An dieser Stelle sei übrigens die Frage nach dem „3D“ oder „nicht 3D“ mit einem klaren „unbedingt“ beantwortet. „Avatar“ funktioniert – das ist die gute Nachricht – auch ohne die optische Spielerei, der Immersionseffekt wird aber deutlich verstärkt. Immer dann wenn Jake Sully seinen Avatar verlässt, wieder zurück in die eigentlich „reale“ Welt kehrt, schafft es Cameron, dass ich mich wie „herausgerissen“ fühle. Wie Jake will ich zurück, wieder die Schönheit von Pandora genießen, weiter staunen, wieder entdecken. Denn irgendwann ab Stunde zwei zieht dieses Abenteuer so in den Bann, dass man förmlich versinkt zwischen schwebenden Bergen, luminiszierenden Pflanzen und grazil-erhabenen Ureinwohnern.
Die Flugsequenzen sind in 3D einfach purer Wahnsinn, pures Kino.Interessant ist dabei, dass trotz drei Stunden Laufzeit nicht eine Sekunde Zeit bleibt, um auf die Uhr zu gucken. Gab es auch schon lange nicht mehr: Ein Kinoerlebnis, so fesselnd und komplett, dass man das Langweilen einfach vergisst. Nicht einmal über Logiklöcher oder schauspielerische Inkompetenzen könnte ich an dieser Stelle mosern, „Avatar“ walzt derartige Bedenken ohne Anlauf aus dem Unterstübchen.
Dabei drückt „Avatar“ im Grunde lediglich die typischen Knöpfe beim Zuschauer: Die „großartige Story“ von der Cameron und Co. dieser Tage gerne in Interviews schwadronieren, ist eigentlich nicht viel mehr als eine Aneinanderreihung gängiger Abenteuer-Schemata: ein unterdrücktes Volk, ein Fremdling, der daraus resultierende „Cultureclash“ und natürlich der ewig währende Kampf Gut gegen Böse, Eroberer gegen Unterdrückte, Held gegen Fiesling.
Die Menschen wollen die Na'vi vertreiben, diese wollen jedoch nicht weichen - es kommt, wie es kommen muss.„Der mit dem Wolf tanzt“ ist da noch die naheliegendste Inspiration, wer genau hinsieht darf sich überdies auf ein Wiedersehen mit „Pocahontas“, „Braveheart“ oder gar „Star Wars“ freuen. Aber all diese Filme verstanden es, große Emotionen und Herz mit einer bombastischen Blockbuster-Attitüde zu verschmelzen, Cameron weiß überdies ganz exakt, wie er all diese Elemente zu einem gigantischen Unterhaltungstitan verschmelzen kann.
Und wenn man dann den Kinosaal verlässt, mag die Ökobotschaft vielleicht etwas aufdringlich oder die Handlung schon nach zehn Minuten vorhersehbar gewesen sein, aber – WOW – was war das für ein Erlebnis - genau für solche Filme wurde das Kino erfunden. Wer sich jetzt noch einen unscharfen „Screener“ herunterlädt und auf seinem 19 Zoll-Bildschirm ansieht, hat etwas ganz Elementares nicht verstanden. Und nicht alle Tassen im Schrank!
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