Nach „Rocky Balboa“ hätte man im Grunde nicht erwartet, Sylvester Stallone noch einmal in der Rolle zu sehen, die ihn weltweit berühmt gemacht hat. Rockys Geschichte, so mutete es damals an, war zu Ende erzählt. Bis zu einem gewissen Punkt ist das richtig, aber eben nicht ganz. Denn erst mit „Creed – Rocky’s Legacy“ wird der Kreis wirklich geschlossen.

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War Rocky 1976 noch der aufstrebende junge Boxer, der für den Weltmeisterschaftskampf trainiert werden musste, so ist es nun Rocky, der als Trainer einen aufstrebenden jungen Boxer begleitet – auf dem Weg zum Weltmeisterschaftskampf.

Die Übergabe des Staffelstabs ist gelungen, auch wenn der deutsche Titel irreführend ist. Es ist nicht Rockys Vermächtnis, sondern das von Apollo Creed. Alles beginnt im Jahr 1998, als Apollos Witwe dessen unehelichen Sohn Adonis bei sich aufnimmt. Der Junge ist ein Kämpfer, immer schon gewesen, und nur daran interessiert, in die großen Fußstapfen seines Vaters zu treten. Aber niemand will ihn trainieren, weswegen er nach Philadelphia geht, wo er Rocky Balboa aufsucht.

Der in die Jahre gekommene Champ möchte Adonis aber auch nicht trainieren – doch dann überlegt er es sich anders, nichtsahnend, dass er selbst einen Kampf auszutragen hat, den er vielleicht nicht gewinnen kann.

Creed - Rocky's Legacy - Ein Vermächtnis ist mehr als nur ein Name

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Der Film erscheint bei uns am 14.01.2016 in den deutschen Kinos.
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Liebesbrief an das Original

„Creed“ ist der erste Film mit Rocky Balboa, der nicht von Sylvester Stallone geschrieben wurde. Regisseur Ryan Coogler hat selbst am Skript mitgeschrieben – nicht nur diesem, sondern auch dem Film merkt man an, welche Passion der Künstler für John G. Avildsens Originalfilm hegt.

Er hat im Grunde ein Remake erschaffen, aber eines, das seinen eigenen Weg beschreitet. Die grundsätzliche Geschichte ist gleich, zusätzliche Bedeutung erhält das Ganze aber durch die Akteure und mehr noch deren Rollen. Es sind die Namen, die die Geschichte aufladen- weil es eben Rocky ist, und weil mit Creed eine neue Tradition beginnt. So verwundert es nicht, dass Stallone auch schon gesagt hat, er würde die Rolle in möglichen Sequels wieder spielen. Weil Rockys Weg noch nicht zu Ende ist. Man hätte dies nach „Rocky Balboa“ erwarten können, weil Stallone einen guten Schlusspunkt gefunden hatte, aber in diesem alten Boxer steckt noch jede Menge Leben drin.

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Ein gelungener Schritt in die Zukunft.
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Das gilt umso mehr, da Cooglers Skript Stallone die Gelegenheit gibt, seine schauspielerischen Muskeln zu präsentieren. Angesichts all der krawalligen Action-Filme, in denen Stallone über Jahrzehnte hinweg gespielt hat, vergisst man häufig, dass hier auch ein großer Schauspieler zu sehen ist – er hat sich eben nur selten die Gelegenheit gegeben, das auch zeigen zu dürfen.

Hier darf er, weil er nicht nur der Trainer ist, sondern seinen eigenen Kampf ausfechten muss – nicht im Ring, sondern im wahren Leben. „Creed“ wagt es, einen Kämpfer schwach zu zeigen. Das ist – auch für Stallones Fans – etwas Unerwartetes, lädt den Streifen aber zusätzlich emotional auf.

Ausgefeilte Figuren

„Creed“ funktioniert nicht nur, weil er es versteht, Rocky Balboas Geschichte gekonnt weiterzuerzählen, sondern weil die Figuren per se vielschichtig gestaltet sind. So gibt es für Adonis Creed auch einen Love-Interest, aber dieser ist mehr als nur ein Anhängsel. Coogler wollte eine Geschichte mit Menschen, die allesamt ihre eigenen Träume haben, darum sollte Adonis‘ Freundin auch ihre nicht für den Boxer aufgeben. Damit einher geht eine vielschichtige Erzählweise, die dazu beiträgt, das Sportlerdrama in jeder Beziehung so befriedigend werden zu lassen.