Gott sei Dank: Das deutsche Genrekino blüht! Viel Schönes kann man über die neuerlichen Versuche, auch hierzulande vor allem (wieder) Horror- und Mystery-Filme zu produzieren, bislang aber nicht sagen. „Bela Kiss: Prologue“ lockt auf dem Poster mit schmierigen Folterporno-Versprechungen, ist aber nur eine sterbenslangweilige Genremixtur aus Mystery-Trash und filmstudentischem Kunstquatsch.

Blutgericht in Ungarn

Alles beginnt mit einer Gruppe von fünf Bankräubern, die sich in ein abgelegenes Hotel nahe Budapest verschanzt. Auf dem Weg dorthin erschießen die flüchtigen Kriminellen noch einen Jäger, dessen digitales Blut die Kameralinse so billig-doof beschmaddert, dass man sich zunächst in einem teutonischen Tarantino-Rip-off wähnt.

Vermutlich soll das den Zuschauer vorzeitig bei Laune halten, denn die kommenden 60 Minuten passiert erst einmal überhaupt nichts.

Im Hotel angekommen, dreht sich die verlaberte Handlung nämlich vorwiegend um die vollkommen uninteressanten Beziehungen innerhalb der Bankräuber-Konstellation, während das Hotelpersonal in einer andauernd unfreiwillig komischen Aura des Unheimlichen und Mysteriösen um die Gruppe schleicht.

Visuell selbstverliebter und schläfrig machender Serienkillerhorror aus deutschen Landen. Vielleicht einer der langweiligsten Filme, die jemals gedreht wurden.Fazit lesen

Unterbrochen wird die in der Tat rätselhafte Trägheit des Settings durch Rückblenden, in denen via Bildschirmschonerästhetik die Hintergründe des ungarischen Serienmörders Béla Kiss umrissen werden.

Bela Kiss: Prologue - The Hungarian Chainsaw Massacre

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Blutgetränkt über Stock und Stein: das unentbehrliche Final Girl.
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Kiss ermordete zu Beginn des 20. Jahrhunderts mindestens 24 junge Frauen, konnte aber nie gefasst werden. Über seinen ungeklärten Verbleib ranken sich angeblich ebenso Legenden wie um die Art, in der er seine später konservierten Opfer getötet haben soll. Erst im letzten Drittel des Films finden die beiden Parallelstränge aus Gegenwart und Vergangenheit krude zusammen, ehe der schläfrige Pseudo-Mystizismus auf den letzten Metern einer deutsch-ungarischen Variante des „Texas Chainsaw Massacre“ weicht.

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Den titelgebenden Serienmörder interpretiert „Bela Kiss: Prologue“ als Quasi-Vampir mit Meister-Proper-Gedächtnis-Look, der sich im Kreise seiner Sippe durch die Hotelkundschaft schnabuliert. Saudoofe Bankräuber, angeführt von einem lachhaft auf Badass getrimmten Jay-Khan-Verschnitt (Fabian Stumm), kommen der Kannibalentruppe also gerade recht – zumal eine von ihnen (Kristina Klebe, die sogar schon in Rob Zombies „Halloween“ spielen durfte) offenbar in einer Verbindung zu ihr steht.

Bela Kiss: Prologue - The Hungarian Chainsaw Massacre

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Mehr als lange Hotelgänge gibt es während der ersten 60 Minuten kaum zu sehen.
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Das grandios-dämliche Drehbuch einmal außen vor gelassen: „Bela Kiss: Prologue“ tut weh, richtig weh. Was vielleicht als traumwandlerischer Horrorfilm gedacht war, möglicherweise der surrealen Hotel-Vampir-Esoterik aus „Blut an den Lippen“ von Harry Kümel nicht unähnlich, ist ausnahmslos prätentiöser Popanz. Unsinnlich und langweilig trampelt der Film zwei Drittel lang auf der Stelle herum, um im Finale verzweifelt und penetrant ein wenig kunstvoll bepinselte Blutwurst zuzubereiten.

Der Killer mit dem Batikmantel

In einer Mischung aus Film- und Digitalmaterial sowohl mit Bolex- als auch Red-Kameras gedreht, sieht dieses Regiedebüt von Lucien Förstner dennoch nur wie ein billig auf bekannte Movie-Looks geeichtes Bilderderivat aus.

Die künstliche graue Farbgebung erinnert in ihrer uninteressanten Plastizität an Marcus Nispels „Texas Chainsaw Massacre“-Remake, die grotesk überstilisierten Sepia-Flashbacks wiederum muss man sich wie Galileo Mystery mit digitalem Nachbearbeitungs-Overkill vorstellen.

Dem fügen sich ausgestellte Slow-Motion-Shots, die wohl den schwerfälligen, auf verquaste Übernatürlichkeit abzielenden Tonfall begünstigen sollen. In etwa der 70. Minute fährt die visuelle Nonsensstrategie des Films zu Hochtouren auf, wenn der Sohnemann von Bela Kiss mit Batikmantel und Killer Walk in Zeitlupe sein mindestens 100 Mal zu Boden fallendes Final Girl verfolgt.

Diese Szene mutet wie die Parodie eines Horrorfilms an, scheint sich mithilfe dick aufgetragener dramatischer Fake-Orchester-Musik aber als epischen Höhepunkt zu verstehen.

Bela Kiss: Prologue - The Hungarian Chainsaw Massacre

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The Hungarian Chainsaw Massacre: Im Finale wird geschlachtet.
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Dass der überwiegend im Schwabenland gedrehte „Bela Kiss: Prologue“ mal wieder ein herzlich wenig deutscher Genrefilm ist, überrascht angesichts der bedauerlichen Bemühungen junger hiesiger Regisseure, es meist unbedingt den US-Vorbildern nachzumachen, schon gar nicht mehr.

Förstner jedoch ließ seinen Film gleich auf Englisch produzieren, sodass man in der nicht immer geglückten deutschen Synchronisation nur noch vermuten kann, es überhaupt mit einem heimeligen Horrorfilm zu tun haben…

…gäbe es da nicht einen ebenso überflüssigen wie kuriosen Gastauftritt von Collien (Ulmen-)Fernandes, der den ganzen Quatsch endgültig besiegelt.