Mehr skurrile Einfälle, liebevolle Noten und fantasievolle Entwürfe als in „Coraline“ wird ein Animationsfilm kaum aufbringen können: Regisseur Henry Selick knüpft mit diesem Stop-Motion-Märchen in 3D an die Ideenreichtümer und Detailverliebtheit seiner beiden vorherigen Trickarbeiten „The Nightmare Before Christmas“ und „James und der Riesenpfirsich“ an. Der Film setzt sich, trotz der stilistischen und inhaltlichen Nähe zu den Vorgängern, eigenständig und durchdacht mit kindlichen und erwachsenen Bilderwelten auseinander und ist auch als Emanzipation Selicks von seinem Wegbegleiter und einstigen Produzenten Tim Burton zu verstehen.
Grandios animiertes, fantasievolles Märchen vom „Nightmare Before Christmas“-Regisseur, das spannend und einfühlsam eine Geschichte über Kinderurängste erzählt. Geheimtipp.FazitBasierend auf Neil Gaimans 2002 erschienener Kindergruselnovelle „Gefangen hinter dem Spiegel“ entwirft der Film eine verschrobene Welt durch die Augen eines kleinen Mädchens: Die eigensinnige Einzelgängerin Coraline ist gerade mit ihren Eltern in ein altes Haus auf dem Land gezogen, beginnt sich aber rasch zu langweilen in der tristen neuen Umgebung. Ihr Vater stürzt sich in die Arbeit, ehe überhaupt die Umzugskisten ausgepackt sind, während ihre Mutter sich ganz dem Haushalt verschreibt.
Morbide und düster: "Coraline" ist märchenhaft gestaltet aber für Kinder wohl zu gruselig.Da trifft es sich natürlich gut, dass Coraline in ihrem neuen Haus eine kleine Tür entdeckt, hinter der ein langer Tunnel zu einer Parallelwelt führt – einer exakten Abbildung der Wirklichkeit: Mit dem Unterschied, dass sich ihre Eltern hier besonders liebevoll um sie kümmern, der ständig quasselnde Nachbarsjunge dort verstummt ist oder der vertrocknete Vorgarten sich plötzlich in eine bunte Blumenwelt verwandelt hat, die dem Gesicht des kleinen Mädchen nachempfunden ist.
Schade nur, dass Coraline jeden Morgen nach ihrem Ausflug in die verlockende Alternativrealität wieder in ihrem gewöhnlichen Bett erwacht. Doch was zunächst wie eine Flucht in lebhafte Wunschvorstellungen erscheint, wird rasch Wirklichkeit: Ihre sorgsame „andere“ Mutter bittet sie, sich jene Knopfaugen anzunähen, die alle Gesichter in der Welt hinter der Tür zieren. Zu spät erst merkt Coraline, dass sie in die Fänge einer Hexe geraten ist, die das Mädchen für immer in ihr Reich sperren möchte – so wie schon zahlreiche andere Kinder vor ihr.
Was steckt hinter den Knopfaugen der Parallelwelt-Bewohner.Die spielerischen Träume, die sich allmählich in verzerrte Alpträume umdichten, bedienen ein typisches Selick-Motiv: In „Nightmare Before Christmas“, der ebenfalls zwei gegensätzliche Ästhetikentwürfe vereinbarte und schließlich vermischte (statt sie gegeneinander auszuspielen), spielten er und sein Co-Regisseur Tim Burton lustvoll mit der Widersprüchlichkeit einer morbiden Halloween-Welt und der zuckersüßen Ikonographie weihnachtlichen Kitsches.
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spoiler hier nicht rum. sehr schöne kritik. gibt mir einen guten anreiz, mir den film anzuschauen. danke, Rajko.
Gruß, Moritz.
aber etwa nach der hälfte ^^ wirds irgendwie zu blöd.. wie sie die augen findet und die eltern rettet und das ende.. das hätte man besser erzählen können. war am ende enttäuscht. film fing so gut an und dann.. naja
trotzdem kann man sich den anschaun gehn ;=)
Evtl. später mal als Grabbeltisch-DvD ;)
Schöner Artikel.