Was kommt nach „Ho Ho Ho“? Natürlich „Ha Ha Ha“, in Gestalt eines weiß geschminkten Gute-Laune-Garanten, dessen plakativ bunte Erscheinung an der Grenze zwischen Lachen und Grauen pendelt. Ähnlich dem Weihnachtsmann, der ebenfalls in der Lage ist, tiefe Abgründe hinter einer vertrauenserweckenden Maske zu verstecken, trifft auch der Clown die Menschen an einem ihrer wundesten Punkte – dem (potentiellen) Missbrauch von Vertrauen. Der besonders schwer wiegt, wenn der Clown nicht nur böse Taten vollbringt, sondern auch noch aus der eigenen Familie stammt.

Clown - Official Trailer

Unser liebevoller Vater

Genau das ist die Prämisse von „Clown“, einem von Eli Roth zum Glück nur produzierten Horrorfilm, der den Boogeyman zu Beginn als sympathischen Familienvater zeigt. Kent (Andy Powers) will seinem Sohn einen Clown zu seinem Geburtstag präsentieren und schlüpft deswegen, als der gebuchte Profibespaßer nicht auftaucht, selbst in ein passendes Kostüm. Das Problem dabei: Auf diesem Kostüm lastet ein Fluch, der ein Ausziehen des Kostüms unmöglich macht... und seinen Träger in ein menschenfressendes Monstrum verwandelt.

Clown - Und darum mag keiner Clowns: Eli Roth schlachtet kleine Kinder ab

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Vom Familienvater zum clownigen Alptraum: Kent alias Andy Powers
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Horrorfilme mit Clowns gibt es inzwischen ja ganz schön viele (zu nennen wären zum Beispiel „Es“, „100 Tears“, „Stitches“ oder „Killer Klowns from Outer Space“), doch so gut wie immer wird die rote Nase als Bedrohung von außen eingeführt. Die Filme bleiben auf der Ebene der Reibung zwischen Image und Taten, die dann im besten Fall gar lustig gekleidete Scherzbolde mit langen Messern zustechen lässt. Die Clownsmaske als Vertrauensbruch, das Böse als fratzige Horrorikone. Dass ein Clown in einem Horrorfilm eine Entwicklung durchmacht und eigentlich Mr. Everybody ist, kam bisher kaum in den Sinn.

Bisher = vor „Clown“, denn hier wird genau dieser Weg eingeschlagen, mit geradezu erstaunlichem Erfolg. Der Clown in „Clown“ bleibt stets greifbar, die Verwandlung läuft in nachvollziehbaren Schritten ab. Normalerweise steht bei diesen Filmen Horror im Vordergrund, doch hier ist es vor allem ein bitteres Familiendrama, das sich über die Transformation zunehmend mit Horror vermischt. „Die Fliege“ mit lustiger Wuschelperücke, beginnend als „Tales from the Crypt“-ige Groteske, die immer weiter in grimmige Gefilde abdriftet. Und doch nie den Drama-Aufhänger für pure Slasher-Thrills drangibt.

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Peter Stormare schäumt und diagnostiziert: „Nichts mehr zu retten“.
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Das Grauen lauert im Indoor-Spielplatz

Diese Gewichtung der Genres sorgt sowohl für eine dramaturgische Tiefe, die man dieser Geschichte eigentlich nicht zuschreiben würde, als auch, direkt daraus resultierend, eine greifbare Spannung, die den Zuschauer bei den Slasherszenen gehörig durchrüttelt. Der Mythos des Clowns, der hier ebenfalls ausgiebig thematisiert wird, erfordert fünf kindliche Menschenopfer, was einige haarige Splatterszenen möglich macht. Besonders effektiv dabei ist eine „Alien“-mäßige Sequenz, die in den Krabbelröhren eines Indoor-Spielplatzes angesiedelt ist. Und ihre deutlich minderjährigen Opfer regelrecht auseinandernimmt.

Es war zweifellos Eli Roth, der hier auf mehr Blut bestand – wobei aber wie geschrieben das Gekröse nicht Überhand nimmt. Bezeichnend hierfür ist die beste Szene von „Clown“, die den Sohn der Familie, der immer noch nicht wahrhaben möchte, dass Papa inzwischen aussieht wie der Joker, in den Keller schickt. Dort sitzt angekettet der Vater und strömt erneut die Mischung aus Anziehung und Abstoßung aus, die den ganzen Film durchzieht. Äußerlich hat inzwischen das Grauen Überhand gewonnen, doch innerlich ist noch ein Rest Seele vorhanden. Niemals würde sich der Sohn einer derartigen Kreatur nähern, wenn denn nicht die Ebene der nach wie vor gültigen Bindung zum Bösen da wäre.

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Die Geburtstagsparty des Sohnes ist gerettet. Ein vorbildlicher Vater, NOCH.
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Also kommt der Sohn langsam dem Clown näher und ist dabei genauso wie der Zuschauer in einer ungemütlichen Balance, die keine Vorhersage des weiteren Geschehens erlaubt. Der große rote Faden des Films ist zwar klar, doch der Weg dahin lässt vieles in der Schwebe. Ein zunehmend dunkler werdendes Drama, ungemütliche Terrorsequenzen und fies ausholende Splattermomente. „Clown“ ist weder beschränkter Situationshorror, der sich einfach nur auf ein angerissenes Szenario beruft, noch freakiger ex-und-hopp Trash. Die Ausgangsbasis lässt eigentlich beides vermuten, doch tatsächlich macht der Film ernst. Und überzeugt als erwachsener, vielschichtiger und verflucht spannender Horrorfilm.