Metaebenen und hirnrissiger Filmzitate.

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Und dann schwimmen sie irgendwann alle im Blut, die ahnungslosen Erwachsenen.
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Insofern kann der Ansatz des sechsten Films, die Figur wieder an ihre bösen, zynischen Ursprünge heranzuführen, schon mal gar kein schlechter sein. Aus zunächst unbekannten Gründen wird Chucky (im Original erneut von Brad Dourif gesprochen) nun per Einschreiben an die im Rollstuhl sitzende Nica (Fiona Dourif, der Tochter von – genau) verschickt.

Diese lebt in einer alten Villa und hat, nachdem Chucky gleich zu Beginn schon mal ihre Mutter ins Jenseits beförderte, nun die erbgierige Familie am Hals. Es braucht eine Zeit (und viel Sitzfleisch), ehe sie hinter dem plötzlichen blutigen Treiben das neue Spielzeug vermutet.

Prequel im Sequel

Trotz des dankenswerten Verzichts auf die Albernheiten des Vorgängers ist die Gemächlichkeit, mit der „Curse of Chucky“ seine nun wiederum auch nicht sonderlich interessante Geschichte erzählt, relativ unerklärlich.

Nix Neues aus der Motten- respektive Puppenkiste. Das Chucky-Jubiläum hätte kaum dürftiger zelebriert werden können.Fazit lesen

Ehe der Film halbwegs in Fahrt kommt, muss man sich durch mindestens eine Stunde Seifenopern-Material kämpfen, zu dem weder die offensichtlichen finanziellen Limitierungen der Inszenierung noch das DTV-Ensemble einladen. Die Handlung ist zudem auf den Schauplatz Villa beschränkt und folgt mehr als jeder Teil zuvor der räumlichen Logik des Slasherfilms.

Das Chucky-Design ist, zumindest bis kurz vor Schluss, jetzt wieder dem ursprünglichen Entwurf von Kevin Yagher angeglichen. Entsprechend verweisen In-Jokes auf die eigentlich längst vergangene Ästhetik Chuckys, etwa in einer Szene, in der es heißt, Good-Guy-Dolls seien höchstens in den 80ern beliebt gewesen.

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Sorry Jack, Chucky’s back.
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Trotzdem aber wirkt die Mörderpuppe, auch wenn sie glücklicherweise noch immer nicht computeranimiert ist, weniger angsteinflößend denn je (diese Haare!), zumal ihr Aussehen von Einstellung zu Einstellung variiert. Muss man vielleicht doch Kind sein, um das (noch) gruselig statt (schon) lächerlich zu finden?

Inszenatorisch reißt Don Mancini keine Bäume aus, ist aber redlich darum bemüht, aus den mittelguten Settings ein bisschen schaurige Stimmung zu schöpfen. Das im Vergleich zu vorherigen Teilen der Serie merklich geschrumpfte Budget gestattet keine wirklich nennenswerten Spezialeffekte (und lediglich zwei, drei etwas blutigere Momente), während Fernseh- und DTV-Komponist Joseph LoDuca (dessen bessere Zeiten unter Sam Raimi lange her sind) oberflächliche Stimmungsmusik dudelt. Die zudem einmal mehr daran erinnert, dass es den Chucky-Filmen leider an einem eigenen musikalischen Motiv mangelt.

Erst im letzten Drittel aber gibt Mancini seinen Film, und damit auch seine Schöpfung, endgültig zum Abschuss frei. Offenbar hielt er es für eine sagenhaft gute Idee, den Bogen zum Original nicht nur atmosphärisch, sondern auch dramaturgisch zu spannen. In Rückblenden, die ihrerseits den Plot von „Curse of Chucky“ erhellen sollen, wird ganz plötzlich eine rudimentäre Vorgeschichte des 88er-Films präsentiert, die zu dessen anfänglichen Ereignissen im Spielwarengeschäft führen. Vergleicht man dieses Mini-Prequel mit der tatsächlichen Eingangssequenz des Originals, erscheint einem dieses trivialer als je zuvor.

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Warum Chucky in einigen Szenen nicht nur sehr anders, sondern auch sehr doof aussieht, wird noch zu klären sein.
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Und dann bricht Mancini das Versprechen, sich von der Gaga-Genese der Vorgänger erholen zu wollen, auch noch im ganz großen Stil. Ausgerechnet mit einem Gastauftritt von Jennifer Tilly meint er, die popelige Handlung dieses sechsten Films ins rechte Licht rücken zu müssen, und knüpft schlussendlich doch nur an die Albernheit von „Chucky’s Baby“ an, statt genau diese mit einem vermeintlichen Neustart der Mörderpuppe hinter sich zu lassen.

Die Verzahnung des vierten, dem in der „Realität“ spielenden fünften und nun eben wiederum „fiktiven“ sechsten Teils ergibt da sowieso schon nicht mehr den geringsten Sinn.