Es müssen nicht immer zwei Stunden und wahnsinnig aufgeblasene Plots (mit letztendlich eh fast immer irre wenig Inhalt) veranschlagt werden, um für etwas Kurzweil zu sorgen. Und es braucht auch keine gigantischen Budgets und das neuste CGI-Gedöns um für ausgiebiges Staunen zu sorgen. Beweis? „Close Range“ - das neuste Brötchen aus dem Ofen der zwei talentiertesten Action-Bäcker der letzten Jahre.

Plot-Skelett

Die Handlung ist eigentlich egal und in diesem Fall auch so runtergedampft wie selten, aber der Vollständigkeit halber:

Colton MacReady ist nicht nur ehemaliger Top-Soldat, sondern auch generell ein ganz harter Hund, allerdings einer mit dem Herz am rechten Fleck und so eilt er sofort zur Hilfe als seine Nichte von einer Latino-Gang entführt wird, da der Mann seiner Schwester ein nichtsnutziger Kleinspurganove ist, der sich mit den Falschen angelegt hat. MacReady stampft die Rasselbande zwar in Grund und Boden und befreit das Mädel, gelangt dabei versehentlich aber in Besitz eines USB-Sticks mit wichtigen Informationen, den die Gangster, unbedingt wieder haben wollen. Da haben sie sich aber mit dem Falschen angelegt, denn Colton ist ein extrem zäher Bursche, der zudem über ausgezeichnete Martial-Arts-Skills verfügt und so werden die Leichenberge bald größer und größer.

Close Range - The boys are back: schon jetzt einer der besten Actionfilme des Jahres!

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Jetzt gibt´s auf die Zwölf.
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Zwei Mann leisten Widerstand

Actionfans fühlen sich seit einigen Jahren wie in der Wüste Gobi: Tote Hose wohin das Auge blickt. Alle naselang zwar Superhelden in grotesken Kostümen, die mit Hilfe modernster CGI-Technik die Welt vor absurden Bedrohungen (meist in ebenso grotesken Klamotten) retten, aber irgendwie knallt das nicht so richtig durch - tief im Inneren wissen wir doch, dass diese ganzen Kasper im echten Leben nichts zu melden hätten und die Bedrohungen letztendlich völlig 'bla bla' sind, denn man darf den nächsten 456 Fortsetzungen ja nicht den Lebenssaft entziehen. Okay, im Actionfilm ist auch nicht gerade davon auszugehen, dass der Held am Ende ins Nirwana schwebt, aber ein paar echte Böswatze mit fiesen Schallerfressen, die ohne mit der Wimper zu zucken Leute killen fühlen sich doch weitaus bedrohlicher an und wenn man dann noch einen Helden wie die britische Dampframme Scott Adkins hat, dann wird der Weg zum Ziel so richtig schön physisch spürbar.

Wo Adkins hinhaut wächst das Gras aus Angst zukünftig nach unten und kein anderer Regisseur macht das so gelungen deutlich wie der immer noch viel zu wenig gewürdigte Regie-Maestro Isaac Florentine - der Mann, der das Actiongenre mittlerweile mehr oder weniger alleine schultert und in Kombination mit seinem charismatischen Lieblingskampfkoloss den Fans weltweit bereits mit „Special Forces USA“ (2003), „Undisputed II: Last Man Standing“ (2006), „The Shepherd“ (2008), „Ninja“ (2009), „Undisputed III: Redemption“ und „Ninja - Shadow Of A Tear“ (2013) feuchte Höschen beschert hat.

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Klein, aber mit großer Liebe

„Close Range“ ist nun die mittlerweile siebte Zusammenarbeit der beiden und auch hier wird der Tag am Ende wie erwartet gerettet, der Actionfilm ist inhaltlich nicht nur so überraschend wie das Ende einer Sonntagspredigt, sondern fühlt im Vergleich mit den Vorgängern extra eingedampft an - der Plot ist letztendlich nur ein Skelett, der dazu dient, die Schießereien, Autoverfolgungsjagden und Fights miteinander zu verbinden.

Das dynamische Duo ist zurück – jetzt schon einer der besten Actionfilme des Jahres!Fazit lesen

Dass das Teil trotz einer zugegebenermaßen selbst für dieses Genre argen Schlichtheit dennoch viel Spaß macht, liegt einzig und allein an den nicht mal ansatzweise geschrumpften Fähigkeiten der beiden Verkaufsargumente. Adkins, der sich auch schauspielerisch in den letzten Jahren stark verbessert hat (und deswegen in nächster Zeit ebenso in Major-Produktionen zu sehen sein wird) füllt in den wenigen ruhigen Szenen seinen Charakter immerhin mit genug Leben um zumindestens eine rudimentäre Verbindung zum Zuschauer herzustellen - so einen Onkel hätte man auch gerne! Und wenn’s dann auf die Bretzel gibt, wird gewohnte Qualität abgeliefert: Ein Scott-Adkins-Film brauch keine Effekte, der Mann ist ein Sammelsurium an erstaunlichen Effekten und verblüfft nach wie vor mit einer Menge spektakulärer Moves und Stunts.

Aber auch ein Scott Adkins wäre nichts ohne einen vernünftigen Regisseur und an dieser Front schöpft der geniale Isaac Florentine mal wieder aus den Vollen: Egal ob Kreiskamerafahrten, punktgenau platzierte Zeitlupen oder pfiffige Kamerawinkel - der Mann inszeniert wie kein Zweiter mit einem tief sitzenden, regelrecht spielerischen und sonst leider nur selten anzutreffenden Gefühl für Dynamik. Wundersamerweise schafft es der Regie-Titan dabei niemals aufdringlich zu werden, sondern immer im Dienst der Sache zu bleiben.

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Die Familie beim Kriegsrat.
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Soweit, so jetzt schon der Actionfilm 2016 - etwas Gemuffel muss aber auch sein: „Close Range“ fühlt sich im Vergleich zum restlichen Köchelverzeichnis der beiden eher klein an, als ob man während der Produktion des mit Sturzbächen an Fansabber erwarteten „Boyka: Undisputed“ noch kurzerhand, aber trotzdem mit viel Liebe, als Nebenbeiprojekt dieses Teil hier rausgehauen hat. Das liegt nicht nur am hauchdünnen Script: Es gibt sehr wenige verschiedene Schauplätze, zudem plündert Florentine inszenatorisch hemmungslos bei sich selbst: Vor allem die Italo-Western-Anleihen aus den Filmen der 90er-Jahren (siehe zum Beispiel „Cold Harvest“) werden wieder ausgepackt - das Finale ist eine einzige Verbeugung vor diesem Genre.

Dennoch: Wer Spaß an echter, wirklich absolut virtuos gemachter Action hat, wird an „Close Range“ dieses Jahr kaum vorbeikommen.