Ein Roadmovie wollte sie eigentlich nicht drehen, erklärte die Autorin Lorene Scafaria, die mit „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ ihr Regiedebüt gibt. Aber das Ende der Welt bietet sich dafür geradezu an, auch und besonders, weil die Tonalität der Geschichte immer wieder wechselt.

Das mag man als uneins ansehen, ist aber in Anbetracht der nahenden Apokalypse durchaus angemessen, gibt es doch ein Potpourri der menschlichen Reaktion zu sehen. Jeder wird mit dem Ende der Welt auf seine Art fertig.

Die Raummission, die dazu auserkoren war, einen auf die Erde zurasenden Asteroiden abzulenken, wurde vernichtet. Alle Hoffnung ist damit verloren. In drei Wochen wird ein Asteroid die Erde treffen und alles Leben auf ihr auslöschen.

Doch was tun mit der übrigen Zeit? Das ist eine Frage, die sich ein jeder stellt. Es gibt Aufstände, Selbstmorde, Resignation, wilde Partys. Jede erdenkliche Art, die verbliebene Zeit zu nutzen, wird von den Menschen zelebriert. Nur Dodge weiß nichts mit sich anzufangen.

Seine Frau hat ihn nach der Ankündigung vom Ende der Welt verlassen und bei seinen Freunden findet er auch keinen Halt, weil er nicht bis zum Finale Party machen will. Aber er lernt seine Nachbarin Penny kennen, die sich von ihrem Freund getrennt hat und gerne zu ihrer Familie zurück würde – aber Flugzeuge fliegen auch nicht mehr.

Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt - It's the End of the World as we know it... but how do I feel?

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Steve Carell: der Komiker mit den traurigen Augen.
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Nach einem missglückten Selbstmordversuch wacht Dodge mit einem Hund auf, der an sein Bein festgebunden ist. Dabei ein Zettel: Sorry. So nennt er seinen Hund auch, der seinem Leben etwas Sinn gibt, muss er sich doch nun um jemanden kümmern.

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Als die Aufstände das Wohnhaus erreichen, flieht Dodge mit Penny hinaus aufs Land. Sie begeben sich auf einen Roadtrip. Er auf der Suche nach einer alten High-School-Liebe, sie auf dem Rückweg zu ihren Eltern. Doch alles kommt ganz anders als erwartet…

Melancholia, aber lebensbejahend

Im Grunde ist Scafarias Film so etwas wie die positive Version von Lars von Triers „Melancholia“. Wo dieser Film von einer immensen Traurigkeit geschwängert war, ist „Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt“ eine sehr positive Geschichte. Sozusagen eine romantische Komödie, aber im Angesicht des Weltuntergangs. Bei einem Hollywood-Produkt hätte man durchaus erwarten können, dass das Ende ganz plötzlich doch noch happy wird und der Asteroid an der Erde vorbeizieht, aber Scafaria vermeidet diese feige Flucht in ein Feel-Good-Ende.

Es ist das Ende der Welt und ich fühle mich gut. Dieser Film ist die lebensbejahende Antithese zu Melancholia.Fazit lesen

Nein, bei ihrem Film werden wirklich die letzten Tage der Menschheit gezeigt. Der interessante Ansatz ist dabei, dass es nicht um die Entscheider dieser Welt geht und wie sie auf diese Krise reagieren, sondern dass das nahende Ende aus Sicht ganz normaler Menschen erzählt wird.

Das ist auch die Stärke des Films, der es schafft, psychologisch ganz treffend die unterschiedlichsten Reaktionen einzufangen, selbst die, die objektiv betrachtet unsinnig sind – so etwa die Selbstmörder, die aus Angst vor dem Tod, oder besser: einem Feuertod, ein anderes Ende wählen und sich so einiger Zeit berauben.

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Keira Knightley offenbart ihre komödiantische Seite.
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Humor mit ernster Note

Angesichts eines Hauptdarstellers wie Steve Carrell könnte man erwarten, eine reinrassige Komödie vorgesetzt zu bekommen. Dem ist nicht so, denn Scafarias Film ist eine interessante Genre-Mixtur, die durchaus lustig ist, ihren Humor aber größtenteils aus der absurden Situation bezieht. Die Apokalypse ist nicht nur der große Gleichmacher, sondern auch der Startschuss zu tun und zu lassen, was man will. Das führt zu Exzessen, aber eben nicht nur.

Steve Carrell und Keira Knightley, die hier komödiantisches Talent offenbart, liefern starke Performances ab. Sie sind es, die das Ende der Welt für den Zuschauer wirklich erlebbar machen. Beide spielen gänzlich unterschiedliche Charaktere. Vielleicht hätten sie in einer nicht endenden Welt nie zusammengefunden, aber hier ist es so.

Es mag sein, dass Scafaria mit ihrer Betrachtung dessen, wie sehr der Instinkt des Menschen auf Partnerschaft ausgerichtet ist und wie wertvoll Zeit sein kann, wenn sie uns durch die Hände rinnt, diese Romanze begünstigt, aber sie fühlt sich überzeugend an.

Der Film findet Humor an Stellen, die man nicht erwartet hätte, aber zum Ende hin überwiegen die ernsthaften Noten – und in mancher Sequenz wird gar ein handfestes, emotional aufwühlendes Drama daraus (Stichwort: Telefonat).