Eine Jahrhunderte umspannende Erzählstruktur, Hollywood-Superstars in zig verschiedenen Doppelrollen, der ganz große Zusammenhang von Raum und Zeit – drunter machen’s die „Matrix“-Geschwister Wachowski und German Mastermind Tom Tykwer in ihrem Gemeinschaftsprojekt „Cloud Atlas“ einfach nicht. Bühne frei für den dreistündigen Kitschfilm des Jahres.

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„Alles ist verbunden“ lautet das Motto der 100 Millionen US-Dollar teuren Adaption von David Mitchells Beststeller. Gedreht wurde vor allem in Berlin und Babelsberg, für die Auflistung der Förderanstalten im Vorspann allein benötigt man eine Lupe. Dem von der US-Presse als wagemutig produzierter Arthaus-Blockbuster von ganz weit drüben eher argwöhnisch beäugtem Riesenprojekt mangelt es wirklich nicht an Aufwand.

Wie auch der Roman „Wolkenatlas“ verbindet die Kinoumsetzung sechs räumlich und zeitlich getrennte Geschichten zu einem großen Kaleidoskop der Schicksalhaftigkeit. Vom Pazifikabenteuer im 19. Jahrhundert bis zur Postapokalypse einer sehr fernen Zukunft reicht die Bandbreite des Handlungskonstrukts, das durch immer wiederkehrende Themen, Motive und vor allem Reinkarnationen einzelner Figuren verleimt ist.

Cloud Atlas - Eher nebulös als heiter bis wolkig

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Die Geschichte von Cloud Atlas umspannt zahllose Personen und Zeitalter - auch die ferne Zukunft.
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Zwischen den Ebenen schneiden Tykwer und die Wachowski-Geschwister immer wieder hin und her. Ein im Sterben liegender Notar auf einer Schifffahrt, der sich zum Kämpfer für die Rechte von Sklaven aufschwingt, dann wieder ein altersgrauer Verleger, dessen rachsüchtiger Bruder ihn ins Altenheim abschiebt. Von der investigativen Journalistin zum schwulen Musikus und von einer Revolution im dystopischen Korea zur Postapokalypse auf Haiwaii. Kreuz und quer durch eine bunt ersonnene Menschheitsgeschichte.

In der schicksalhaften Abfolge der Zeit scheinen sich nicht nur bestimmte Ereignisse zu wiederholen (bzw. zu bedingen, denn täglich grüßt der Schmetterlingseffekt), sondern auch immer wieder ähnliche Typen auf den Spielplan zu treten. Folglich be- und insbesondere verkleiden sich hier die Schauspielstars, um in unterschiedlichen Rollen zu unterschiedlichen Zeiten dem Reinkarnationsprinzip der Vorlage zu entsprechen.

Schauspiel-Fasching

Richtiges Schauspiel-Fasching ist das, mit Halle Berry, Jim Broadbent, Ben Wishaw, Susan Sarandon und Hugh Grant. Letzterer schlüpft unter anderem in die Rolle eines hawaiianischen Stammeshäuptlings, in jener Episode, die den Film auch umrahmt. Dort sprechen alle Menschen wie Jar Jar Binks, also mit kuriosen Dativ- und Genitivkonstruktionen sowie einem kindlichen Duktus. Das hat in der Pressevorführung des Films nicht selten zu unfreiwilligem Kollektivschmunzeln geführt.

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Aus dem Kleider- und Masken-Who-Is-Who sticht dabei keiner so sehr hervor wie Tom Hanks, der alle paar Minuten mit neuer Perücke, anderer Nasenprothese oder (Fantasie-)Akzent durch die Szenerie purzelt. Das ist mal amüsant, oft irritierend und irgendwie immer ziemlicher Quatsch. Bis auf die Figur eines wahnsinnigen Schriftstellers, der einen seiner Kritiker von einem Hochhausdach wirft, hinterlässt auch keine von Hanks Rollen wirklich Eindruck.

Wachowski-Darling Hugo Weaving (Agent Smith aus den „Matrix“-Filmen) wiederum formt das Verkleidungstheater dann schließlich zur Travestieshow um, wenn er als korpulente Altenpflegerin die Bildfläche betritt. Neben- bzw. Minirollen von Katy Karrenbauer (!) oder Götz Otto runden den Besetzungszirkus ab, bei dem die Schauspieler sich teils auch durchaus „ethnisch“ verwandeln, was zu einigen besonders kuriosen Momenten führt.

Cloud Atlas - Eher nebulös als heiter bis wolkig

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Stars wie Tom Hanks, Halle Berry und Hugo Weaving kaspern sich in zahlreichen Rollen und Kostümen durch die Jahrhunderte.
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„Cloud Atlas“ ist trotz seiner stilistischen Vielfalt, bei der sich die Regisseure vom Kostümfilm zum actionreichen Sci-Fi-Spektakel vor Green Screen farbenfroh durchtoben, letztlich erstaunlich fantasielos. Die Verknüpfung der Geschichten bleibt synthetisch, die Botschaft platt und rührselig. Was das alles nun soll, außer Allgemeinplätze von Erlösung und Vergebung zu besetzen, bleibt weitgehend unklar. Drei banal-philosophische Stunden, denen keine Bildgewalt irgendetwas nützt.