Live-Action-Filmadaptionen aus Japan stehen für den großen Erfolg der entsprechenden Manga- und Animevorlagen, werden aber meist von den Fans zwiespältig aufgenommen. Das liegt oft an bestimmten, inhaltlichen Änderungen, die aber bei einer Umsetzung von dem einen Medium zum anderen unvermeidlich sind. Auch Black Butler, eine beliebte Mangaserie von Yana Toboso, wurde als Live-Action-Film umgesetzt, der trotz vieler Unterschiede sich darum bemüht, den Geist der Vorlage zu treffen.

Black Butler - Deutscher TrailerEin weiteres Video

Neues Setting, neuer Cast

Die seit 2006 bis heute nach wie vor laufende Mangaserie spielt in London während des Viktorianischen Zeitalters. In jener Vorlage handelte die Geschichte vom 13-jährigen, verwaisten Adeligen Ciel Phantomhive und seinem Dämonenbutler Sebastian Michaelis. Dieser ging bei der ersten Begegnung mit Ciel einst einen speziellen Vertrag ein, nachdem der Junge von einer unbekannten Organisation verschleppt wurde und in Lebensgefahr geriet.

Black Butler - Eine Adaption, die nicht ganz ins Schwarze trifft

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Sebastian Michaelis (Hiro Mizushima) ist ein teuflisch guter Butler.
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Ciel nahm das Vertragsangebot an, woraufhin der mächtige Dämon den jungen Konzernerben rettete und seitdem in seinen Diensten steht. Im Austausch seiner Loyalität und Kräfte darf Sebastian Ciels Seele nach seinem Tod einfordern. Als geheimer Beauftragter der Königin geht Ciel mit seinem Butler mysteriösen Vorkommnissen in ganz England nach.

Obwohl die Rahmenhandlungen des Films und der Vorlage sich ähneln, weist Ersterer dennoch viele Unterschiede auf. So ist der Protagonist der Live-Action-Variante nicht Ciel Phantomhive sondern ein japanischer Nachfahre: Bei Kiyoharu beziehungsweise Shiori Genpo handelt es sich eigentlich um ein Mädchen, das seine Identität verschleiert, um als rechtmäßiges männliches Erbe das Familienkonzern Funtom Companies übernehmen zu können. Dass es sich bei ihr und sämtlichen anderen Rollen des Casts bis auf Sebastian um neue Charaktere handelt, hängt mit dem ebenso neuen Setting zusammen.

Der Film spielt nämlich anders als die Serie nicht im Viktorianischen London. Stattdessen wurde die Handlung in ein viktorianisch anmutendes Japan im Jahr 2020 verlegt. Die Filmproduzenten wollten auf die Weise einen logischen Grund für die Verwendung japanischer Schauspieler liefern.

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Der Film erscheint am 07.08.2014 auf Blu-ray und DVD.
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Leider vernachlässigt der Film zugunsten jenes Konstrukts dabei, die eine oder andere Erklärung zu liefern, sei es die unbeleuchtete Beziehung zwischen den Familien Genpo und Phantomhive oder die Tatsache, dass sich nach 130 Jahren das gleiche Verhältnis zwischen Sebastian und seinem Meister abspielt. Generell büßt der Film durch seine konstruierte Präsentation und die modernen Schauplätze etwas Authentizität und den Charme der Vorlage ein, doch die wesentlichen Probleme des Films liegen woanders.

Eine düstere Live-Action-Adaption, die als eigenständige Neuinterpretation funktionieren könnte, wenn sie sich nicht zu stark von ihren Referenzen abhängig machen würde.Fazit lesen

Nichts Halbes und nichts Ganzes

Als Fan der Manga- und Anime-Serie wird man sich einerseits über so manch einen bekannten Dialog und andere Referenzen freuen, andererseits wirken eben jene Szenen lieblos aneinandergereiht, als hätte man sie stumpf anhand einer Strichliste mit aufgeführten Manga-Schlüsselmomenten abgearbeitet. Fairerweise schafft es der Film nichtsdestotrotz, die Mystery-Atmosphäre der Fälle aus der Serie wiederzugeben, auch wenn die Auflösung hinter den mumifizierten Mordopfern eingefleischte Krimi-Liebhaber nicht vom Hocker reißt.

Auch bei der Charakterdarstellung könnten sich die Geister scheiden. Bei ihnen handelt es sich im Grunde um bloße, farblos wirkende Abbilder der Vorlagen, die einzig auf ihre Macken und Eigenheiten reduziert werden. Zumindest Sebastian-Darsteller Hiro Mizushima gibt mit seiner Performance trotz geringer Ähnlichkeit zum Original-Charakter bei den Interaktionen mit seiner unterkühlten Meisterin und den Kämpfen eine coole Figur ab.

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Shiori Genpo (Ayame Gouriki), ist die Nachkommin von Manga-Protagonist Ciel Phantomhive.
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Apropos: Die ausgeglichen verteilten Kämpfe weisen so manch eine gute Choreographie auf. Gerade zu Beginn des Films, wenn der selbsternannte teuflisch gute Butler seine Buttermesser zückt, um den Verbrechern den Garaus zu machen, bekommt man einige überraschend clever inszenierte Kamerafahrten zu sehen. Auch vom Gewaltgrad her schafft es der Film, nicht zu explizit und doch der Darstellung aus dem Manga gerecht zu werden.

Der größte Kritikpunkt des Films ist seine gefühlte Länge. Gerade ab der Mitte, wenn die Ereignisse sich überschlagen und die Situation für die Protagonisten sich zuspitzt, wird durch teils unnötige, mehrmalige Ruhephasen die Handlung ihrer Dynamik beraubt.

Unabhängig von seiner Vorlage wirkt der Film bezüglich seiner abgeschlossenen, soliden Geschichte rund um die mysteriösen Mordfälle durchaus eigenständig. Nur bei den Figuren wird man sich die eine oder andere Frage stellen, auf die es keine Antwort gibt. Wer die Vorlage nicht kennt, sollte bei der Hand voll merkwürdigen Gegebenheiten auf Durchzug schalten. Letzten Endes präsentiert sich der Film auf eine Weise, wie man es von einem Großteil der Live-Action-Adaptionen mit Manga- oder Anime-Bezug kennt: Eben irgendwie schräg und typisch japanisch.