Thanksgiving in Detroit, Michigan. Unaufhaltsames Schneetreiben, eisige Kälte, endlose Wälder. Mittendrin ein kriminelles Geschwisterpaar auf der Flucht vor der Polizei. Die Liebe für klassisches Genrekino hat den österreichischen Regisseur Stefan Ruzowitzky nach Hollywood verschlagen, wo er infolge seines Oscar-Gewinners „Die Fälscher“ einen uramerikanischen Neo-Western inszenierte.

Ein einfacher Plan

„Cold Blood – Kein Ausweg. Keine Gnade.“, der erst „Kin“, dann „Blackbird“ und in den USA schließlich „Deadfall“ hieß, ist Ruzowitzkys Versuch eines amerikanischen Thrillers, eines waschechten Schundromans. Mit Eric Bana, Olivia Wilde und Charlie Hunman prominent besetzt, in den Nebenrollen überragend (und auch wein wenig prahlerisch) gar mit Schauspielveteranen wie Kris Kristofferson oder Sissy Spacek.

Der Film verknüpft vier Handlungsstränge miteinander. Angetrieben wird der Plot von der Flucht eines mörderischen Geschwisterpaares durch die schneeweißen Wälder Detroits. Er schlägt sich allein durch, sie verführt einen frisch aus dem Knast entlassenen Junggesellen. Dessen Eltern wiederum bereiten sich gerade auf Thanksgiving vor, während der ansässige Sheriff auf der Jagd nach den Flüchtigen seine für sich arbeitende Tochter bevormundet.

Alle vier Stränge führen schließlich im Elternhaus zusammen, wo der Film ein traditionelles Thanksgiving-Familienfest der besonderen Art zelebriert. Wirklich elegant vermengt Ruzowitzky die Komponenten der Handlung nicht, alles wirkt immer wieder fahrig und mühevoll. In „Cold Blood“ stecken gefühlt drei, vier spannende Filme, die Summe seiner Einzelteile hinterlässt jedoch eher einen unausgegorenen Eindruck.

Cold Blood - Kein Ausweg, keine Gnade - Auf den eisigen Spuren von Fargo

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Cold Blood ist gut besetzt, aber unterm Strich leidlich spannend.
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Genregewusel

Insbesondere die Vater-Tochter-Episode, in der Sheriff Treat Williams Tochter Kate Mara diskriminiert, hätte Potenzial für eine eigene interessante Geschichte. Durch seine pragmatische Thriller-Struktur und die Konzentration auf Einzelmomente bleibt vieles davon allerdings auf der Strecke, erscheinen die dramatischen Elemente aufgesetzt und flach. Zuletzt wirkt das ganze Handlungskonstrukt von „Cold Blood“ schlicht unglaubwürdig.

Erhellt wird der unkonzentriert inszenierte Mischmasch immerhin von seinen vergnüglichen Schauspielern. Eric Bana schwankt in der Originalfassung zwischen einem aufgesetzten Südstaatendialekt und seinem eigentlich australischen Englisch, Olivia Wilde hingegen fröstelt sich unbeholfen durch eine an und für sich komplexe Figur. Kristofferson und Spacek stehlen mit wenigen Momenten allen die Show, was natürlich keine Überraschung ist.

Trotz einiger netter, Budget-bedingt jedoch klein gehaltener Actionszenen (Verfolgungsjagd mit Schneemobilen, überschaubare Shoot-outs) und einem auf atmosphärisch geeichten und um digitalen Schnee ergänzten Look fühlt sich der Film nie wirklich nach Kino an. Dass „Cold Blood“ in den USA vor einem kleinen Start zuerst via Video on Demand erhältlich sein wird, überrascht deshalb nicht. Auf kleinem Bildschirm macht der Film mit Sicherheit eine bessere Figur.