Es ist eine Geschichte, von der mag man kaum glauben, dass sie wahr ist: Ein FBI-Agent und ein Crime-Lord aus Boston machen gemeinsame Sache, um die italienische Mafia aus dem Weg zu räumen. Das war ein Bündnis, das über Jahrzehnte hinweg funktionierte, weil der FBI-Agent der eigenen Karrieresucht erlag und ein Falschverständnis von Loyalität hatte und weil der Ganove virtuos verstand, den „Freund“ zu instrumentalisieren.

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Es ist die Geschichte von Jimmy „Whitey“ Bulger, der von Johnny Depp gespielt wird. Depp, der in den letzten Jahren sehr uninteressante Figuren gespielt hat, hat hier deutlich mehr Material, mit dem er arbeiten kann. Er kann es noch, er glänzt. Die alte Brillanz ist nicht verloren. Es ist eine Freude, Depp zuzusehen. Die Optik der Figur ist ungewöhnlich. Depp geht darin auf, aber es ist sein vielschichtiges Spiel, das „Black Mass“ so interessant macht. Das ist umso bemerkenswerter, da Whitey wirklich kein sympathischer Kerl ist. Aber das gilt eigentlich für alle Figuren dieser Gangster-Geschichte.

Black Mass - Johnny Depp endlich wieder in Höchstform

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Der Film erscheint am 15.10.2015 in den deutschen Kinos.
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Ein Bündnis

1975 in Boston: Whitey Bulger ist ein Gauner, der in seinem Viertel in South Boston angesehen und beliebt ist. Er hat Ärger mit der italienischen Mafia, die in sein Revier eindringen will, doch dann erhält er eine Chance, wie sie im Leben nur einmal kommt.

Der FBI-Agent John Connolly (Joel Edgerton), der mit Whitey aufgewachsen ist, macht dem Gauner ein Angebot. Er wird offiziell als Informant geführt und genießt dadurch Protektion, muss aber Informationen liefern, mit denen sich die Italiener aus dem Verkehr ziehen lassen. Was als ein moralisch fragwürdiges Bündnis beginnt, wird schnell zu mehr, denn Connolly verschließt die Augen vor Whiteys Machenschaften. Ihn interessieren nur seine Ergebnisse, auch wenn dafür Leute über die Klinge springen müssen.

Eine wahre Geschichte

„Black Mass“ ist ein klassischer Gangster-Film in der Tradition von „GoodFellas“ oder „Blow“, die auch auf wahren Geschichten basieren. Er hat allerdings nicht dieselbe Klasse wie diese beiden Filme. Einerseits, weil die Geschichte nicht voll ausgespielt wird, andererseits, weil Whitey Bulger die deutlich uninteressantere Figur ist. Oder anders gesagt: Bei ihm geht es um einen wirklich kleinen Fisch.

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Grandiose Schauspieler, mittelmäßiger Film.
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Das größte Problem ist dabei jedoch, dass die Emotionalität nicht so stark herausgearbeitet wird wie bei den beiden genannten Filmen. Zwar muss auch Whitey Schicksalsschläge hinnehmen, sein persönliches Leben tritt aber zu sehr in den Hintergrund. Das verhindert, dass man als Zuschauer in ihn investiert. Denn sympathisch ist er nicht, so dass im Grunde nur das Interesse bleibt, zu sehen, wie es um das Schicksal dieser Figur bestellt ist.

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Schnelldurchlauf

Im Grunde leidet „Black Mass“ auch daran, dass er eine zu große Zeitspanne abdecken will. Über 20 Jahre hinweg wird die Geschichte erzählt, dabei gibt es aber Zeitsprünge, die extrem hoch sind. Die Lücken muss man als Zuschauer selbst auffüllen – oder aber Vorkenntnisse mitbringen.

Das schmälert die Wirkung, da der zeitliche Ablauf auch nicht immer klar ist. Problematisch ist dabei auch, dass die Figuren physisch nicht altern. Man hätte hier eine stärkere Maske benötigt, um die zwei Jahrzehnte auch zu visualisieren.

So jedoch hat man das Gefühl, zu wenig zu sehen. Paradoxerweise müsste der Film länger sein, hat aber im Mittelteil auch Längen.