Regisseur Peter Bogdanovich ist eine Institution. Seine Karriere begann als Filmkritiker, später wurde er mit Meisterwerken wie „Die letzte Vorstellung“ zu einem Aushängeschild des New-Hollywood-Kinos. Jahrzehntelang schrieb, drehte und produzierte er Filme ohne Unterlass, zuletzt sah man ihn vor allem als Darsteller in Gastrollen (etwa als Psychotherapeut bei den „Sopranos“). Nach 13 Jahren hat Bogdanovich nun allerdings wieder einen Kinofilm inszeniert: Die bis in kleinste Rollen starbesetzte Komödie „Broadway Therapy“.

Broadway Therapy - Official Trailer

Turbulente Verästelungen

In Hollywood dürfte wohl jeder neue Bogdanovich-Film wie ein Großereignis gefeiert werden. Dabei sein wollen wahrscheinlich alle; wer gefragt wird, sagt blindlings zu (und gefragt hat Bogdanovich offensichtlich jeden, den er kennt). Mit „Broadway Therapy“ gibt der mittlerweile 76jährige Regisseur seinen Schauspielern auch noch dankbares Material zur Hand: Der Film strotzt vor handlungsorientierten Irrungen und Wirrungen, die mit exakt getimten Dialogen und hohem Situationswitz in spielfreudige Kabinettstückchen verwandelt werden wollen.

Broadway Therapy - Jennifer Aniston, Owen Wilson und Quentin Tarantino in einem Film!

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Eine Nacht mit Folgen: Die quietschfidele Imogen Poots wird Owen Wilson zum Verhängnis.
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Imogen Poots führt das Star-Ensemble an. Sie spielt eine Muse (worüber sich gleich zu Beginn belustigt wird, denn selbstverständlich ist das lediglich ein Euphemismus für Escortdame), die wohlhabende Männer gegen Bezahlung ausführt. Ein solcher Mann ist der liierte Theaterregisseur Arnold Albertson (Owen Wilson). Gern bestellt er sich Prostituierte aufs Hotelzimmer, um sein Ego anschließend mit einer Art Samariterdienst zu besänftigen: Viel Geld bietet er ihnen, damit sie ihren Job sein lassen und einen Neuanfang wagen.

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Für diesen Chauviblödsinn liegen ihm die Frauen offenbar zu Füßen, jedenfalls stolpert Arnold während des Films immer wieder über frühere Escorts, denen er das Leben gerettet haben soll. Glücklicherweise bekommt das auch seine Freundin Delta (hinreißend: Kathryn Hahn) mit, die in Arnolds nächstem Stück die zweite Hauptrolle spielt. Sie erfährt, dass ihre neue Bühnenkollegin Izzy (Poots) auch so ein ehemaliges Callgirl ist, das von Arnold auf den vermeintlich rechten Weg gebracht wurde (und das in seinem Stück auch noch ein, nun ja, ehemaliges Callgirl spielt).

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Jennifer Aniston als neurotische Psychotherapeutin ist eines der Besetzungshighlights des Films.
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„Broadway Therapy” – im Original ausnahmsweise weniger treffend „She’s Funny That Way“ betitelt – nutzt diese Konstellation als Aufhänger für allerhand turbulente Verästelungen. Der Film bringt einen Privatdetektiv ins Spiel, der Izzy nachstellt, und einen notgeilen Richter, der von ihr abhängig ist. Ebenfalls sexuelles Interesse hat der Drehbuchautor Joshua (Will Forte), dessen feste Freundin Jane (Jennifer Aniston) wiederum Izzys Psychotherapeutin ist, die ihrerseits bald für deren Schauspielkollegen Seth (Rhys Ifans) schwärmt und so weiter und so fort.

Kraftloses Alterswerk

Bogdanovich geht es dabei um zweierlei: Er beschwört die klassische Screwball-Komödie, mit vordergründigen Zitaten von „Cluny Brown“ (1946) bis „Frühstück bei Tiffany“ (1961), und erzählt zugleich natürlich auch etwas über Kunst, die das Leben imitiert und umgekehrt. Das alte Thema der widerspenstigen Zähmung (hier: der Umkehrung einer Prostituierten zur Gesellschaftsdame) entlehnt er Filmen wie „Irma la Douce“ (1963), und freilich schimmert darin vor allem seine Liebe zu einem vergangenen Hollywoodkino schlagfertiger Romanzen durch.

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Der Film kommt am 20.08.2015 in die deutschen Kinos.
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Der etwas miefige Konservatismus von „Broadway Therapy” lässt sich noch verdauern, er ist Teil des Verweissystems, in dem dieser Film existiert und vielleicht auch nur existieren kann. Weniger nachsichtig aber muss man mit Bogdanovichs erstaunlich einfallsloser Regie sein: Zwar ist deren leichtfüßiges Tempo klar als Arbeit eines maximal entspannten Altmeisters identifizierbar, doch fehlt es dem Film an klugem (statt nur einfachem) Witz, an tatsächlichem Interesse gegenüber seinen Figuren, vor allem aber an erinnerungswürdigen Höhepunkten.

„Broadway Therapy” plätschert vor sich hin wie ein kraftloses Alterswerk, das pflichtschuldig an besseres Kino erinnern soll. Gerade dieses Kino aber, das frühere Hollywood der Billy Wilders und Ernst Lubitschs, hätte seinen Regisseuren keine Schludrigkeiten durchgehen lassen. Es brachte Komödien von mal bitterbösem, mal hintersinnig-leichtem Witz hervor. Und wenn es feine Gesellschaften ins Visier nahm, ging es immer auch um eine scharfe Analyse der Milieus. Bogdanovich aber, der große Filmgeschichtsliebhaber, produziert hier allenfalls heiße Luft.

Broadway Therapy - Jennifer Aniston, Owen Wilson und Quentin Tarantino in einem Film!

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Überragt all ihre Schauspielkollegen: Die grandios aufgebrachte Kathryn Hahn (rechts im Bild: Michael Shannon in einer Cameo-Rolle).
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Schade ist das vor allem um die vielen gut aufgelegten Schauspieler, deren Enthusiasmus das spröde Drehbuch zum Glück nicht ausbremsen kann. Insbesondere die mit Veteranen wie Cybill Shepherd oder Illeana Douglas besetzten Nebenrollen machen große Freude; über manch quälende Länge helfen Gastauftritte von Michael Shannon, Tatum O'Neal und Quentin Tarantino hinweg. Letzterer spielt einen Regisseur (oder sich selbst), der Lizzy schließlich fürs Kino entdeckt – und sich am Ende anhören muss, dass ihre Geschichte ja leider nicht sonderlich originell sei.