Es fing alles mit einer Idee an, die David Ryan Keith hatte. Er wollte eine Geschichte erzählen, die Dorfbewohner, Nazis und Tee miteinander verbindet. Klingt irre, ist es auch. Herausgekommen ist „Attack of the Nazi Herbals“, ein amüsanter B-Film, der durch seinen deutschen Titel – das Wort „Nazi“ wurde ins Original hineingeschmuggelt – noch etwas trashiger erscheint. Der Plot des Films ist albern, einen gewissen Unterhaltungswert kann man der Low-Budget-Produktion jedoch nicht absprechen.

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs experimentieren die Nazis mit einer Droge, die aus Männern Supersoldaten machen soll. Doch die Nebenwirkungen sind verheerend: Nimmt man zu viele Drogen, wird man zu einem tollwütigen Berserker. Das Experiment wird abgebrochen und die Drogen in einer Kiste ins Meer entsorgt.

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Jahrzehnte später wird die Kiste an der schottischen Küste gefunden. Im kleinen Dorf Lobster Cove machen sich zwei Loser daran, ein kleines Geschäft aufzuziehen. Als sie merken, dass sich aus der Droge wunderbarer Tee machen lässt, verkaufen sie ihn im großen Stil. Doch Bennett und Russell haben keine Ahnung, wie sich der Tee auf ihre Nachbarn auswirkt. Sie finden es aber schon bald heraus, denn im Nullkommanichts ist Lobster Cove von Tollwütigen überrannt, die alles töten wollen, was ihnen begegnet.

Low-Budget muss nicht schlecht aussehen

„Attack of the Nazi Herbals“ wurde mit einem Budget von 15.000 britischen Pfund und im Verlauf von neun Monaten, an denen nur an den Wochenenden gedreht wurde, verwirklicht. Im Kern ist dies eine Amateurproduktion. Das merkt man dem Streifen in technischer Sicht nicht an. Selbst die wenig erfahrenen Schauspieler schlagen sich in ihren Rollen ganz gut. Allerdings beginnen die Probleme des Films beim Drehbuch, das zwar – wie sich die Macher erinnern – über lange Zeit hinweg verändert und verfeinert wurde, aber eben Schwächen offenbart.

Attack of the Nazi Herbals - Könnte ich ein Tröpfchen Milch in meinen Nazi-Kräutertee haben?

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Brühwarm: Der Nazi-Tee des Grauens.
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Die narrative Struktur funktioniert nicht. Das Autorentrio begeht typische Anfängerfehler. Zwar hat man eine interessante Geschichte, die für einen amüsanten Film sorgen kann, aber die narrative Gestaltung ist nicht stimmig. So dauert es bis zur Hälfte des Films, bis die Geschichte wirklich in Gang kommt. Es wäre jedoch notwendig gewesen, schon deutlich früher in die eigentliche Geschichte einzusteigen. Sicherlich dachten die Autoren, sie nutzen die Zeit, um das Dorf und seine Bewohner vorzustellen, aber sie verpassen den Moment des Absprungs, wo die Exposition enden und die Story einsetzen muss.

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Aber: So langatmig die erste Hälfte des Films ist, so amüsant gestaltet sich dann auch die zweite Hälfte.

Die fast langsamste Verfolgungsjagd aller Zeiten

In seinen besten Momenten ist „Attack of the Nazi Herbals“ in seinem Humor herrlich überzogen. Wo bei Cockneys vs. Zombies eine Verfolgungsjagd so aussah, dass ein langsamer Untoter einem Mann mit Gehhilfe hinterherlief, ist es hier ein Mann im Rollstuhl, der von einer Frau im Elektro-Rollstuhl verfolgt wird. Das Langsame wird hier exerziert, daraus zieht man seine Komik. Zumal mit dem Roadrunner – dem Dorf-Athleten, der nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt – die mit Abstand coolste Figur des Films hier um sein Leben kurbelt.

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Entdeckung der Langsamkeit: Verfolgungsjagd zwischen Rollstuhl und Elektro-Stuhl.
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Das kann man aber auch noch übertrumpfen, etwa dann, wenn sich der Roadrunner eine Kettensäge schnappt, um sich seiner Nachbarn zu erwehren.

Amüsant, auch wenn der Film nicht jedermanns ‚cup of tea‘ sein mag, um eine englische Redensart zu bemühen.Fazit lesen

Szenen wie diese sind das Salz in der Suppe – oder der Tropfen Milch im Tee –, die „Attack of the Herbals“ trotz aller Defizite zu einem netten kleinen Genrefilmchen werden lassen, das zwar nicht das Zeug hat, irgendwann zu einem Klassiker des schlechten Geschmacks à la „Bad Taste“ zu werden, für das sich die Macher aber nicht schämen müssen.