Es gibt sie bei jedem Job. Die Schattenseiten. Die Dinge, die einem das Fürchten lehren, die einen an der eigenen Berufswahl zweifeln lassen, die einen noch in den Albträumen heimsuchen. Im Fall des Filmkritikers ist es der ominöse weiße Wal – jener Film, der so abgrundtief schlecht ist, dass man ihn mit Inbrunst verabscheut. Ein Machwerk, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Bei dem man nur ungläubig auf die Leinwand starren kann und sich unwillkürlich fragen muss, ob das nicht der Untergang des Abendlandes ist.

Bruder vor Luder - Exklusiver Clip zum neuen Machwerk der Lochmann-BrüderEin weiteres Video

Dieser filmische Antichrist ist nun angekommen, unter dem unscheinbaren Namen „Bruder vor Luder“. Was wie eine stinknormale Teenie-Komödie anmutet, ist weit mehr als das. Es ist nicht nur ein Angriff auf den guten Geschmack, es ist ein Frontalangriff auf alles, was im Kino gut und prächtig ist. Auf die großen Geschichten, auf die gigantischen Emotionen, auf die Momente, aus denen Kino-Magie besteht.

Nichts davon findet sich in „Bruder vor Luder“, der in jeder Beziehung ein Rohrkrepierer ist. Und zwar nicht im Sinne von „so schlecht, dass er schon wieder gut ist“, sondern einfach nur schlecht. Man fühlt sich nach diesem Film besudelt.

Internet-Stars

„Bruder vor Luder“ ist reichlich meta, denn Roman und Heiko Lochmann spielen sich gleich selbst. Sie sind YouTube-Stars, deren Kanal millionenfach besucht ist. Aber nun wollen sie ihre minimalen Gesangskünste noch größer auswalzen. Ein eigenes Konzert soll es sein, doch darüber droht die brüderliche Partnerschaft zu zerbrechen.

Bruder vor Luder - Der mieseste Film des Jahres

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 19/211/21
Der Film startet am 24.12.2015 durch.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Denn die Fame-Bitch (ja, das Wort gibt es) Jessy hat es auf Heiko abgesehen. Nicht, weil er so ein toller Hecht wäre, sondern weil sie an seinem Ruhm partizipieren will. Doch dafür muss Roman aus dem Weg geräumt werden, weswegen die junge Dame ihre Schwester Bella einspannt. Die muss die behinderte Rolli – was für ein Spitzname – spielen, um die sich Roman kümmert. Der ist wiederum megaeifersüchtig und versucht, die Liebelei des Bruders zu unterbinden. Der große Streit ist vorprogrammiert.

08/15-Geschichte

Die Geschichte ist nichts besonderes, aber auch nicht so abgrundtief schlecht, dass sie nicht funktionieren könnte. Im Rahmen eines anderen Films wäre daraus eine passable Teenie-Komödie geworden, hier jedoch ist sie nur Vehikel für eine Ansammlung dümmster Klischees.

Packshot zu Bruder vor LuderBruder vor Luder kaufen: ab 12,04€

Kein Gag ist zu flach, kein Witz zu widerlich, als dass sich die Lochis, wie die Brüder sich gerne nennen, nicht darauf stürzen würden. In Sachen Fäkalhumor werden neue Tiefstände ausgelotet, die in sich so dämlich sind, dass man gar keine Sekunde an Gedanken daran verschwenden möchte. Aber nicht nur das, hier wird einzig und allein auf den Ekel gesetzt, ohne verstanden zu haben, dass man bei Gross-out-Humor eine feine Linie beschreiten muss. Kommt man vom Weg ab, verkehrt sich das erhoffte Ergebnis ins Gegenteil.

Bruder vor Luder - Der mieseste Film des Jahres

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/3Bild 19/211/21
Man konnte "Kartoffelsalat" also tatsächlich noch unterbieten...
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wo ist das Talent?

Man kann den Lochmanns zugutehalten, dass sie aus überschaubar wenig Talent eine ganze Menge gemacht haben. Für einen Film reicht es aber wirklich gar nicht. Die schauspielerischen Leistungen darf man als solche gar nicht bezeichnen. Die beiden leiern ihre Texte wie blutige Amateure herunter. Dabei kommt keinerlei Emotion auf, alles klingt gleich schrecklich.

Damit nicht genug, sind die Gesangseinlagen auch eine Beleidigung für jeden Gehörgang. Und weil zwei Dinge nun mal nicht reichen, sind die Lochmanns nicht nur Hauptdarsteller und Sänger, sondern haben „Bruder vor Luder“ zusammen mit Thomas Erhart als Regisseure verantwortet. Dass das Drehbuch für Debütanten nicht gerade gut austariert ist und ein eklatanter Mangel an narrativem Verständnis fehlt, kann man auf das Jungenalter der „Künstler“ schieben, am Endergebnis ändert das aber nichts.