Der Film beginnt mit Charles Swan. Er steht da, er blickt uns an, er wartet auf etwas. Dann kommt ein Psychiater, der ihn bittet, sich zu drehen. Wir sehen Charles nun im Profil und dann – gezeichnet – das Gehirn in seinem Kopf. Bilder entspringen Charles‘ Kopf. Sie sind selbsterklärend, aber der Psychiater hat doch noch etwas zu sagen. 70 Prozent von Charles‘ Gedanken drehen sich um Sex.

Es scheint, dass Figur und Darsteller hier zu einer Einheit verschmelzen. Was man über Charles Swan sagen könnte, ließe sich auch über Charlie Sheen sagen. So ist der größte Coup des Films auch seine Besetzung. Roman Coppola hat Charlie Sheen dazu gebracht, sich selbst zu spielen – oder zumindest mit dem Image, das er in der Öffentlichkeit hat.

Charles Swan III. ist ein erfolgreicher Designer, doch dann gerät sein Leben aus den Fugen. Denn seine Freundin, die von ihm sehr geliebte Ivana, hat ihn verlassen, was Charles nun dazu bringt, über sein Leben nachzudenken. Obwohl fast 50 Jahre alt, ist er immer noch ein Kind im Körper eines Mannes.

So muss er sich fragen, ob er nun endlich bereit ist, erwachsen zu werden. Und mehr noch, ob ihm das Ivana zurückbringen würde. Aber der Weg zur Glückseligkeit ist schwierig und mit allerhand schrägen Visionen gepflastert…

Ein aus dem Ruder gelaufenes filmisches Experiment, das mit dem Überbordwerfen narrativer Regeln auch gleich den Unterhaltungswert terminiert hat.Fazit lesen

Wes Anderson für Arme

Roman Coppola hat als Second-Unit-Regisseur an mehreren Wes-Anderson-Filmen gearbeitet. Und er hat zusammen mit Anderson das Drehbuch zum vergnüglichen „Moonrise Kingdom“ geschrieben. Beide leben auf einer ähnlichen Wellenlänge und interessieren sich für Filme abseits des Mainstreams.

Charlies Welt - Wirklich nichts ist wirklich - Ein Blick in das Gehirn von Charlie Sheen: Wollen wir das wirklich sehen?

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Nur Sex im Kopf: Charlie Sheen spielt Charles Swan - sich selbst.
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Allerdings gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen Anderson und Coppola. Wo Anderson immer noch die Biege bekommt und dem Publikum einen Zugang zu seinem Film schafft, bleibt Coppola verstiegen und unnahbar. Bestes Beispiel hierfür ist „A Glimpse Inside the Mind of Charles Swan III“, der in der Theorie weit faszinierender klingt, als er es in Wahrheit ist.

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Denn der Film funktioniert nur halbwegs, wenn man ihn als Charlie-Sheen-Show versteht. Dazu ist aber auch nötig, dass man Sheens Eskapaden der letzten Jahre im Hinterkopf hat, denn nur so eröffnet sich eine Metaebene, die es ansonsten in diesem mit Gewalt auf Arthaus getrimmten Film nicht gibt.

Die Sympathie bleibt auf der Strecke

Charles Swan III ist eigentlich ein unsympathischer Typ. Er ist unfreundlich, ichbezogen, merkwürdig. Die Figur ist so überzogen konzipiert, dass sich kein Zugang zu ihr öffnen lässt. Man wird von diesem Film nie eingeladen, sich in ihm zu verlieren. Stattdessen gibt es eine Barriere, die Film und Publikum voneinander trennen.

Geradeso, als wollte Coppola das noch besonders verdeutlichen, durchbricht er in seiner letzten Einstellung die „vierte Wand“ und lässt zu, dass die Figuren als solche identifiziert werden, wenn Sheen und Co. am Strand in die Kamera blicken und erklären, wer sie im wahren Leben sind und wen sie gerade eben gespielt haben.

Die Handlung bleibt auf der Strecke

Coppolas Film besitzt keine echte Geschichte. Es sind vielmehr teils völlig zusammenhanglose Vignetten, die Charles in den unterschiedlichsten Situationen zeigen, darunter auch solchen, die als traumhafte Visionen oder Halluzinationen gesehen werden müssen, etwa jene mit den Cowboys und Indianern, in denen – es geht immer noch ein bisschen abstruser – Bill Murray seine Version von John Wayne abliefert.

Charlies Welt - Wirklich nichts ist wirklich - Ein Blick in das Gehirn von Charlie Sheen: Wollen wir das wirklich sehen?

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Hauptsache schräg: Bill Murray als John Wayne.
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Dass „A Glimpse Inside the Mind of Charles Swan III“ wie eine völlig aus dem Ruder geratene Wes-Anderson-Produktion anmutet, liegt auch am Ensemble. Neben Murray ist noch Coppolas Cousin Jason Schwartzman mit von der Partie.

Immerhin: Das Trio wirkt in seinen Rollen überzeugend. Sheen, Schwartzman und Murray sehen so aus, als ob sie wirklich Spaß daran hätten, miteinander abzuhängen.