Zum vierten Mal erleben Asterix und Obelix ein Realfilmabenteuer. Gerard Depardieu ist erneut der kräftige Dicke, der als Kind in den Zaubertrank gefallen ist. Asterix wurde jedoch einmal mehr neu besetzt. Diesmal darf sich Edouard Baer an dem kleinen, gewieften Gallier versuchen und macht dabei eine sehr gute Figur.

Sollte man meinen, „Asterix & Obelix: Im Auftrag Ihrer Majestät“ würde lediglich auf dem Album „Asterix bei den Briten“ passieren, so irrt man. Denn es wurde auch noch „Asterix und die Normannen“ eingearbeitet – das aber eher schlecht als recht.

Caesar erobert Britannien, aber ein Dorf leistet wacker Widerstand. Doch da man zu verlieren droht, wird Teefax nach Gallien geschickt, um dort Zaubertrank zu besorgen. Natürlich helfen die Gallier gerne und schicken Asterix und Obelix, um Teefax und das Fass Zaubertrank zu begleiten. Zudem wird auch Majestix‘ Neffe Grautvornix mitgenommen, aus dem endlich ein Mann werden soll.

In Britannien angekommen, müssen Asterix und Obelix den Zaubertrank zum Dorf transportieren. Leichter gesagt als getan, denn beide sind auch auf der Suche nach einer Frau fürs Leben – oder wenigstens einer, die das Leben zeitweise bereichert. Und dann sind da auch noch die Normannen, die auf Caesars Geheiß geholt wurden, um das britische Dorf zu stürmen, aber eigentlich nur da sind, weil sie unbedingt die Angst kennen lernen wollen.

Mehr Briten, weniger Normannen

Vielleicht hatte man sich bei den Machern gedacht, dass man nach der Zeichentrickadaption von „Asterix bei den Briten“ aus den 80er Jahren etwas Neues bieten müsse, die Verquickung mit einem weiteren Album gerät hier aber sehr zum Nachteil der Geschichte. Denn alle Handlungselemente mit den Normannen, aber auch dem nervigen Grautvornix, sind Störfaktoren in der Geschichte.

Asterix & Obelix - Im Auftrag Ihrer Majestät - Die spinnen, die Filmemacher

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Der Asterix ist neu, den Obelix spielt wieder Gerard Depardieu.
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Sie wurden nicht homogen eingearbeitet, sondern sind schlicht und ergreifend Füllmaterial. Selbst die Begründung, warum die Normannen nach Britannien kommen, ist so schwach, dass man im weiteren Verlauf dieses Plots gar nicht mehr darauf eingeht, sondern sich nur noch mit ihrer Suche nach der Angst beschäftigt.

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Die Normannen-Szenen strecken den Film unnötig und lassen die Hauptgeschichte extrem zerfasern, denn immer dann, wenn endlich Schwung in die Geschichte kommt, wird sie von den Normannen brutal ausgebremst.

Die Sache mit der Liebe

Regisseur Laurent Tirard wollte bei seinem Film etwas Neues probieren. Er wollte Asterix und Obelix nach der Liebe suchen lassen. Leider eine ganz schlechte Idee, was ein simples Lesen der Comic-Vorlagen schon aufgezeigt hätte. Asterix und Obelix sind Figuren, die nicht dafür ausgelegt sind, den Frauen nachzusteigen. Sicherlich gibt es das in den Comics auch bisweilen, aber eben diese Elemente haben dort auch schon nicht funktioniert. Weil die beiden Hauptfiguren in ihrem Kern asexuell sind.

Enttäuschende Verfilmung eines der besten Asterix-Alben überhaupt. Die Einbeziehung der Normannen lässt den Film vollends entgleisen.Fazit lesen

Umso ekliger, dass es am Ende von „Asterix & Obelix: Im Auftrag Ihrer Majestät“ noch einen filmisch verklausulierten Orgasmus gibt und Obelix nach seinem Cherrypopping mit Asterix über das erste Mal spricht. Natürlich über die erste Liebe, aber der Subtext drängt sich hier wahrlich unangenehm in den Vordergrund.

Zuwenig Goscinny, zuviel Tirard und Vigneron

Immer dann, wenn sich der Film an die Comic-Vorlage von Rene Goscinny und Albert Uderzo hält, dann sind der Humor feinsinnig und die Gags gelungen. Nur: Allzu oft ergeht sich der Film in eigenen Ideen, die eben nie so gut sind wie das, was sich das Comic-Duo vor fast 50 Jahren ausgedacht hat.

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Neben "Asterix bei den Briten" diente auch "...und die Normannen" als Vorlage. Leider.
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Statt toller Wortspiele und pointierter Szenen gibt es allzu oft nur bemühte popkulturelle Zitate. Da wird Darth Vaders „Ich bin dein Vater“ ebenso zitiert wie die Ludovico-Methode aus „Uhrwerk Orange“ – und selbst „300“ macht Tirard seine Aufwartung, wenn er zeigt, wie die Briten die Römer über die Klippe in den Abgrund stürzen.

Auch Goscinny hat sich auf zeitgenössische Popkultur in seinen Comics bezogen, aber das subtil und nicht so plump aufdringlich, wie es im Film geschieht.