Ein Adam-Sandler-Film ohne deutschen Kinostart – das gab es in dessen ziemlich genau 20jähriger Karriere bislang tatsächlich noch kein einziges Mal. Beim hierzulande direkt ins DVD-Regal verfrachteten und in den USA gnadenlos gefloppten „Cobbler – Der Schuhmagier“ muss es sich also entweder um einen ganz besonders schlechten oder außergewöhnlich guten Sandler-Film handeln.

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Mehr als simple Fantasy

In der Tat bricht die metaphorische und sich über Genregrenzen hinwegsetzende Erzählung des Films mit eigentlich allen Konventionen üblicher Sandler-Komödien. Zunächst einmal, weil „Cobbler“ trotz eines sanften Humors gar keine Komödie ist (und sich damit einreiht in die überschaubaren Versuche seines Stars, aus dem üblichen Muster auszubrechen). Vor allem aber, weil man gar nicht so recht weiß, was er überhaupt ist.

Cobbler - Der Schuhmagier - Jetzt sind wir wirklich überrascht: Adam Sandler macht wieder gute Filme?!

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Der Film erscheint am 19.05.2015 auf Blu-ray und DVD.
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„Cobbler“ beginnt wie ein handelsüblicher New Yorker Befindlichkeitsfilm. Max Simkin (Sandler) ist solo, wohnt bei seiner demenzranken Mutter (Lynn Cohen), hat das Leben einigermaßen satt. Widerwillig betreibt er eine alte Schusterei in der Lower East Side, seine sozialen Kontakte beschränken sich auf tägliche Smalltalks mit dem nebenan arbeitenden Friseur Jimmy (Steve Buscemi).

Besonders zu schaffen macht Max die Abwesenheit seines Vaters (Dustin Hoffman), der Sohn und Ehefrau aus unbekannten Gründen verlassen und sich seither nicht mehr gemeldet hat. Übrig geblieben ist nur der Familienbetrieb und eine steinalte Nähmaschine, über die Max zufällig stolpert. Und bemerkt, dass sich mit ihr nicht nur Sohlen anderer Menschen reparieren, sondern auch deren Identitäten annehmen lassen.

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Ein Film, der es nicht verdient hat, aus dem Kino ausgeschlossen zu werden.
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Auf dem Papier klingt das wie ein nicht sehr origineller, möglicherweise sogar etwas dümmlicher Gimmick. Tatsächlich auch sind es solch simple Fantasy-Einfälle, aus denen Sandler schon Komödien wie „Klick“ oder „Bedtime Stories“ schnitzte. Doch „Cobbler“ ist anders. Statt die übernatürliche Idee für eine Reihe infantiler Gags zu nutzen, geht er ihr vollkommen logisch nach.

Großartig und irritierend

Über Schuhe also schlüpft Max in die Körper seiner Kunden und tut, was jemand wie er jetzt wohl tun muss: Im Schickimicki-Restaurant prellt er die Zeche, in einer angesagten Bar flirtet er mit Frauen. Er spielt schöne Womanizer (in Gestalt von Dan Stevens aus „The Guest“ – und welcher Mann würde nicht gern so aussehen?), mimt aber leider auch unwissend einen Auftragsmörder (Method Man).

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Max Simkin (Adam Sandler) ist Schuster, allerdings nicht aus Leidenschaft.
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Wenn man „Cobbler“ nun unbedingt in Genreschubladen einsortieren möchte, müsste man ihn erst Familiendrama, dann Body-Switch-Komödie und schließlich gar Superheldenfilm nennen – aber solche Versuche laufen allesamt ins Leere. Der für Independenthits wie „Station Agent“ gefeierte Regisseur Thomas McCarthy erzählt ganz einfach eine Geschichte, die so unberechenbar wie widerstandsfähig ist. Und einen genau deshalb nicht loslässt.

Zwar bricht McCarthys phantastische Idee recht unvermittelt über die liebevoll ausgestaltete Welt des Films herein, begreifen aber tut er sie als etwas völlig Selbstverständliches. Die magischen Fähigkeiten von Schuster Max wirken sogar wie eine kaum verwunderliche Konsequenz seines desillusionierten Alltags. Oder anders: Der Film glaubt fest an sie, nimmt sie überraschend ernst.

Dadurch gelingen ihm einige großartige und zugleich irritierende Momente. Als Max in die Schuhe des Vaters schlüpft und seiner Mutter ein letztes Abendessen mit ihrem Ehemann schenkt, ist nicht ganz klar, ob man das nun rührend oder befremdlich finden soll. Dass es aber unmoralisch ist, stellt auch der Film klar – und die Schattenseiten seiner verlockenden Gabe wird Max noch schnell genug zu spüren bekommen.

Ein höchst eigenwilliger und sehenswerter Sandler-Film, der es vollkommen zu Unrecht nicht ins Kino geschafft hat.Fazit lesen

Mögen sich die reizvollen Eigenheiten der Geschichte später vielleicht ein wenig verflüchtigen, bleibt es umso bemerkenswerter, dass McCarthy sie nicht mit Zynismus zu retten versucht. Stattdessen legt „Cobbler“ im anrührenden Schlussdrittel jenen tief empfundenen Humanismus von Adam Sandler frei, der vielen seiner Filme sonst nur unterschwellig eingeschrieben ist. Oder sich hinter Fäkalhumor zu verstecken weiß.

Cobbler - Der Schuhmagier - Neue Bilder zur Tragikomödie mit Adam Sandler

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