Dieser Mann kann einfach alles: Er ist Komiker, Regisseur, Drehbuchautor, Produzent und Schauspieler zugleich – und in allen Bereichen immens erfolgreich. Das merkte auch Warner Bros. und verpflichtete Michael „Bully“ Herbig Ende 2012 für zwei Kinofilme. Der erste von beiden kommt nun auf die große Leinwand: Buddy. Darin treibt Bully als Schutzengel Alexander Fehling in den Wahnsinn - und den Zuschauer gleich mit.

Buddy - Teaser TrailerEin weiteres Video

Wir kennen ihn als Blödelbarden aus der „Bullyparade“, als bayrisch sprechenden Apachenhäuptling und dessen schwulen Zwillingsbruder in „Der Schuh des Manitu“ sowie als tuntige Vulkanette aus „(T)Raumschiff Surprise“. Nun kommt Michael „Bully“ Herbig zurück: als Schutzengel in seiner neusten Komödie „Buddy“, die diesmal mit finanzieller Unterstützung von Warner Bros. Pictures in die Kinos kommt.

Bully macht Buddy

Die Werbetrommel für seinen Film rührt Bully schon lange. Egal ob im Internet oder im Fernsehen. Dort läuft seit einigen Wochen seine gewöhnungsbedürftige Sitcom „Bully macht Buddy“, die humoristisch den Entstehungsprozess seines nächsten großen Films dokumentieren soll. Von der Suche nach Darstellern und Musikern über seine Ideen zum Film bis hin zu den großen und kleinen Problemen in Bullys Leben – alles wird thematisiert. Doch in erster Linie ist es natürlich eine großangelegte Werbung für den Kinofilm „Buddy“, wie auch schon am Titel der Sitcom ersichtlich.

Buddy - Bully macht Bull(y)shit

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Da ist er, der Buddy. Aber ob das gut gehen kann?
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Diese überaus subtile Werbung wird er auch brauchen, denn über Mundpropaganda dürfte diesmal nicht viel laufen. Auch die „Bullyparade“ gibt es nicht mehr, die immer fleißig Zuschauer für die nächsten Filme warb. So versucht es Bully also im Stile einer amerikanischen Sitcom, mit Live-Publikum, Live-Lachern (die doch inzwischen stark aus der Mode gekommen sind) und einem durch die Live-Situation begrenzten Repertoire an Handlungsorten.

Bully macht Schweighöfer

Wie auch die Sitcom wirkt der Film sehr amerikanisch. Überaus bunt und knallig in der Farbgebung, vermengt mit einigen albernen Gesangs-, Humor- und Slapstickeinlagen. Bully war natürlich schon immer einer der „amerikanischsten“ unter den deutschen Filmemachern. Ihm gelang es, den stumpfen, monotonen Sound aus seinen Filmen rauszuhalten, farbenprächtige und qualitativ hochwertige Filmaufnahmen zu produzieren und alles gar nicht so „deutsch“ wirken zu lassen.

Packshot zu BuddyBuddy

Aber auch wenn alles knallig und irgendwo amerikanisiert wirkt, hat Bully doch einen großen Rückschritt zu verbuchen: „Buddy“ erscheint weniger wie ein echter „Bully“, sondern mehr wie ein Schweighöfer-Film, der munter mit verschiedenen Stilelementen spielt.

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Ein Schweighöfer-Film von Bully?
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Schon alleine die Story lässt einen Matthias Schweighöfer oder auch Til Schweiger Film vermuten: Im Grunde handelt es sich nämlich um eine Romantic-Comedy. Eddie (Alexander Fehling) ist der verwöhnte Erbe einer Getränkefirma: Er hat viel Geld, ein wildes Partyleben und jede Menge Frauen an seiner Seite. Um die Firma seines verstorbenen Vaters kümmert er sich jedoch nicht – und diese steht inzwischen kurz vor dem Bankrott.

Ein neues Energy-Getränk soll nicht nur die Konsumenten, sondern auch die „Sprudel Factory“, die in allem sehr comichaft wirkt, wiederbeleben: Gedacht ist das Getränk in erster Linie für Rentner, die auch zur Werbeikone werden sollen. Im Altenheim trifft Eddie erstmals auf die herzensgute Pflegerin Lisa (Mina Tander) und ihren schrägen Kollegen Hütte (Daniel Zillmann), ein (Film-)Nerd par excellence.

Ich glaub, ich bin im falschen Film! Der neue Film von Matthias Schweighöfer… ist diesmal von Michael „Bully“ Herbig. What a Keinohrbully!Fazit lesen

Und ebendiese Lisa soll Eddies Traumfrau werden. Davon weiß der Gute allerdings noch nichts. Für diesen Plan fehlt nämlich noch ein gewisser jemand: Buddy. Der taucht allerdings schneller auf, als es Eddie lieb ist und stellt sich dem Lebemann, in dessen Wohnung, als sein neuer Schutzengel vor. Eddie traut seinen Augen und Ohren nicht und ruft prompt die Polizei. Aber niemand außer ihm kann diesen Schutzengel sehen oder hören. Zeit durchzudrehen!

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Mit diesem Schutzengel würde wohl jeder durchdrehen...
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Doch auch das hilft nichts, der „Buddyguard“ weicht nicht mehr von seiner Seite. Selbst ignorieren bringt Eddie nicht weiter: Der wunderliche Engel im schloddrigen Kapuzenpulli kann seinen Schützling zwar nicht anfassen, ihm aber gehörig auf die Nerven gehen, zum Beispiel, indem er singt. Dabei möchte er Eddie doch nur auf den richtigen Pfad geleiten: Und dieser führt um Lisa nicht herum.

Bully macht Quatsch

Es wird gesungen und getanzt, gestolpert und gegen Autos gerannt, Köpfe werden gegen Wände geschlagen und Jackendiebe werden absolut unnötig, auf halsbrecherischste Art und Weise, durch die gesamte Stadt verfolgt. Und wie sollte es anders sein? Mitten in diesem ganzen Chaos regiert auch noch die Liebe! Klingt doch eigentlich nach einer waschechten, amerikanischen Komödie.

Doch gerade diese Überzogenheit, besonders im Hinblick auf die Tanz- und Gesangseinlagen, fallen schnell auf die Nerven. Manchmal weiß man nicht so recht, für welches Zielpublikum dieser Film nun eigentlich konzipiert wurde: Für Kinder oder für Erwachsene mit einer ganz niedrigen Kitschschwelle, die auch mal gerne bunte Regenbögen kotzen?

Auch typisch „Rom-Com“: Direkt beim ersten Auftritt von Lisa weiß man, dass sie seine Angebetete wird – und schon geht die Spannung flöten. Und natürlich sieht die schüchterne Brillenschlange und graue Maus vom Dienst ohne Nasenfahrrad und in schicker Abendkleidung unwiderstehlich gut und wie verwandelt aus!

Buddy - Bully macht Bull(y)shit

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...und anfangen zu... tanzen?
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Zudem ist es aber auch keine neue Erfindung, dass in einer Komödie ein Schutzengel auftaucht und dieser einem unbeholfenen Typen mehr oder minder zu helfen versucht – abgesehen von den Schwierigkeiten, die der chaotische Engel dabei verursacht. Meistens gibt es zuvor jedoch irgendein einschneidendes Erlebnis, das ist hier allerdings nicht der Fall. Buddy steht nämlich urplötzlich einfach in Eddies Wohnung.

Vielleicht ist das der Grund, warum der Firmenerbe die Existenz des Engels nicht einfach akzeptieren kann. Jedenfalls wird die versuchte Verdrängung dessen über unzählige Szenen hinweg unfassbar albern in die Länge gezogen, wo jeder andere schon längst gesagt hätte: „Okay, du bist also mein Schutzengel. Wie geht’s jetzt weiter?

Das möchte weder Sinn machen noch wirklich Spaß bringen. Da helfen nicht einmal die vielen (Jung-)Stars aus der deutschen Comedyszene oder der ein oder andere Cameo-Auftritt von Schauspielern aus Bullys bisherigen Filmen, die alle – trotz oder gerade wegen des ganzen Klamauks - weitaus besser waren, als dieser halbherzige Quatsch, der mehr aufgesetzt und nur selten durchdacht scheint.