Die Romane von Joe R. Lansdale wurden noch nicht häufig verfilmt. Hier liegt noch viel Gold, das filmisch geborgen werden kann. Nun hat sich immerhin Jim Mickle („Vampire Nation“, „We Are What We Are“) als Schürfer betätigt und mit „Cold in July“ einen so spannenden, wie überraschenden Southern-Noir-Film abgeliefert.

Cold in July - Official Trailer

Richard (Michael C. Hall) und Ann (Vinessa Shaw) wachen nachts auf. Geräusche sind in ihrem Haus zu hören. Richard nimmt seinen Revolver und sieht sich um. Im Wohnzimmer trifft er auf einen Maskierten. Als dieser eine Bewegung macht, erschrickt Richard und erschießt den Einbrecher. Von Gesetz wegen hat er nichts zu befürchten, er hat in Notwehr gehandelt, aber der Tod des jungen Manns macht ihm zu schaffen.

Cold in July - Brutal, intensiv, überraschend – es ist wirklich kalt im Juli!

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Richard Dane (Michael C. Hall) erschießt einen Einbrecher. Danach ist nichts mehr so, wie es mal war.
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Als er hört, wann und wo er beerdigt werden soll, fährt er dorthin und trifft auf dessen Vater, den gerade aus dem Gefängnis entlassenen Ben Russel (Sam Shepard). Obwohl Ben freundlich ist, ist doch alles, was zu Richard zu sagen hat, eine klare Drohung. Richard fürchtet um die Sicherheit seiner Familie. Er spricht mit der Polizei, doch die kann rein gar nichts tun.

Erst als in Richards Haus eingebrochen wird, wird die Polizei tätig. Man geht davon aus, dass es Ben gewesen ist. Das Haus wird unter Beobachtung gestellt, da man hofft, Ben auf frischer Tat zu ertappen. Ben taucht auch auf, doch was dann passiert, hätte sich Richard in seinen schlimmsten Albträumen nicht ausmalen können.

Düster und erzählerisch gewagt

Eigentlich sollte „Cold in July“, ein Passionsprojekt für Jim Mickle, nach „Mulberry Street“ das zweite Werk des Regisseurs werden, die nachfolgenden Horrorfilme ließen sich aber leichter finanzieren. Im Rückblick ein Glücksfall, da er sich stilistisch deutlich weiterentwickelt hat.

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Richard muss um die Sicherheit seines Sohnes bangen.
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Ein nicht unerheblicher Vorteil für einen Film, der nur oberflächlich eine schon tausendmal gesehene Geschichte erzählt. Denn das, was hier in der Inhaltsangabe zusammengefasst ist, ist nur der Anfang, was Lansdale in seinem Roman und Mickle in seinem Film daraus entspinnt, ist das Porträt einer düster-dreckigen Welt, in der nichts ist, wie es scheint, und vieles einem ominösen „größeren Zweck“ geopfert wird.

Was wie ein konventioneller Thriller erscheint, nimmt rasch eine Wendung, die dem Publikum den Boden unter den Füßen wegreißt.Fazit lesen

Wie 1989

Die Geschichte spielt im Jahr 1989, was man nicht nur an Michael C. Halls unvorteilhafter, aber der Zeit angemessenen Frisur erkennt, auch in seiner Erzählweise wirkt der Film, als wäre er in jener Zeit entstanden. Mickle hat das Kino der 80er Jahre studiert und mit seinem Haus- und Hofkomponisten Jeff Grace den richtigen Mann zur Hand, um das auch akustisch aufzubereiten. Der Score erinnert an die Arbeiten von John Carpenter, er ist minimalistisch, aber effektiv und sorgt für reichlich Stimmung.

Gespannte Stimmung

Das Zusammenspiel von Michael C. Hall und Sam Shepard ist großartig. Zwischen beiden besteht immer eine extreme Spannung, die augenblicklich in Gewalt umschlagen könnte. Shepard hat dabei den intensiveren Part inne, während Halls Figur eher reagiert denn agiert. Zur Mitte des Films gesellt sich dann noch

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Wird Russel (Sam Shepard) seine Rache bekommen?
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Don Johnson hinzu, der wirkt, als sei er direkt einem Quentin-Tarantino- oder Robert-Rodriguez-Film entsprungen. Selten hat er einen härteren Hund als hier gespielt, einen Mann, der einem eigenen Moralkodex folgt, aber weit jenseits dessen steht, was das Gesetz als gut und richtig anerkennt.

Aber das ist ein Merkmal, das für alle Figuren in diesem Film gilt. Lansdale ist ein Meister darin, Charaktere zu erschaffen, die nicht nur gut oder böse sind, sondern Merkmale von beidem in sich vereinen. In seiner Welt ist alles grau, das, was man oberflächlich sieht, stimmt selten mit dem überein, was tatsächlich darunter brodelt. Er reißt den Menschen die Maske vom Gesicht – und Jim Mickle setzt dies effektiv in seinem Medium um.