Vince Vaughn braucht mal eine Komödienpause. Dringend. Vor 10 Jahren war er mit „Die „Hochzeits-Crasher“ ganz oben im Lacholymp angekommen, doch seitdem gab es ausschließlich halbgare Flops. „Dickste Freunde“, „The Watch“, Prakti.com“, „Trennung mit Hindernissen“, Die Gebrüder Weihnachtsmann“, „Der Lieferheld“ - eine einzige Wüste. In absehbarer Zeit startet ja die zweite Staffel von „True Detective“, wo Vaughn hoffentlich beweisen wird, dass er auch ganz anders kann, doch bis dahin pustet „Big Business“ erst mal noch mehr Sand zwischen die Zähne.

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Berlin ist eine Reise wert

Das „Seltsame“ an diesem Film ist zunächst einmal, dass Vince Vaughn nach wie vor als Sympathieträger funktioniert und auch hier eine okaye bis gute Schauspielleistung abliefert. Der Mann ist nur insoweit ein Problem, als dass er überhaupt zugestimmt hat, bei „Big Business“ mitzumachen. Anscheinend müssen auf seinem Bankkonto immer noch Lücken klaffen, alles andere läuft zwangsläufig auf eine ausgewachsene Midlife-Crisis hinaus. Die auf unerklärliche Weise versucht, den sanften Vince Vaughn von „Der Lieferheld“ mit dem rüpeligen Vince Vaughn von „Old School“ zu verbinden. Und diese schizophrene Etwas dann in Berlin in ein peinliches Abenteuer nach dem anderen schickt.

Big Business - Außer Spesen nichts gewesen - Kommste nach Berlin, siehste Glory Holes, G8-Bomben und Vince Vaughn

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Maßkrug, Gröhlen und fesche Madln: That's Germany!
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Ja, in Berlin – wo es vor Schwulen, allzeit bereiten Mädels, Marathons, Maßkrügen, „Glory Holes“ und G8-Rauchbomben nur so wimmelt. Das ist dann auch das nächste Seltsame an diesem Film, dass Drehbuchautor Steve Conrad eine Stadt zeichnet, die er wahrscheinlich noch nie gesehen hat. Ein paar Ideen, wie zum Beispiel das gläserne Hotelzimmer, das sich als Kunstinstallation entpuppt, sind tatsächlich Treffer, doch über weite Strecken ist das einfach nur schräg, ein bisschen wie die DDR in „Top Secret“ - nur halt nicht so lustig. Vince Vaughn möchte seine Firma retten und muss dazu in Berlin den Kaufinteressenten begeistern. Es folgen Turbulenzen und ein, zwei...hundert kulturelle Schocks, unter anderem auch dadurch, dass die Rolle des Kaufinteressenten von Uwe Ochsenknecht bekleidet wird.

Es ist hart, ein Mann zu sein

Genau das Berlin-Setting dürfte der hauptsächliche Grund sein, warum „Big Business“, der in den USA völlig gefloppt ist, bei uns überhaupt in die Kinos kommt. Es hat zugegebenermaßen schon einen gewissen Reiz, Deutschland durch die Brille einer US-Komödie zu sehen – die dann allerdings auch keine Gnade dabei kennt, die kuriosen Mondo-Flecken mit dümmlichen Gags, schlecht geschriebenen Figuren und einer schmierigen Ladung Ernsthaftigkeit wieder zuzupinseln. Besonders letzteres Attentat auf den Zuschauer ist einfach nur grausig, wie das Drehbuch immer wieder in einen völlig anderen Film hineinschwenkt und Vince Vaughn als sorgenden Papa zeigt, der seine Kinder vor Mobbing-Attacken schützen möchte.

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Die drei von der Gag-Tankstelle: Vince Vaughn, Tom Wilkinson und Dave Franco.
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In einer Szene predigt „Big Business“ Familienwerte und in der nächsten dann kriegt Vaughn einen steifen Pimmel auf die Backe geknallt. Aua – was auch gleich für die restlichen Hauptdarsteller gilt, vor allem Vaughns Kollegen, dargestellt von Dave Franco und Tom Wilkinson. Ersterer ist ein grinsender Depp, zuständig für einen Großteil der (ausschließlich flachen) Titten- und Eier-Gags. Letzterer gibt einen sauertöpfigen alten Tropf, dessen konstante Unlustigkeit selbst Ken Loach zu deprimierend wäre. Was für ein Traumteam, das durch eine schwammige „Hangover“-Szenerie geschleift wird und dann auch noch mit Sienna Miller klarkommen muss – der Konkurrentin um den Auftrag und zugleich Nummer eins in der hier anwesenden Frauen-Dreifaltigkeit: 1) Bitchy Boss, 2) darbende Ehefrau oder 3) pralles Sexluder.

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Sienna Miller, der weibliche Boss. Bitchy. Natürlich.
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Spätestens jetzt wird es erneut Zeit, Drehbuchautor Steve Conrad aufs Korn zu nehmen, dem man nicht nur solche blöden Stereotypen, sondern ja auch den schiefen Genremischmasch übel nehmen kann. Ganz interessant hierbei ist ein Blick auf seine Filmographie, die mit „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“, „Das Streben nach Glück“ und „The Weather Man“ gleich drei weitere Vertreter aus der armer-Mann-versucht-das-Leben-zu-meistern-Schublade aufbietet. Wer weiß, vielleicht hätte es „Big Business“ ja gutgetan, das mit der Komödie ganz bleiben zu lassen und dafür den schalen Charakteren zwei weitere Rewrite-Runden zu schenken. In seiner jetzigen Form sitzt der Film auf jeden Fall zwischen zwei Stühlen und kommt über lahmes Stückwerk kaum hinaus.

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