„Dinge gehen kaputt.“ - Einer von vielen Sprüchen des Cyborg-Hünen Briareos, der mit seiner Partnerin Deunan im Sci-Fi-Animationsfilm Appleseed Alpha ein Söldnerduo bildet. Ähnlich wie beim Film selbst bin ich mir bis zum Ende nicht sicher, ob diese Oneliner eine gewisse Coolness unterstreichen oder nachdenklich stimmen sollen. Das Lustige ist, dass jenes Zitat dennoch ziemlich vortrefflich beschreibt, was im Großteil des Films passiert. Das mag jetzt stumpfer klingen, als der Film am Ende tatsächlich ist.

Appleseed Alpha - Official Trailer

Alte neue Bekannte

Hauptfiguren der Handlung sind die Söldnerin Deunan Knute und ihr Cyborg-Partner Briareos Hecatonchires, die den Dritten Weltkrieg überlebt haben und einige Zeit später in den Ruinen New Yorks Materialbeschaffungsaufträgen nachgehen. Dabei erzählt der Film die Vorgeschichte des 2004 erschienenen Anime-Films Appleseed, der wiederum auf die Manga aus dem Jahr 1985 von Masamune Shirow basiert. Anime- und Manga-Kennern dürfte dieser Name ein Begriff sein, handelt es sich doch bei der Person um keinen anderen als den Schöpfer des ikonischen Cyberpunk-Manga Ghost in the Shell.

Im Grunde ist Appleseed Alpha ein Reboot. Während Deunan im besagten Vorgängerfilm inmitten des Krieges von ihrem Partner und Geliebten Briareos getrennt wurde und ihren totgeglaubten Freund erst später in seinem neuen Cyborg-Körper wiedersah, sind die beiden in Appleseed Alpha nach dem Krieg bereits gemeinsam unterwegs.

Appleseed Alpha - „Dinge gehen kaputt“ - Cyborgweisheiten und andere Endzeit-Kuriositäten

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Der Film erscheint bei uns am 31.07.2014 auf Blu-ray und DVD.
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Obwohl das besondere Verhältnis zwischen Deunan und Briareos das Söldnerpaar so interessant macht, spielt eben jenes im gesamten Film kaum eine Rolle. In einer kleinen Szene wird höchstens diesbezüglich etwas an der Oberfläche gekratzt, die meiste Zeit kommt mehr eine gewisse „Waffenbruderschaft“ durch die eingespielten Kampfabsprachen des Duos zum Tragen.

In der mangelnden Ausarbeitung der Figuren, die durch den Krieg geprägt und abgestumpft sind, liegt auch größtenteils die Hauptkritik des Films. Trotz der realistischen Gesichtszüge bleiben Mimik und Gestik auf der Strecke und lassen somit innerhalb der Dialoge Emotionalität vermissen. So bleibt man selbst als Zuschauer bis zum Ende - trotz der Motive wie Ziellosigkeit und Hoffnung - nur ein distanzierter Bystander, dem kein Anlass gegeben wird, sich vollkommen in jenem postapokalyptischen Szenarios einzufinden und sich für den Hintergrund der einzelnen Personen zu interessieren.

Appleseed Alpha - „Dinge gehen kaputt“ - Cyborgweisheiten und andere Endzeit-Kuriositäten

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Soldatin Deunan Knute und ihr Cyborg-Partner und Freund Briareos Hecatonchires.
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Action, Action, Action

Bei Appleseed Alpha dürften vor allem Action-Freunde sich unterhalten fühlen. Anders als bei der Filmadaption von 2004, die damals besonders durch komplett mit Cel Shading aufgemachte Animationen herausstach, präsentiert dieser Film eine fotorealistische Optik. Die Umgebung mitsamt der Licht- und Schattendarstellung kommt selbst innerhalb hektischer Kampfszenen sehr gut zur Geltung.

Ein kurzweiliger Cyberpunk-Animationsfilm, dessen Handlung etwas durchschnittlich ausfallen mag. Sowohl optisch als auch von der soliden Action her weiß er allerdings zu überzeugen.Fazit lesen

Nicht ganz so überzeugend wirkt die Vermittlung der physischen Einwirkungen einzelner 3D-Modelle. Ob eine Figur dem Kugelhagel ausgesetzt wird, gigantische Roboter im Kampf zu Boden gehen oder ein Transportwagen ein Unfall baut – Rein von der optischen Inszenierung her sieht man den meisten Kollisionen nicht ansatzweise ihre Wucht an. Auch hinterlassen die Charaktere trotz der vielen Schäden und überlebten Explosionen kaum Wunden, Kratzer, geschweige denn Schmutz, so dass sie über den ganzen Film hinweg einen fast schon zu sauberen Eindruck machen.

Appleseed Alpha - „Dinge gehen kaputt“ - Cyborgweisheiten und andere Endzeit-Kuriositäten

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Appleseed Alpha erzählt eigentlich die Vorgeschichte von Appleseed, ist aber aufgrund minimalistischer inhaltlicher Unterschiede auch ein Reboot.
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Als reiner Actionfilm funktioniert Appleseed Alpha trotz eindeutiger Schwächen unerwartet gut. Die Geschichte überrascht nicht sonderlich, bleibt aber im Großen und Ganzen bodenständig. Wenn es etwas an ihr zu bemängeln gibt, dann wäre es höchstens die Tatsache, dass die Wandlung eine gewissen Nebencharakters aus dem heiteren Himmel kommt.

Zwar kracht es innerhalb der Actionszenen ordentlich (womit wir wieder auf das Zitat am Anfang zurückkommen), in brachialen und übertriebenen Explosionsorgien geht die Handlung aber nicht komplett unter. Gelegentlich reißt der teilweise etwas deplatzierte Soundtrack aus so manchen Kampfszenen heraus. Während aber fürs Ohr wenig geboten wird, liefert zumindest die eine oder andere Kampfchoreographie paar schöne Hingucker. Insgesamt lässt sich sagen, dass Appleseed Alpha solide Actionkost bietet und eine nicht allzu überraschende Geschichte erzählt, die als Auftakt gut funktioniert.