Mal wieder ein Film von Christopher Smith, der sich inzwischen als versierter Genre-Fan behauptet und zumindest bisher mit jeder Produktion eine Leistungssteigerung verbuchen konnte. Nach „Creep“, einem mittelprächtigen U-Bahn-Thriller mit „uns“ Franka Potente, folgte „Severance“, eine drollige Mischung aus „Stromberg“ und „Wrong Turn“, und schließlich der verflucht spannende und clevere Zeitschleifen-Thriller „Triangle“. Ein europäischer Genre-Regisseur, der innerhalb kürzester Zeit einen soliden Fuß in die überschaubare „Mid Budget“-Tür bekommen hat. Als Belohnung winkt eine nicht klimatisierte Abenteuerreise ins verpestete Sachsen.
„Black Death“, die Überschrift dieser Belohnung, ist ein im Mittelalter angesiedelter Horrorfilm, der komplett mit deutschen Geldern finanziert und zu einem guten Teil in den Wäldern Sachsens und Sachen-Anhalts gedreht wurde. Die Geschichte handelt von Ritter Ulric (Sean Bean), der mit seinen Mannen ein bisher von der Pest verschontes Dorf aufsuchen soll. Hatten die Bewohner dort einfach nur verdammtes Glück...oder sind etwa dunkle Mächte und Zombies am Werk?
Raue Sitten: Im Mittelalter wird nicht gerade zimperlich "verarztet". Black Death hält die Kamera volldrauf.Das mit dem Horrorfilm mag auf die komplette Distanz des Films zutreffen, doch zumindest am Anfang wird der Zuschauer im Unklaren gelassen, welche Fährte die Ritter-Truppe einschlägt. Eigentlich wäre es ja schön blöd, einem Zombie-Tease die Erkenntnis hinterherzuschicken, dass es diesmal leider keine Matschereien gibt, doch trotzdem ist „Black Death“ auch ein Mystery-Thriller. Als ambitionierte Vergleiche fallen dem halbwegs bewanderten Genre-Fan umgehend „Der Hexenjäger“ und „The Wicker Man“ (nein, NICHT der Nicholas Cage-Heuler) ein.
Analog zu den in der Schwebe gelassenen Genre-Verhältnissen sind auch die Figuren des Films nicht eindeutig in Gut und Böse einzuordnen. Man könnte sogar sagen, dass Christopher Smith ganz bewusst die Erwartungen der Zuschauer übers Knie legt und der anfänglichen Einteilung wiederholt böse Brüche folgen lässt. Im siffigen Mittelalter von „Black Death“ geben selbst rauhbeinige Ritter nur bis zu dem Augenblick noble Gesellen ab, als sie eine Frau vor dem Scheiterhaufen retten und sie danach eiskalt abstechen.
"Herr der Ringe"-Star Sean Bean als frommer Ritter Ulric.Es darf als erfrischende Brise gewertet werden, dass Christopher Smith auf Ambivalenz statt müder Klarheit setzt, und dazu auch noch unverbrauchte Bilder sächsischer Wälder auftischt. In „Black Death“ kommt man sich vor wie im „richtigen“ Mittelalter, wozu dann auch dreckiger Gestank, verdorbene Charaktere und haarsträubend ruppige Gewalt gehören. Wo z.B. bei „Robin Hood“ die Darsteller nach einem adrett hingeföhnten Feriencamp riechen, regieren hier zertrümmerte Schädel, fettige Backen und feige von hinten durchgestoßene Schwerter.
Regie: Christopher SmithGenre:ThrillerFilmstart: Spieldauer: 102 minDarsteller:Sean Bean
Hugo Cabret Kinostart: 09. Februar 2012 Filmkritik lesen
Gefährten - War HorseKinostart: 16. Februar 2012 Filmkritik lesen
Für immer LiebeKinostart: 09. Februar 2012 Trailer ansehen
Dann gegen Ende kam ein wenig Spannung auf, reicht vermutlich auf DVD zu gucken
4/10
lautet nicht umsonst "Flesh and Blood", immerhin
einer der besten Mittelalterfilme aller Zeiten
von Paul Verhoeven und mit Rudgar Hauer ;)
Doch nach dem Filmreview werd ich doch mal nen Auge (oder auch 2;) ) drauf werfen.