Aufwändige Spezialeffekte, kompetent gemachte Zerstörungsbilder und eine Besetzung, die mit Spaß bei der Sache ist: Das verspricht der Los-Angeles-Desasterfilm „San Andreas“ mit Dwayne Johnson, der bald in den Kinos läuft. Wer sich hingegen um ästhetische Mindeststandards und die eigene Lebenszeit nicht schert, der kann auch zu „Apokalypse Los Angeles“ greifen, dem neuesten TV-Ramsch aus der Schlock-Factory Syfy.

A wie Apokalypse

Deren gelegentlich in Koproduktion mit The Asylum gefertigte Fernsehfilme entstehen auf Mikro-Budget-Basis und tragen erfinderische Titel wie „Android Apocalypse“, „Stonehenge Apocalypse“ oder „Zombie Apocalypse“. Mit „Sharknado“ 1 bis vorerst unendlich hat der Kabelsender sogar eine Art Franchise-Maschine am Laufen, die theoretisch bis zu 95 Millionen US-Haushalte bedienen kann.

Apokalypse Los Angeles - Bye, Bye Hollywood Hills

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Der Film erscheint am 07.05.2015 auf Blu-ray und DVD.
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„LA Apocalypse“ beziehungsweise „Apokalypse Los Angeles“ ist nun eine der ernsthafteren Produktionen des Unternehmens, sofern man bei deren Mockbustern und Trash-Erzeugnissen um des eigenen Trash-Erzeugen-Willens von Ernsthaftigkeit sprechen möchte. Soll heißen, das Erdbebendrama verzichtet vollständig auf Humor und ausgestellte Unfähigkeiten. Was die Sache allerdings nicht erträglicher macht.

Wie in den meisten Syfy-Filmen geht es auch hier gleich zu Beginn Schlag auf Schlag. Calvin (David Cade) ist nach L.A. gereist, um seiner Freundin Ashley (Gina Holden) einen Heiratsantrag zu machen. Mehr braucht man über diese Figuren offenbar nicht zu erfahren, nach zwei Minuten Laufzeit schon unterbricht ein gewaltiges Beben Telefonat und Verabredungspläne der beiden.

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Originaltitel: "LA Apocalypse".
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Während die Fernsehsender irgendeinen Kokolores über heißgelaufene Erdkerne verbreiten, brechen Hochhäuser entzwei, reißen Straßenstriche auf, geht das schöne Hollywood Sign einfach in einem Meer aus Lava unter. Und bevor das Spektakel in C64-Gedächtnisästhetik vergnüglich zu werden droht, ist es natürlich auch schon wieder vorbei.

Schauspielerische Restwürde

Nun muss Calvin allerdings noch seine Freundin retten, denn 80 Minuten Laufzeit wollen gefüllt werden. Diese Erzählpraxis gehört zu den besonderen Merkwürdigkeiten aller Syfy-Produktionen: Sie ersparen sich Expositionen und heucheln auch kaum Interesse an ihren Figuren vor, schöpfen daraus aber zugleich keinerlei Ökonomie – stattdessen wird eben nach hinten raus kräftig ausgewalzt.

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Ein Film, noch mieser als sein Titel.
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Ashley also ist mit zwei Arbeitskollegen in einem Bürogebäude eingesperrt, mit jeder weiteren Minute kreischt sie ein wenig mehr um ihr Leben. Dazu hat sie umso mehr Grund, als der während des Bebens entflohene Gangsterboss Carlos (Kamar de los Reyes) die drei als Geiseln nimmt, um sich von der Nationalgarde Helikopter und damit den Flug in die Freiheit zu erpressen.

Die das Chaos verwaltende Nationalgarde stellt der Film so dar: Fünf Menschen sitzen mit ernster Miene vor PC-Monitoren, ein weiterer – LT. Grisham (Christopher Judge) – kümmert sich zu Fuß um die Evakuierung der kalifornischen Mitbürger. Als er auf den verzweifelten Calvin trifft, drückt er ihm eine Waffe in die Hand, weil darum. Ausnahmezustände machen erfinderisch.

Apokalypse Los Angeles - Bilder aus dem Sci-Fi-Thriller

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Eine vereinzelt ins Geschehen geschnittene Oberansicht des digital qualmenden Los Angeles erinnert zwischenzeitlich daran, dass man hier eigentlich einen Katastrophenthriller schaut, ab und zu purzeln auch mal Computerhubschrauber vom Himmel. Tatsächliche Schauplätze des Films sind ein Wohnhaus, zwei Seitenstraßen und diverse Innenräume – immerhin alles on location gedreht!

Allenfalls im weitesten Sinne so etwas wie ein Film, der selbst an sehr niedrigen Syfy-Standards gemessen unterirdisch ist.Fazit lesen

Der Rest ertrinkt wie üblich in der allzu grell ausgeleuchteten, von Atmosphäre, Formbewusstsein und Sinnlichkeit befreiten Syfy-TV-Soße, bei der ein um schauspielerische Restwürde kämpfender Christopher Judge („Stargate“) immerhin noch die beste Figur macht. Möge er seine Gage mit Bedacht nutzen und ganz weit wegschwimmen.