Es ist wohl nicht das beste Zeichen, wenn eine Stephen-King-Adaption im Jahr 2011 in den USA debütierte, aber erst zwei Jahre später den Weg nach Deutschland findet. „Bag of Bones“ ist ein Fernsehzweiteiler mit Pierce Brosnan und Melissa George, der von Mick Garris inszeniert wurde. Vor ein paar Tagen erschien der Geisterfilm nun auf DVD.

Bag Of Bones - Promo Trailer

Mike Noonan ist ein erfolgreicher Schriftsteller, der seine Frau Jo immer den letzten Satz eines jeden Romans schreiben lässt. Nach der Veröffentlichung seines jüngsten Romans stirbt Jo bei einem Autounfall. Für Mike ist das verheerend, er flüchtet sich nach Maine ins Haus seines Großvaters. Ihn plagt, dass Jo schwanger war, er selbst aber unfruchtbar ist. So fürchtet Mike, dass seine Frau eine Affäre hatte und sucht nach Spuren dafür, hat sie doch viel Zeit im Haus nahe dem Dark Score Lake verbracht.

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In dem einsamen Haus hat Mike Tagträume und glaubt, Nachrichten und Botschaften seiner Frau zu sehen, so etwa Magnetbuchstaben auf dem Kühlschrank, die sich bewegen und Worte bilden. Außerdem hat er Albträume und Visionen einer Jazz-Sängerin in den 30er Jahren.

Mike lernt Mattie kennen, die sich gegen ihren Schwiegervater Max Devore zur Wehr setzen muss, der die Vormundschaft über ihre Tochter an sich reißen will. Mike hilft ihr, aber das ist längst nicht genug. Er kommt einem Mysterium auf die Spur, das 1939 begann und im gewaltsamen Tod mehrerer Mädchen endete…

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Die alten Geister-Tricks

„Bag of Bones“ ist eine durchwachsene Sackladung altbekannter Klischees. Oftmals hat man das Gefühl, der Film würde sich lieber darauf kaprizieren, als echtes Drama durchzugehen, aber die Vorlage bietet ein paar übernatürliche Elemente, die man bei Stephen King auch erwartet. Diese äußern sich in der Verfilmung jedoch hauptsächlich in sehr klischierten Sequenzen, die man so oder ähnlich schon dutzendfach in Geisterfilmen gesehen hat.

Bag Of Bones - Horror nach Stephen King: Pierce Brosnan zum Fürchten

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Pierce Brosnan hat alle Hände voll zu tun.
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Visionen, die die Hauptfigur plagen, rätselhafte Botschaften mit Magnetbuchstaben, andere Auffälligkeiten, die auf Jo hinweisen, und nicht zuletzt Tagträume eines toten Mädchens, das irgendwie der Schlüssel zu allem ist – das alles wird von Mick Garris recht uninspiriert abgespult.

Dabei ist der Regisseur ein alter King-Hase, der 1992 mit „Schlafwandler“ seinen Einstand gab und neben Highlights wie der Miniserie „The Stand“ auch Schlaftabletten wie die TV-Version von „The Shining“ verantwortet hat. „Bag of Bones“ tendiert eher in Richtung von letzterem, auch wenn er aufgrund der Laufzeit etwas kompakter ist. Die Problematik des Films ist aber dennoch, dass er im Grunde nicht genug Stoff hat, um fast drei Stunden Laufzeit zu füllen.

Zu oft wird Wasser getreten, erst im zweiten Teil nimmt die Geschichte etwas Gang auf, weil dann auch klarer wird, was es mit der mysteriösen Geschichte aus dem Jahr 1939 auf sich hat. Eben dieses hält das Interesse des Zuschauers halbwegs wach, die Figurenkonstellation vermag dies nämlich nicht.

Packshot zu Bag Of BonesBag Of Bones

Beziehungsarm

Der Roman gibt vor, dass Mike sich für Mattie interessiert. Dass beide in der Vorlage jünger sind, ist nicht wirklich von Belang, dass es im Film aber kaum gemeinsame Szenen von Mike und Mattie gibt, hingegen schon. Dass hier eine wie auch immer geartete Beziehung abläuft, ist allenfalls behauptet, aber nicht erkennbar. Aus diesem Grund wirkt die Figur Mike Noonan aber auch von allem losgelöst, da er sich zwar in den Disput mit dem alten und irren Devore einmischt, aber für ihn letzten Endes nichts auf dem Spiel steht.

Bag Of Bones - Horror nach Stephen King: Pierce Brosnan zum Fürchten

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Wie passend: Regisseur Mick Garris verfilmte auch schon "Schlafwandler".
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Pierce Brosnan hat Präsenz, das ist eine seiner größten Stärken. Die kann er auch ausspielen, obwohl seine Figur nicht allzu viel hergibt. Aber sie ist noch diejenige, die in diesem Film am lebendigsten erscheint, während alle anderen Protagonisten nur marginal ausgearbeitet sind. Mit am interessantesten sind noch Devore und seine Gesellschafterin, die gnadenlos übertrieben gespielt werden, aber dadurch zumindest ein wenig Extravaganz in einen ansonsten sehr gewöhnlichen Film einbringen.

Zu ruhig

Die farblose Inszenierung und das maue Drehbuch sind ein tödliches Duo für „Bag of Bones“. Zwar muss man anerkennen, dass es schwer ist, gerade dieses Buch zu adaptieren, da viel in Mikes Kopf stattfindet und über den erzählenden Text vermittelt wird, was sich schwerer filmisch umsetzen lässt, aber das ändert nichts daran, dass sich der Film ausgesprochen zäh präsentiert.

Wer sich hier gruselt, hat vermutlich kaum entsprechende Geisterfilme gesehen, denn die Mär vom rachedurstigen Gespenst ist nun alles andere als neu, wurde über die Jahre hinweg aber auch schon effektiver umgesetzt.