Ein Mädchen wird entführt. Die Zeit drängt, da schon mehrere Mädchen entführt, gefoltert und dann getötet worden sind. Die Polizei hat auch einen Verdächtigen: den Lehrer Dror. Micki und seine Kollegen schnappen sich den Mann und wollen ein Geständnis aus ihm herausprügeln, doch ohne Erfolg. Wenig später wird die Leiche des verschwundenen Mädchens gefunden.

Big Bad Wolves - Official Trailer #2Ein weiteres Video

Es ist eine clevere Ausgangslage, die Aharon Keshales und Navot Papushado hier bieten. Es gibt nur minimale Indizien für die Schuld des Lehrers. Eigentlich sogar gar keine, nur einen Verdacht. Als Zuschauer ist man auf demselben Kenntnisstand wie die Polizisten, vielleicht tappt man sogar noch etwas mehr im Dunkeln. Man ist unschlüssig, ob der Mann wirklich der Killer ist. Darum wird der Spannungspegel auch nach oben justiert, denn man weiß, was kommen wird.

Big Bad Wolves - Für Quentin Tarantino ist dies der beste Film des Jahres

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"Big Bad Wolves" erscheint bei uns am Big Bad Wolves auf Blu-ray und DVD.
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Der Vater des toten Mädchens entführt den Lehrer, wobei der Polizist ein wenig ins Kreuzfeuer gerät. Im Keller seines abgelegenen Hauses will der Vater mit dem Mann machen, was dieser auch seiner Tochter angetan hat. Aber er verspricht ihm einen schnellen Tod, wenn er ihm sagt, wo er den Kopf seiner Tochter versteckt hat. Was folgt, ist ein Folter-Szenario, das absurd witzige Momente enthält. Dass das Tarantino gefallen hat, kann man verstehen, man fühlt sich an die Folterszene aus „Reservoir Dogs“ erinnert, nur dass sie hier den Großteil des Films ausmacht.

War er’s?

Es ist das klassische moralische Dilemma. Foltert man jemanden lange genug, wird er erzählen, was immer man hören will. Aber was, wenn man eine spezifische Information braucht? Führt der Weg dann wirklich zum Ziel? Das müssen sich hier nicht nur der Vater und der Polizist, sondern auch der Zuschauer fragen.

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Für Quentin Tarantino ist das der beste Film des Jahres.
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Die Gefahr dabei: Was wenn man einen Unschuldigen erwischt? Genau mit diesem moralischen Dilemma hantiert „Big Bad Wolves“, da er bis zur letzten Einstellung völlig unklar lässt, ob der Lehrer nun der Kindermörder ist oder nicht. Das Regisseur-Duo hat hier exzellent gearbeitet. Es sind kleine Momente, Gesten, Blicke, ein Wort hier oder da, die im Nachhinein, wenn man den Film Revue passieren lässt, Sinn ergeben.

Der große böse Wolf

Märchenhaft ist „Big Bad Wolves“ nicht, er spielt jedoch mit dem Phänomen eines großen bösen Wolfs, der kleine Mädchen jagt. Aber das ist nur eine Ebene der Geschichte, und nicht die, auf die der Titel anspielt. Denn dieser Film spielt in einer Welt voller großer, böser Wölfe, die allesamt auf eine Art handeln, die weit jenseits jeglicher Moral steht.

Was würde man dem Mörder der eigenen Tochter antun? Eine moralische Frage, die grimmig und mit pechschwarzem Humor untersucht wird.Fazit lesen

Das gilt nicht nur für den mutmaßlichen Kindermörder, sondern auch für jene, die ihn zur Strecke bringen wollen. Sowohl der Vater als auch der Polizist werden zu Monstern, das aber zumindest in unterschiedlicher Intensität. Es ist diese Intensität, von der der Film so immens zehrt. Aber nicht nur das, er konterkariert sie mit einem feinen Sinn für schwarzen Humor.

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Nach allen Regeln der Kunst hätte dies nicht funktionieren dürfen, die Verquickung eines ultrabrutalen Folter-Plots mit einer an Absurdität heranreichenden Situationskomik hätte sich beißen müssen, aber in „Big Bad Wolves“ wird hieraus mehr als die Summe seiner Einzelteile. Es funktioniert, und das auf eine Art, der man sich nicht entziehen kann. Manchmal will man wegsehen, aber „Big Bad Wolves“ ist in seiner Konsequenz so verführerisch, dass man das nicht kann.