In einem Interview sprach Batman-Produzent Michael E. Uslan, der seit Tim Burtons Batman jeden Batman-Film produziert hat, über die Bedeutung Batmans für Comicverfilmungen im Allgemeinen.

Batman - Batman-Produzent Michael E. Uslan spricht über die Bedeutung von Batman für die Popkultur

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Das nächste mal sieht man Batman in Batman v Superman, dem Sequel zu Man of Steel
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Tim Burtons Batman habe zwar die Comicverfilmungen salonfähig gemacht, doch Richard Donners Superman aus dem Jahre 1977 war es, der diesem Genre den nötigen Respekt Hollywoods einbrachte. Es war die clevere Besetzung des damaligen Stars und Charakterdarstellers Marlon Brando als Supermans Vater Jor El, die der Comicverfilmung die Glaubwürdigkeit einbrachte, die sie bis dahin vermissen ließ.

Tim Burtons Batman von 1989 war denn auch die konsequente Fortführung der düster angehauchten Graphic Novels wie Watchmen oder Frank Millers The Dark Knight Returns. Bis dahin waren Comicverfilmungen eher Familienfilme, ja sogar bunt und trashig. Die Entscheidung, Batman düster anzulegen war mit ein Grund, warum es so lange gedauert hat, bis man den Film auf die Beine stellen konnte, obwohl Uslan gemeinsam mit seinem Partner Benjamin Melniker die Rechte bereits Ende der 70er erwarb. Die Verantwortlichen in Hollywood waren noch aus einer Zeit, in der Comics als Teufelszeug verdammt wurde. Für sie war es Dreck, etwas, das die Kinder verdarb.

Zudem kam hinzu, dass der Durchschnittsbürger Batman nur aus dem Fernsehen in Form der berüchtigten 'Adam West'-Serie kannte - das war aber nicht der Batman, den Comicfans inklusive Uslan kannten. Dennoch setzte sich Uslan in Verhandlungen mit DC Comics Präsident Sol Harrison, seinem Mentor, und sechs Monate später hatte er die Rechte in seinen Händen. Uslan war damals ein junger Kerl in seinen Zwanzigern.

"Wie um Himmels Willen konnte ein Bengel in seinen Zwanzigern die Rechte zu Batman erwerben? Wie ist das möglich? Im heutigen Kontext wäre das absolut unmöglich", so Uslan. "Aber zu der Zeit, um ehrlich zu sein - und das ist die ungeschminkte Wahrheit - wollte einfach niemand auf dem Planeten Erde die Rechte haben."

Was Marlon Brando für Superman darstellte, war bei Tim Burtons Batman Superstar Jack Nicholson, der in die Rolle des Jokers schlüpfte. Dank einer Gewinnbeteiligung verdiente er satte 60 Millionen Dollar. Uslan war vollkommen überzeugt davon, dass Nicholson der Richtige für den Job war. Weniger überzeugt war er allerdings von Burtons Wunsch, Michael Keaton in der Rolle des Batman zu besetzen. In der Tat war er einem Schlaganfall nahe, als er davon erfuhr. Er stellte Burton zur Rede, und als der junge Regisseur ihm erklärte, warum er Keaton wollte, offenbarte sich Uslan Burtons Genie.

Denn mit Nicholson hatte man einen starken Gegenspieler. Das bedeutete aber auch, dass der Schauspieler, der Batman spielen sollte, auf keinen Fall von Nicholson an die Wand gespielt werden sollte. Also kamen nur Charakterdarsteller in Frage. Damals waren das Schauspieler wie Dennis Quaid, Harrison Ford und Kevin Costner. Die Vorstellung, dass man sie im Batman-Kostüm sehen würde, war geradezu lächerlich. Doch mit Keaton hatte Burton bereits Beetlejuice gedreht. Burton sagte, "Um das Publikum dazu zu bringen, eine Comicverfilmung ernst zu nehmen, muss sie von Bruce Wayne handeln, nicht von Batman."

Glaubwürdigkeit war also das oberste Credo. Das Publikum musste auch Gotham City als Charakter akzeptieren. Besonders bei Burton spielte auch die Stadt eine große Rolle. Erst wenn das Publikum die Stadt akzeptierte, konnte sie auch Bruce Wayne akzeptieren und seine Obsession verstehen, die dazu führte, dass er als Batman gegen einen Typen wie den Joker kämpfen würde. Muskeln könne man in das Kostüm einprägen, bei der Größe des Darstellers könne man tricksen, aber am Ende des Tages ginge es um Bruce Wayne, nicht um Batman. Und Keaton sei der Mann für diesen Job.

Und Burtons Gespür und Vorhaben sollte sich auszahlen. Im Sommer 1989 führte kein Weg an Batman vorbei. Der Film regierte die Welt. Nummer 1 in den Kinocharts, dank Prince auch in den Musikcharts vertreten, Merchandising in Form von T-Shirts und Hüten. Die PR war ausgefallen. Jeder wusste, was das Symbol bedeutete: Es war das Batman-Symbol. Lange vor Star Wars: Episode 1 gingen die Leute ins Kino, nur um den Batman-Trailer zu sehen, der Hauptfilm interessierte sie überhaupt nicht. Doch das Wichtigste: Batman war ein Event, das auch Erwachsene goutierten.

Der schönste Moment für Uslan persönlich war der, als er im Fernsehen des selben Jahres die Nachrichten über den Berliner Mauerfall verfolgte, und da auf einmal ein kleiner Junge über die Mauer kletterte, der einen Batman-Hut aufhatte. Ein weiterer denkwürdiger Moment war die Einladung der Führungspersönlichkeiten von Marvel Comics, gemeinsam im damals angesagtesten Restaurant New Yorks essen zu gehen. Sie bedankten sich damit für den Anstieg der Comicverkäufe um 20 Prozent. Und das, obwohl Batman von DC Comics ist. Selbst Marvel Comics profitierte also von Batmans Kinoerfolg.

Wurden Comics früher belächelt und im schlimmsten Fall verteufelt, so hängen Werke der bedeutendsten Comiczeichner heute in Museen aus, werden auf Austellungen präsentiert und erzielen hohe Summen bei Auktionen. Und obwohl viele dieser Superhelden in den USA entwickelt wurden und ursprünglich amerikanische Superhelden waren, gehören sie heute zur Weltkultur.