In den USA startete „Broken City“ pünktlich zum von Januar-Resteware bestimmten Jahresbeginn, in dem die Studios nach aufwändigem Oscar-Buzz und während einer Art Überbrückungsphase zur vorgezogenen Blockbuster-Saison traditionell mittelteure Konfektionsware platzieren. Mit einem uninspirierten 08/15-Thriller wie diesem soll dann solides Geld gemacht werden, obwohl diese Schlaftablette von Film auch unbemerkt direkt auf DVD hätte erscheinen können.

Broken City - Trailer #1Ein weiteres Video

Wahlberg-David gegen Crowe-Goliath

Der Film erzählt zunächst eine als Cop- und Erotik-Thriller verkleidete Geschichte des ehemaligen NYPD-Officers Billy Taggart (Mark Wahlberg), dessen Polizeikarriere nach einem tödlichen Vorfall jäh beendet wurde. Dass er nicht ins Gefängnis wanderte, verdankt er der Gunst des New Yorker Bürgermeisters Nicolas Hostetler (Russell Crowe), der den nun als Privatdetektiv arbeitenden Ex-Cop sieben Jahre nach dessen Dienstmalheur für eine Investigation engagiert.

Taggart soll die Ehefrau (Catherine Zeta-Jones) des kurz vor der Wiederwahl stehenden Politikers observieren, die eine Affäre mit Paul Andrews (Kyle Chandler), dem Wahlkampfleiter des konkurrierenden Spitzenkandidaten, zu haben scheint. Während seiner Ermittlungen stößt Taggart auf eine weit reichende Verschwörung, die ihn zwischen die Fronten von Korruption und Vergangenheitsbewältigung zwingt und Hostetler um sein Amt bringen könnte.

Das alles klingt bereits auf dem Papier merklich langweilig, taugt in der Inszenierung von Allen Hughes aber nicht einmal zum annehmbaren Polit-Thriller. Hughes, der erstmals ohne seinen Zwillingsbruder Albert Regie führt (zusammen inszenierten die beiden zuletzt den Endzeitfilm „Book of Eli“), kann das fahrplanmäßig öde Drehbuch des Debütanten Brian Tucker leider nicht in einen aufregenden Neo-Noir verwandeln.

Broken City - Sex. Politik. Verbrechen

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Bürgermeister Russell Crowe glaubt seine Ehefrau Catherine Zeta-Jones fest im Griff zu haben.
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Stattdessen rasselt er den Stoff, der weder Fisch noch Fleisch ist, als austauschbare Auftragsarbeit runter, der man beim Malen nach Zahlen zugucken und sie entsprechend aussitzen muss. „Broken City“ mag dabei leider nicht schmieriger Crime- und Sex-Thriller, sondern eher eleganter Politkrimi sein, doch er ist weder sonderlich politisch noch tiefsinnig. Auf Spannung, die nicht aus abgezählten Drehbuchseiten resultiert, verzichtet der Film dabei genauso wie auf Höhepunkte jedweder Art.

Die zu alledem vollkommen überraschungsfreie Handlung paart sich kongenial mit absehbaren Figuren, denen moralischer Zwiespalt angedichtet wird, wo keiner ist. Gut und böse sind klar definiert in „Broken City“, während von den Nebenfiguren nicht einmal gesagt werden kann, dass sie überhaupt auf irgendeine Art definiert wären. Schablonenhaft werden sie durch einen gähnenden Plot geschoben, der vollkommen ereignislos auf ein besonders mickriges Finale zusteuert.

Unglaubwürdige Figuren

Eine bemerkenswert unterforderte Catherine Zeta-Jones muss dann drei bis vier nichtssagende Auftritte absolvieren, fähige Charakterdarsteller wie Jeffrey Wright („Casino Royale“) oder Barry Pepper („True Grit“) werden als bloße Stichwortgeber verschwendet. Russell Crowe trägt in der Rolle des aalglatten Machtträgers weniger dick auf als man erwarten könnte, dafür irritiert jedoch seine Aufmachung, die aussieht, als habe er stundenlang in Bräunungscreme gebadet.

Mark Wahlberg setzt auf seinen gewohnten Stirnfalten-Minimalismus (den böse Stimmen mutwillig mit Talentlosigkeit verwechseln), der seiner unglaubwürdigen und zu absolutem Arschlochverhalten neigenden Hauptfigur noch am ehesten einen Sinn verleiht. Letztlich bleibt indes unklar, warum Billy Taggart sich überhaupt dem ganzen Trubel aus Korruption und Machterhaltung aussetzt, wo er doch nach den kassierten 50.000 Dollar für die Observierung von Hostetlers Ehefrau auch problemlos das Weite hätten suchen können.

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Umso merkwürdiger ist es, dass der Film die über weite Teile der ersten Hälfte ausbuchstabierte Liebesbeziehung zwischen Taggart und einer angehenden Schauspielerin (deren erste Filmpremiere übrigens zu den unfreiwillig komischen Trash-Momenten von „Broken City“ gehört) einfach fallen lässt. Natalie Martinez, die in „End of Watch“ kürzlich eine ähnlich undankbare Rolle spielte, verschwindet stattdessen sang- und klanglos aus der Handlung und ward nie mehr gesehen.

Broken City - Sex. Politik. Verbrechen

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Enttäuschendes Aufeinandertreffen zweier Schwergewichte: Russell Crowe und Mark Wahlberg.
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Da der Film aber auf einen von seinen Figuren getragenen Plot setzt und für anderes, etwa die behaupteten moralischen Gedankenspiele, keinen Raum lässt, kann er ob seines oberflächlichen Umgangs mit ihnen kein Interesse für sich aufbringen. „Broken City“ ist ein leerer Vorabendkrimi, dessen letztlich in Telenovela-Gefilden versumpfte Geschichte über Loyalität, Ehebruch und Polit-Gossip trotz des hochgestochenen Titels eher an aufpoliertes Fernsehen als an die Gewandtheit eines kühlen Neo-Noirs erinnert.