In einem Interview sprach Regisseur David Ayer über die Arbeit mit Streaming-Gigant Netflix an seinem neuen Film Bright und reagierte zudem auf die ganzen Kritiker-Verrisse.

Bright - Regisseur David Ayer spricht über den Film und reagiert auf Kritiker-Verriss

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Regisseur David Ayer gemeinsam mit Will Smith am Set zu Bright
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Seit knapp zwei Tagen ist Netflix' erster reinrassiger Big-Budget-Blockbuster Bright verfügbar. In vielerlei Hinsicht markiert der Fantasy-Actionfilm mit Will Smith und Joel Edgerton in den Hauptrollen einen Meilenstein in der Geschichte des Streamings. Manch einer spricht gar vom zukünftigen Modell, das die Kinos ersetzen wird. In einem Interview verriet Regisseur David Ayer nun, wie es war, mit Netflix zusammenzuarbeiten.

Director's Cut mit hohem Budget

Der Rohschnitt, so Ayer, hatte eine Laufzeit von dreieinhalb Stunden gegenüber den knapp zwei Stunden an Laufzeit, die er nun tatsächlich aufweist. Da ist definitiv viel rausgeflogen, was man dem Film auch anmerkt. "Die Szenen liefen vor dem Schnitt viel länger. Eine Szene, die etwa sieben Minuten lang lief, hatte dann nach dem Schnitt eine Laufzeit von eineinhalb Minuten."

Auch wenn Bright eine Netflix-Produktion sei, habe sich der gesamte Prozess der Produktion in keinster Weise von der üblichen Vorgehensweise bei einem typischen Hollywood-Blockbuster unterschieden, versichert Ayer. Also keine Algorithmen, nach denen etwa das Drehbuch erschien. Immerhin hat Netflix den Film nur gekauft, nicht von Anfang an produziert.

Aufmerksamen Zuschauern dürfte der Drache aufgefallen sein, der bei Nacht seine Runden über das alternative Los Angeles zieht. Abgesehen davon, dass ein solch riesiges Wesen, gesetzt dem Fall, dass es sich auch wie ein klassischer Drache verhält, eigentlich eine Gefahr für die Bevölkerung darstellen müsste, wollte Ayer mit dem Drachen die alternative Realität unterstreichen. Max Landis, so der Filmemacher, hatte im Drehbuch eine Szene untergebracht, in der Dary Wards Tochter davon spricht, in den Zoo zu gehen, um einen Drachen zu sehen. "Es existiert eine wesentlich größere Welt da draußen", sagt Ayer, "mit der wir uns im Moment nicht zu beschäftigen haben." Definitiv also ein Aspekt, der im bereits bestätigten Sequel behandelt werden könnte.

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Will Smith und Joel Edgerton müssen einen Zauberstab beschützen
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Bright ist der aktuell teuerste Film von Netflix mit einem Budget von rund 90 Millionen Dollar und zugleich auch der erste echte reinrassige Blockbuster-Streifen. Filme wie Spectral oder Okja waren zwar ähnlich angelegt, hatten aber gleichzeitig auch einen starken Nischen-Aspekt an sich. "Es ist wirklich faszinierend, zuzusehen, wie Netflix wächst. Ich meine, ich erinnere mich daran, als sie mir noch DVDs per Post zukommen ließen (Netflix begann als Online-Videothek)", schmunzelt Ayer. "Und jetzt inszeniere ich große Filme für sie. Es ist wirklich eine unglaubliche Reise für das Unternehmen und für mich. Denn sie lassen den Filmemachern ihre Visionen und geben ihnen die Ressourcen, um diese auch etwas riskanter umzusetzen als sonst üblich."

Angesichts der Tatsache, dass Bright als Vorreiter und Quasi-Versuchskaninchen für die nächsten 80 Filme angesehen werden kann, die Netflix im kommenden Jahr für rund acht Milliarden Dollar produzieren will, ist es doch etwas schade, dass man nicht einsehen kann, wie gut Bright nun tatsächlich beim Publikum angekommen ist. Wieviele haben den Film in den ersten 24 Stunden angesehen? Wieviele in der ersten Woche? Schaut jemand den Film mehr als einmal an? Und wie sieht die demografische Verteilung aus? Fragen, auf die es keine offiziellen Antworten geben wird. "Ich vertraue ihnen. Sie haben ihre Methoden, wie sie mit dem Geschäft umgehen. Was ich interessant finde, denn es ist in gewisser Weise die Zukunft", sagt Ayer.

Gelassene Stimmung

Vielleicht ist es ja den Feiertagen geschuldet, aber im Gegensatz zu den Verrissen von Suicide Squad reagierte Ayer relativ "milde" auf die ganzen Kritikerstimmen, die Bright als "schlechtesten Film des Jahres" und als "von einem Computer per Algorithmen verfassten Film" bezeichneten. Wobei, den typischen zynischen Ton hat er dennoch drauf.

"Das hänge ich mir an meinen Kühlschrank", antwortete der Regisseur auf Indiewires negative Kritik. "Eine starke Reaktion ist so oder so das höchstes Kompliment. Eine verdammt epische Kritik. Es ist ein großer und unterhaltsamer Film. Sie verstehen es, die Worte aneinanderzureihen, Herr Ehrlich. Ich würde es lieben, ein Drehbuch von Ihnen zu lesen."

Einen Seitenhieb konnte er sich dann aber doch nicht verkneifen. Das ist seine Reaktion auf den enormen Unterschied zwischen Kritiker-Score und Zuschauer-Score auf Rotten Tomatoes von rund 30 versus 90:

Was ist mit euch? Wie hat euch der Film gefallen?

Synopsis

Bright spielt in einer alternativen Realität der Gegenwart, in der Menschen, Orks, Elfen und Feen bereits seit Anbeginn der Zeit Seite an Seite leben. Der Actionfilm sprengt die Grenzen seines Genres und handelt von zwei Polizisten sehr unterschiedlicher Herkunft: Daryl Ward (Will Smith) und Nick Jakoby (Joel Edgerton) machen bei einer Routinepatrouille eines Nachts eine düstere Entdeckung, die die Zukunft und die Welt, die sie kennen, für immer verändern wird.

Neben Will Smith und Joel Edgerton spielen in Regisseur David Ayers Bright noch Noomi Rapace, Lucy Fry, Edgar Ramirez, Margaret Cho und Ike Barinholtz mit.