Lester Ballard ist ein Kind Gottes, so wie ein jeder andere auch. Aber er ist nicht wie alle anderen. Er ist ein wildes Tier, ein Wahnsinniger, ein Außenseiter und Einzelgänger, jemand, den man eigentlich nur verabscheuen kann.

Child of God - Official Trailer #1Ein weiteres Video

Und doch hat zuerst Cormac MacCarthy ihn zur Hauptfigur eines Romans und James Franco dann zur Hauptfigur seiner filmischen Adaption gemacht. In die Rolle geschlüpft ist Scott Haze, ein Schauspieler, der es sich echt nicht leicht gemacht hat. Er hat gut 20 Kilogramm verloren, lebte alleine in ein einer Hütte in Tennessee und soll – wie seine Figur – auch so manche Nacht in einer Höhle verbracht haben. Immerhin war er nicht so method, dass er sich auch noch an einer Toten vergangen hätte.

Child of God - James Franco & Cormac MacCarthy - das ist intensiv!

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"Child of God" erscheint am 21.11.2014 auf Blu-ray und DVD.
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Für Lester Ballard ist das nämlich kein Problem. Sein erster Instinkt, als er die Leiche der Frau findet, ist, sich die Hose herunterzuziehen. Lester ist ein Mann, der seinen Instinkten folgt. Als wenn ihn das noch nicht unsympathisch genug machen würde: Lester ist ein Störenfried, jemand, der Frauen schlägt, ein Spanner, ein ganz und gar ichbezogener Mensch, jemand, der keinen guten Knochen im Leib hat. Aber seine Leiche, die liebt er. Für die stürzt er sich sogar in eine brennende Hütte. Wo die Liebe halt hinfällt…

Intensiver, hässlicher Film

James Franco hat den Film aus eigener Tasche finanziert und ihn dementsprechend so gedreht, wie es ihm vorschwebte. Er hat die Geschichte in mehrere Teile zerlegt, die mit Texttafeln eingeleitet werden. Eine Geschichte im eigentlichen Sinne ist es aber nicht.

Mehr sind es Vignetten eines hässlichen Lebens, derer man Zeuge wird. Es vergeht sicherlich einige Zeit, im Film kann man das aber nicht wirklich merken. Alles wirkt eintönig, trist, deprimierend. So wie das Leben von Lester Ballard. Der mag verrückt sein, oder es geworden sein, auf jeden Fall ist er eine Figur, mit der man sich nicht identifizieren kann.

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Lester Ballard (Scott Haze) - Ein gefährlicher Mann.
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Das macht es schwer, in den Film hineinzukommen. Man betrachtet eher mit Faszination denn mit Interesse, wie diese Lebensgeschichte ihren Weg nimmt. Dabei sollte man aber schon hart im Nehmen sein, da Franco Szenen offeriert, die nicht unbedingt schön anzusehen sind. Und damit ist nicht eine der ersten Szenen gemeint, bei der man in Nahaufnahme miterleben kann, wie Lester Ballard in den Wald kackt.

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Der wilde Mann

Franco nutzt die Vignetten aus Lester Ballards Leben, um den Zuschauer tief in den wahnsinnigen Verstand eines verlorenen Menschen hineinzuziehen. Das gelingt ihm so gut, dass man sich der Wirkung dieses Films nicht entziehen kann.

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Man beobachtet, wie Lester Ballard immer mehr dem Irrsinn verfällt, ohne dass man wirklich sagen kann, wie wahnsinnig er dabei eigentlich ist. Die Einordnung entzieht sich den Parametern eines gesunden Geistes. Was Scott Haze hier zeigt, ist eine bemerkenswerte Darstellung, die zur Interpretation einlädt.

Lester Ballard ist dabei ein Mensch, der alles verloren hat. Er hat den Punkt ohne Wiederkehr erreicht, an dem der Wahnsinn sein einziger Begleiter ist. Für Lester ist eine Leiche der einzige menschliche Kontakt, den er noch hat. Und als er diesen verliert, wird er wirklich gefährlich.

Bis zu dem Moment war Lester zwar ein widerlicher, amoralischer Mensch, aber erst im letzten Drittel von "Child of God" wird er zu einer echten Gefahr.