Mit seinem zweiten Film legt Regisseur Frank W. Montag eine deutliche Steigerung hin. Viele der Defizite seines Erstlings „Slasher“ aus dem Jahr 2007 sind bei „Cannibal Diner“ nicht mehr vorhanden.

Tatsächlich präsentiert sich seine Version eines deutschen Backwoods-Films als ehrgeizige und durchaus interessante Gruselmär, die Anleihen bei bekannten Vorlagen nimmt, aber nichtsdestotrotz das Interesse des Zuschauers zu halten vermag.

Alles beginnt mit ein paar jungen Frauen, die im Wald ein Zeltlager aufgeschlagen haben und dort den Geburtstag einer Freundin feiern wollen. Doch die Frauen werden beobachtet und ruckzuck das Opfer degenerierter Kannibalen. Kaum besser geht es Kati, die sich auf dem Weg zum Lager heillos verfährt. Als sie eine Landstreicherin um Hilfe bittet, klaut ihr jemand den Wagen.

Kati läuft nun durch den Wald und trifft alsbald auf eine alte, heruntergekommene Fabrik. Darin sieht sie einen völlig verdreckten Typen, der ein riesiges Stück Fleisch hinter sich her zieht. Sie hat Angst und merkt sehr schnell, dass ihr der Weg nach draußen versperrt ist.

Monster-Kannibalen gibt es nur in Texas? Nö, auch in deutschen Landen ist man seines Lebens nicht sicher.Fazit lesen

Während Kati noch sucht, wird sie von der Kannibalenfamilie gefangen genommen. Denn, so erklärt es ihr ein kleines Mädchen, sie wird schließlich als neue Mami gebraucht, da die letzte zu schnell gestorben ist…

Cannibal Diner

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Im Wald immer gern gesehen: Holz vor der Hütte.
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Found Footage?

Der Film beginnt mit den Aufnahmen einer handelsüblichen Consumer-Kamera. Da stellt man sich auf viel Gewackel und wenig Fokus ein, doch wie sich nach wenigen Minuten zeigt, ist dies kein Found-Footage-Film, auch wenn er immer wieder Anleihen an das Format nimmt.

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Im Speziellen gilt dies für das Finale, das in absoluter Dunkelheit spielt. Nur durch den Blick durch die Kamera kann man etwas sehen. Das ist eine wenig verhüllte Reverenz an „Rec“, dessen Finale ähnlich gestaltet war. Bis hin zur Überraschung, die die Heldin in der Schwärze erwartet.

Eine Kettensäge?

Zwar hantiert einer der Kannibalen auch mal mit einer Kettensäge, die Sippe erinnert aber weniger an die Saw-Family als vielmehr an Alexander „Sawney“ Beans Verwandtschaft. Er war im Schottland des 15. Jahrhunderts der Kopf einer 48 Mitglieder umfassenden Familie, die in Höhlen hauste und Menschen nachts jagte und auffraß. Nicht unähnlich erscheint die degenerierte Familie in „Cannibal Diner“, die kaum noch Ähnlichkeit mit Menschen hat.

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Schon bald machen Kannibalen Jagd auf Kati.
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Auch sie haben sich von der normalen Gesellschaft entfernt. Statt in einer Höhle hausen sie in einer Fabrikruine (die übrigens nach den Dreharbeiten abgerissen wurde).

Spannung statt Blut

Low-Budget-Independent-Filme verlassen sich oft darauf, einfach nur Gallonen von Blut spritzen zu lassen und darauf zu hoffen, dass der Zuschauer daraus etwas Unterhaltungswert bezieht. Erfreulicherweise versucht sich „Cannibal Diner“ trotz des derben Sujets nicht an Schlachtplatten, sondern setzt ein paar Splatterszenen gezielt und effektiv ein. Davon abgesehen versucht der Film vor allem, Spannung und Atmosphäre aufzubauen.

Bei Filmen wie diesen hat man nicht unbedingt großartige Schauspieler zur Verfügung. Montag macht daraus eine Stärke, denn über weite Strecken des Films gibt es keine Dialoge (von vereinzelten Flüchen mal abgesehen), so dass sich die Geschichte ganz und gar über die Aktionen und die Bilder erzählt. Dabei wird auch keiner der Mimen überfordert, so dass man unterm Strich auch mit der schauspielerischen Leistung zufrieden sein kann.

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Kaum Dialoge: Der Indie-Film überfordert die Laien-Darsteller zum Glück nicht.
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Man könnte bemängeln, dass es keinen Background für die Kannibalenfamilie gibt, angesichts der schlanken Laufzeit ist das aber nicht weiter überraschend. Und im Grunde wäre es auch sinnlos, wäre keine Erklärung doch wirklich befriedigend.