Wieder einmal hat es eine erfolgreiche Jugendbuch-Reihe ins Kino geschafft. Nach Harry Potter, Twilight und „Die Tribute von Panem“ folgt nun „Chroniken der Unterwelt“ von Cassandra Clare. Auch hierbei geht es um die erfolgsversprechenden Zutaten: Kampf, Magie und Liebe. Diesmal aber im Gothic-Look.

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Wer dachte, gruftiger als bei Twilight kann sich eine Liebesgeschichte im Film gar nicht mehr abspielen, hat noch nicht „Chroniken der Unterwelt“ gesehen. Danach lässt sich Twilight wohl eher der Emo-Fraktion zuordnen, denn halbnackte Werwölfe mit Herzschmerz, glitzernde Vampire und eine zutiefst leidende Protagonistin gibt es hier nicht.

Halbengel-Krieger und andere Gestalten

Aber auch bei „Chroniken der Unterwelt“ wird die Handlung aus der Sicht eines Mädchens erzählt: Die 15-jährige Clary Fray (Lily Collins) wird in einer New Yorker Disco voller Punks, Gothics und rockigen Gestalten Zeugin eines Mordes. Dieser scheint von den restlichen Partybesuchern aber unbemerkt zu bleiben. Selbst ihr bester Freund Simon (Robert Sheehan) hat von dem vermeintlichen Delikt nichts mitbekommen. Allerdings sieht er auch die Runen nicht, die Clary überall zu erkennen glaubt und sie scheinbar verfolgen.

Als dann auch noch Clarys Mutter Jocelyn (Lena Headey) spurlos verschwindet und ein verwüstetes Haus mit einem dämonischen Hund hinterlässt, der Clary nach dem Leben trachtet, ist nichts mehr, wie es war. Denn Clary macht plötzlich die Bekanntschaft von drei sogenannten Schattenjägern – Halbengel-Krieger, die dafür kämpfen, unsere Welt vor Dämonen zu bewahren. Jace Wayland (Jamie Campbell Bower), Alec Lightwood (Kevin Zegers) und Isabelle Lightwood (Jemima West) nehmen Clary mit ins mysteriöse „Institut“, wo die Schattenjäger-Gruppe zusammen mit ihrem Mentor Hodge Starkweather lebt. Dort erfährt sie vom finsteren Valentine Morgenstern (Jonathan Rhys Meyers), der nach dem mächtigen Kelch der Engel sucht. Und nur Clarys Mutter weiß, wo sich der sagenumwobene Kelch versteckt…

Chroniken der Unterwelt - City Of Bones - Liebesgeschichten aus der Gruft

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Lack und Leder statt Glitzer-Romantik: "Chroniken der Unterwelt" ist die Gothic-Ausgabe von "Twilight".
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Chroniken der Schattenwelt

Autorin Cassandra Clare und Regisseur Harald Zwart (Karate Kid) entführen den Zuschauer in eine düstere Fantasy-Welt voller Dämonen, Vampiren, Werwölfen, Hexenmeistern und Schattenjägern. Schnell lernt Clary, dass in New York nichts ist, wie es scheint. Liebgewonnene Menschen entpuppen sich als Wesen einer anderen Welt und sogar hinter uniformierten Polizisten stecken bösartige Dämonen. Clary muss erfahren, dass sie in dieser Welt niemandem vertrauen kann – und selbst eigentlich eine mächtige Schattenjägerin ist.

„Chroniken der Unterwelt – City of Bones“ ist der Debütroman der amerikanischen Autorin Judith Rumelt, die unter dem Pseudonym Cassandra Clare zuerst Fanfictions zu Harry Potter und Herr der Ringe schrieb. Ihre Fantasy-Reihe ist weltweit so erfolgreich, dass es inzwischen mehrere Ableger davon gibt. Die „Chroniken der Unterwelt“ umfassen inzwischen fünf Romane, ein sechster erscheint nächstes Jahr. Die „Chroniken der Schattenjäger“ erhalten dieses Jahr den dritten Band, die „Dark Artifices Trilogy“ ist bereits in Planung und die „Bane Chronicles“ erscheinen momentan noch als Ebook, sind aber für nächstes Jahr als gedruckte Version geplant. Frau Rumelt hat also alle Hände voll zu tun – und anscheinend viel über die Schattenwelt zu erzählen.

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Anders als bei anderen Jugendbuch-Verfilmungen wird bei „Chroniken der Unterwelt“ allerdings weniger mit Zauberstäben und Magie gekämpft – nein, hier kommen vorrangig lange Klingen, spitze Schwerter, Dolche, Flammenwerfer und Peitschen zum Einsatz. Passend dazu sind die Protagonisten in enge Lack- und Leder-Bekleidung gehüllt. Hier darf es im Falle der Mädels auch gerne sehr knapp und sexy sein, sodass Isabelle und Clary ein verrucht rockig- bis gothichaftes Auftreten haben.

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Natürlich trieft der Kitsch trotzdem aus allen Poren.
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Liebe zwischen Grabsteinen

Auch die Atmosphäre der Locations und der Handlung sowie die Stimmung der Charaktere passen sich dem düsteren Erscheinungsbild an, das von alten Runen, Schatullen und Schachteln, gotischen Gemäuern wie Kathedralen, zerfallenen Ruinen, Mausoleen und Marmorfriedhöfen voller Engelsstatuen, Wasserspeier und Dämonen dominiert wird. Gruselige Mönche (die Stillen Brüder) in langen Kutten und mit zugenähten Mündern, ein wirklich widerlicher, dämonischer Höllenhund – der selbst mir einen Schreck eingejagt hat - und rabiate Kämpfe geben zu verstehen, dass es sich hierbei nicht um ein Kinderbuch handelt.

Die Handlung wird durchzogen von actiongeladenen Kampfszenen, in denen die Schattenjäger mit Klingengewalt gegen Vampirhorden und Dämonen kämpfen, mal auf sich allein gestellt, mal mit der Unterstützung von Werwölfen. Diese Kämpfe wurden temporeich und spannend choreographiert, sodass das Zugucken nicht nur Spaß bereitet, sondern man auch direkt mitfiebert. Allein von den Schauplätzen, den düsteren Charakteren und den Actionszenen her, kommt nicht die Vermutung auf, dass hier ein Jugendbuch verfilmt wurde.

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Diese Gewissheit stellt sich aber schnell ein, wenn Clary anfängt, sich für den undurchschaubaren Schattenjäger Jace zu interessieren und sich die beiden näher kommen. Hier wird natürlich wieder mit Kitsch gespielt und auch um das Thema „Dreiecksbeziehung“ kommt man nicht wirklich herum, denn Clarys bester Freund Simon möchte für sie mehr sein als nur der ewige Kumpel. Aber auch Jace hat so seine Verehrer – und zwar in Form des schwulen Alec. Cassandra Clare bietet also für jede sexuelle Orientierung etwas, auch in Form des bisexuellen Hexenmeisters Magnus Bane, der sich gerne in engen Hotpants kleidet und auffällig schminkt.