Nach einer guten halben Stunde mit an Wänden fahrenden Motorrädern, eimerweise Blut, viel gutem Willen und noch mehr „Seht euch mal diese riesigen Wackel-Brüste an!“-Kameraeinstellungen war es dann soweit. Aus ernstgemeinten wurden „Was soll der Scheiß überhaupt?“-Fragen wurden frustrierte Seufzer. Mein Sofanachbar warf resigniert die Flinte ins Korn, während ich mich noch halbwegs unterhalten fühlte. Kennt ihr diese Filmadaptionen, von denen behauptet wird, man müsse die Original-Vorlage nicht kennen? Bayonetta: Bloody Fate ist keine davon.

Früher oder später drängt es sich ohnehin auf, also bringen wir es gleich hinter uns: Warum ausgerechnet Bayonetta? Warum ausgerechnet ein überbordendes Spiel in knappe 90 Minuten pressen, das neben Humor, Action und Köpfchen dutzende weiterer Vorzüge hat, vor allem das ach so fernsehtaugliche Sexappeal, nur leider kein bisschen Gespür für eine konsistente Geschichte?

Weil es Humor, Action, Köpfchen und Sexappeal hat, schon klar. An Schauwerten hat es Bayonetta noch nie gefehlt, weder mit Controller noch Fernbedienung in der Hand, insofern drängt sich ein Anime-Umsetzung geradezu auf – hat bei Devil May Cry ja auch schon ganz gut funktioniert. Nur wurde dem weißhaarigen Dämonenschlächter die dreifache Laufzeit, vor allem aber eine neue Geschichte spendiert.

Bayonetta: Bloody Fate - Der Film ist meh, aber dafür haben wir ein Bild von Bayonetta in Badewanne

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 10/131/13
Vielleicht nicht die beste Szene im Film, aber erschreckend nah dran.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Bloody Fate hingegen orientiert sich stark am ersten Bayonetta-Videospiel, versucht krampfhaft in anderthalb Stunden zu erzählen, was eigentlich für eine Spielzeit von guten zehn Stunden gedacht war. Das passiert keinesfalls völlig unbedarft; Regisseur Fuminori Kizaki hat bereits mit anderen Produktionen wie Afro Samurai und der Anime-Version von X-Men gezeigt, dass er etwas von sinnvollen Auslassungen versteht, nur hat er den Bogen hier ein wenig überspannt.

Dass Bayonetta nach 500 Jahren Schönheitsschlaf ihre Erinnerungen verloren hat, schneidet man als unbedarfter Zuschauer noch einigermaßen problemlos mit und auch die Sache mit den Augen der Welt sowie der Rolle von Umbra-Hexen und Luma-Weisen, die als Hüter dieser mächtigen Relikte einander bekämpfen, ist einigermaßen klar verständlich herausgearbeitet. Für alles Weitere solltet ihr die Lauscher allerdings besser verdammt weit aufsperren und selbst dann ist es nahezu unmöglich, ohne Videospiel-Hintergrundwissen zu verstehen, was es etwa plötzlich mit den drei Welten Paradiso, Reich und Chaos auf sich hat.

Bayonetta: Bloody Fate - Der Film ist meh, aber dafür haben wir ein Bild von Bayonetta in Badewanne

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 10/131/13
Es gibt einige bekannte Charaktere zu sehen, was kein Wunder ist, da Bloody Fate im Wesentlichen die Geschichte des ersten Videospiels nacherzählt.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Wie gesagt, Kizaki lässt einige Details bewusst aus und dreht sinnvollerweise an ein paar wichtigen Stellschrauben, statt sich sklavisch an die Vorlage zu halten (und daran zu scheitern). Ihr bekommt im Kern schon noch dieselbe Geschichte wie vor fünf Jahren auf Xbox 360 bzw. PlayStation 3 erzählt, nur um Nuancen anders präsentiert – und um jedwede feinsinnige Spitzfindigkeiten bereinigt.

Schick choreographierte, etwas blutleere Adaption. Als Fanservice in Ordnung, als eigenständiger Film eher weniger.Fazit lesen

Nun mag Subtilität noch nie ein besonders auffälliger Wesenszug Bayonettas gewesen sein, plumper Dorfdisco-Slang allerdings auch nicht. Zwischen vollgestopfter Geschichte und elaborierten Actionszenen bleibt naturgemäß wenig Zeit für Charakterzeichnung, was kein übermäßig großes Problem wäre, wenn Bloody Fate nicht „sich selbst nicht zu ernst nehmen“ mit einem Freifahrtschein für „strunzige One-Liner am laufenden Band“ verwechseln würde.

Keine Vorlage ist zu plump, kein Klischee zu billig, keine Anspielung zu vulgär – als Protagonistin eines 90-minütigen Films ist Bayonetta nur noch das Abziehbild jener taffen, selbstbestimmten Frau, die wir in nunmehr zwei Videospielen erlebt haben. Von der mit ihren Reizen kokettierenden Umbra-Hexe ist lediglich ein laszives Dummchen geblieben. Blöd gelaufen.

Bayonetta: Bloody Fate - Der Film ist meh, aber dafür haben wir ein Bild von Bayonetta in Badewanne

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 10/131/13
Leider bietet die Blu-ray keine englische Tonspur, was umso ärgerlicher ist, da im Film die Original-Sprecher der Spiele vor dem Mikro stehen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Allerdings versteht sich Bloody Fate eben auch nicht als feinsinnige Charakterstudie, sondern als geradliniger, brachialer Action-Reißer – und zur Hölle, als solcher funktioniert er die meiste Zeit über ganz gut. Zwar hätte Kizaki seine Latex-Fetischistin ruhig eine Spur verletzlicher, weniger übermächtig agieren lassen dürfen, doch fängt er den Geist der Vorlage stets akkurat ein, auch wenn er nie ganz in derselben Liga spielt. Trotzdem, inszenatorisch hat der Mann seine Hausaufgaben gemacht und augenscheinlich mehr als einmal selbst den Controller in die Hand genommen, als es darum ging, zentrale Elemente des Spiels zu finden und anschließend in den Film zu übertragen.

Wenig überraschend sind dann auch die zahlreichen Kämpfe die größten Lichtblicke eines insgesamt eher trüben Films. Bayonetta zitiert sich auf angenehme Art selbst, kämpft mit den unterschiedlichsten Waffen und Gegnern vor ständig wechselnder Kulisse, stets toll animiert und eben so, wie man sie kennt. In den besten Momenten ist all das ein bisschen so, als würdet ihr selbst den Controller in der Hand halten, in den schlechteren immerhin noch solide Unterhaltung – zumindest, wenn ihr die Vorlage kennt.