Wenn es um Heimsuchungen, Geister und Geisterjäger geht, die nicht dem kreativen Kopf eines Autors entsprungen sind, sondern angeblich in der Realität geschehen sind, dann ist natürlich Skepsis angesagt. Man kann es glauben. Oder auch nicht. Als Film wird das Ganze aber interessant, weil die Basis echte Menschen sind. Und wenn schon nichts anderes, dann wird eine Version dessen erzählt, was passiert sein könnte.

„The Conjuring“ basiert auf einer echten Geschichte und auf echten Menschen, den Geisterjägern Ed und Lorraine Warren, die mit einigen namhaften Fällen zu tun hatten, so auch dem Amityville-Spukhaus. Wie immer behaupten die einen, es wäre alles so geschehen, und die anderen halten es für einen Schwindel. Für den Genuss des Films ist das irrelevant, so wie es das auch für Regisseur James Wan („Insidious“) war. Er war vor allem daran interessiert, einen Film zu drehen, dessen Figuren Facetten echter Menschen beinhalten.

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Ed und Lorraine Warren sind Geisterjäger. Sie ist ein Medium, das Visionen hat und Dinge sieht, die anderen verborgen bleiben, er ist empfänglich für die Stimmungen, die an einem unheimlichen Ort herrschen. An einem solchen Ort, ihrem neuen Haus, lebt die Familie Perron. Carolyn und Roger sind mit ihren fünf Kindern hier eingezogen, doch schon nach kurzer Zeit geschehen die ersten merkwürdigen Ereignisse. Der Hund stirbt, Bilder fallen von selbst von der Wand, ein widerlicher Geruch taucht auf und eine Präsenz ist spürbar.

Die Perrons holen die Warrens zu Hilfe, die alles in ihrer Macht Stehende tun, um der unglückseligen Familie zu helfen. Aber machen sie sich damit selbst zum Ziel der unheimlichen Macht?

Effektiver Grusel

James Wan hat Erfahrungen damit, den Leuten Angst einzujagen. So überrascht es nicht, dass „The Conjuring“ Schockmomente enthält, die einem einen Schauer über den Rücken jagen. Zugleich erweist sich Wan aber auch als Meister der Zurückhaltung. Er lässt sich Zeit, die Figuren einzuführen.

Mit 70er-Jahre-Flair und einer zeitgemäßen Inszenierung lehrt James Wan dem Publikum das Fürchten.Fazit lesen

Dabei bedient er sich einer vom Geschehen losgelösten Kamera, die einen sehr objektiven Eindruck des Geschehens vermittelt. Mitunter hat man fast das Gefühl, einer Dokumentation zu folgen, was dadurch bestärkt wird, dass man natürlich weiß, dass dies eine echte Geschichte ist – sofern man den Warrens und Perrons Glauben schenken will.

Conjuring - Die Heimsuchung - Unheimlich spannend: Der gruseligste Film des Jahres

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Conjuring lehnt sich an Genreklassiker wie "Der Exorzist" und "Amityville Horror".
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Seine Schockmomente erzeugt der Film ohne den Einsatz von computergenerierten Bildern. Was man bei „The Conjuring“ sieht, ist gute, althergebrachte Handarbeit. Digital wurden nur Elemente wie Drähte und ähnliches entfernt. Das, aber auch weil der Film in den 70er Jahren angesiedelt ist, sorgt für ein sehr authentisches Gefühl. „The Conjuring“ erinnert immer wieder an zwei große Genre-Klassiker der 70er Jahre. „Der Exorzist“ und „Amityville Horror“.

Zwar kann Wans Film das Rad auch nicht neu erfinden, er muss sich aber nicht vor den großen Vorbildern verstecken. Und im Fall von „Amityville Horror“ ist er den beiden bisherigen Verfilmungen sogar haushoch überlegen. Das ist vor allem der exakten und interessanten Charakterisierung zu verdanken, die zusammen mit mitreißend aufspielenden Darstellern augenblicklich dafür sorgt, dass man als Zuschauer emotional in die Geschichte investiert.

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Erst langsam, dann schnell

Selbst in der Art der Inszenierung erinnert „The Conjuring“ an Genre-Filme der70er Jahre. Man lässt sich Zeit, die Figuren einzuführen. Zwar gibt es schon früh erste Ereignisse im Haus der Perrons, aber die Intensität steigert sich im Verlauf der Geschichte, nur um dann in der letzten halben Stunde aller Register zu ziehen. Wüsste man es nicht besser, man könnte fast glauben, dass dieser Film vor etwa 40 Jahren entstanden ist.

Von Anfang an stellt sich jedoch ein unangenehmes Gefühl ein, das durch die Musik von Joseph Bishara noch deutlich unterstrichen wird. Er hat einen nachwirkenden Score verfasst, der teils nicht nur atonal ist, sondern durch unerwartete Tonschwankungen das unterbewusste Gefühl von Bedrohung noch verstärkt. Für sich genommen ist die musikalische Untermalung nichts Besonderes, den Film unterstreicht sie jedoch ganz immens.

„The Conjuring“ ist die Art Film, die auch funktionieren würde, wenn man die Jump-Scare-Momente entfernen würde. Man würde dann im Kinosessel nicht mehr zusammenzucken, die unheimliche Stimmung und Atmosphäre des Films wäre aber auch dann erhalten und auf den Zuschauer wirksam.

Old-School für moderne Zuschauer

„The Conjuring“ ist der beste Beweis dafür, dass man für einen Horrorfilm keine exorbitanten Sets oder ausufernden Effekte benötigt, dass Blut nicht hektoliterweise spritzen und Ekelmomente nicht vonnöten sind, um ein Stück spannendes Kino zu erschaffen, das anders als Torture-Porn-Orgien dem Zuschauer wirklich Angst einjagen kann.

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Atmosphäre statt Blutfontänen: Conjuring bezieht seinen Horror aus einfachen, aber umso wirkungsvolleren Mitteln.
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Mit diesem Film ist Wan erneut das Kunststück gelungen, mit Stimmung und Schocks eine Reaktion beim Publikum auszulösen. „The Conjuring“ könnte der furchterregendste Film des Jahres sein, ebenso ist aber auch möglich, dass James Wans „Insidious 2“ da noch ein Wörtchen mitzureden hat. In beiden Filmen spielt übrigens Patrick Wilson die Hauptrolle.