Nun kann man es ja sagen: Vermutlich wäre „Ant-Man“ unter Edgar Wright ein deutlich besserer Film geworden. Auf jeden Fall wäre er wohl origineller gewesen. Was Peyton Reed hingegen abliefert, ist ein Malen-nach-Zahlen-Film. Uninspirierte Dutzendware, die altbekannte Plotpoints gewissenhaft abarbeitet, aber Originalität vermissen lässt.

Es war ein schlechtes Jahr für Marvel. Sowohl „Avengers: Age of Ultron“ als auch „Ant-Man“ zeigen, dass Filme, die per Komitee entstehen und nicht der Vision des Regisseurs entsprechen, mit einer gehörigen Portion Beliebigkeit daherkommen. Dabei war das Potenzial vorhanden, mal völlig aus der Marvel-Routine auszubrechen. Stattdessen gibt es nur bei der Action ein paar originelle Ansätze, dafür aber reichlich Witze, die nicht zünden und ein paar richtig, richtig peinliche Szenen.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1989, als der junge Hank Pym (Michael Douglas, technisch meisterhaft verjüngt!) sich weigert, S.H.I.E.L.D. seine Pym-Partikel zu geben. Mit denen lassen sich organische und anorganische Stoffe verkleinern. Gut ein Vierteljahrhundert später kommt Scott Lang (Paul Rudd) aus dem Gefängnis und will ein normales Leben anfangen, damit er auch seine Tochter wiedersehen darf. Aber ein Kumpel lockt ihn zu einem ganz sicheren Coup. Doch statt des erhofften Geldes kann Scott nur einen Anzug klauen. Es ist der Anzug von Ant-Man. Als Scott ihn anlegt, verkleinert er sich und hört Hank Pym, der mit ihm spricht. Denn Hank hat ihn auserwählt. Scott muss der neue Ant-Man werden, der die Welt retten muss.

Ant-Man - Klein und auch nicht oho

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Eine Ameise mit einer (nicht sonderlich spannenden) Mission.
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Wovor? Vor Darren Cross (Carey Stoll), den ehemaligen Protegé von Hank Pym, der dessen Firma längst übernommen hat und mit dem Yellowjacket-Programm ebenfalls Miniaturisierung erfunden hat, sie aber nicht zum Wohle der Menschheit einsetzen will.

Weder Fisch noch Fleisch

„Ant-Man“ ist ein durch und durch fehlkonzipierter Film, dem man anmerkt, dass am Drehbuch gefeilt und geschraubt wurde, bis praktisch alles entfernt war, was auch nur einen Funken Originalität hätte bieten können. Stattdessen wird eine erstaunlich langweilige Geschichte geboten, bei der man in jeder Sekunde genau weiß, was als nächstes kommt. Es gibt keine Überraschungen, auch kein Drama, und gerade mal ein Mindestmaß an Spannung.

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Dem passt sich auch das Ensemble an. Wo Michael Douglas sich noch gerade so über die Runden rettet, ist Corey Stoll als Klischeeschurke so dermaßen blass, dass er praktisch schon verschwindet. Hingegen nervt Miguel Pena, der Scotts alten Knastkumpel spielt, und ein rassistisches Latino-Klischee bedient, weswegen man sich nur wundern kann, wieso der Mime sich dafür überhaupt hergibt.

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Evangeline Lilly als Douglas‘ Tochter bleibt unauffällig; Rudd ist okay, aber auch nicht mehr als das. Im Grunde bieten die Ameisen, die von Ant-Man kontrolliert werden, noch die vielschichtigsten Darstellungen, aber auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt. Wenn der „heroische“ Tod einer Ameise für Pathos ausgeschlachtet wird, dann wirkt das natürlich nicht emotional, sondern nur lächerlich.

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Der Film startet am 23. Juli in deutschen Kinos.
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Ein bisschen was kann der Film

Dass „Ant-Man“ kein totaler Rohrkrepierer ist, liegt auch nur daran, dass die Actionszenen mal was anderes sind. Das konstante Kleiner- und Größerwerden in Kombination mit den Ameisen sorgt für visuelle Momente, die sich vom übrigen Marvel-Stil abheben. Amüsant ist dabei auch, dass der Film am Ende die ewige Marvel-Routine mit der Massenvernichtung von Immobilien im Finale parodiert, wenn das alles in einem Kinderzimmer stattfindet. Kein Spoiler, das konnte man auch schon im Trailer sehen.

Das Highlight des Films ist ein Kampf von Ant-Man gegen einen Avenger. Hier muss man zwar ausblenden, dass der Avenger immer ratzfatz den Mini-Ant-Man im hohen Gras erblickt (während übriges Getier wohl ignoriert wird), der Kampf hat es aber in sich und zeigt zumindest, dass der Mini-Held sich im Team der Avengers ganz gut schlagen würde.