Der gewaltige Erfolg von „Conjuring – Die Heimsuchung“ dürfte im vergangenen Jahr selbst kühnste Erwartungen übertroffen haben. Weniger überraschend ist hingegen, dass das verantwortliche Studio umgehend Franchise-Pläne schmiedete, um die plötzliche Haunted-House-Cashcow nach Leibeskräften zu melken. „Annabelle“ heißt das jetzt erste einer ganzen Reihe zügig konzipierter „Conjuring“-Spin-offs.

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So weit, so Annabelle

Wer James Wans Grusel-Blockbuster gesehen hat, und das waren ja nicht wenige, wird sich gewiss noch an die überdimensionale Porzellanpuppe erinnern, die im Privatmuseum des auf übernatürliche Phänomene spezialisierten Ehepaars Ed und Lorraine Warren hauste. Wie vermutlich alle paranormalen Residuen des Films besitzt auch Annabelle eine Vorgeschichte, die es offenbar unbedingt zu erzählen galt.

Annabelle - Wo ist Chucky, wenn man ihn braucht?

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Hoppla, da bin ich: Im knarrenden Schaukelstuhl macht es sich Annabelle gern gemütlich, sehr zum skeptischen Blicke ihrer Besitzer und angehenden Eltern.
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Ihren ersten Soloauftritt hatte sie allerdings bereits in einem anderen Film, sofern man die infantile Horrorparodie „Ghost Movie 2“ denn überhaupt Film nennen möchte. Darin aber spielte Annabelle zumindest eine der Hauptrollen, erwies sich recht widerständig gegenüber allerlei Zerstörungsversuchen und entwickelte alsbald ein munter-obszönes, durchaus agiles Eigenleben.

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Dem nun offiziell ersten „Annabelle“-Kinofilm könnte man wohl kein größeres Armutszeugnis ausstellen, wenn man behauptet, „Ghost Movie 2“ habe mit der hässlichen Puppe mehr anzufangen gewusst als das tatsächliche Spin-off. Seltsamerweise ist das jedoch wirklich so: Wie schon in „The Conjuring“ spielt Annabelle auch hier lediglich eine untergeordnete Rolle, bleibt als Antagonist buchstäblich leblos, starr, entbehrlich.

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Sonderlich hübsch ist Annabelle nun wahrlich nicht. Porzellanpuppenfan Mia (Annabelle Wallis) findet dennoch bereits im absolut vorgreisen Alter Gefallen an ihr.
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Das mag sicherlich etwas mit der Entscheidung zu tun haben, die strohhaarige Puppe mit den roten Wangen ganz gezielt nicht in Doll-Horror-Tradition auftreten zu lassen (wie etwa bei „Chucky – Die Mörderpuppe“ oder dem „Puppet Master“-Franchise). Doch es wirft gleichfalls die Frage auf, warum man sich dann überhaupt einen eigens um die Figur herum gestrickten Film anschauen sollte.

Um das mal etwas zu veranschaulichen: „Annabelle“ erzählt die Geschichte eines jungen Mittelstandspaares (die Warrens kommen in diesem Film nicht vor), das auf die Geburt seines ersten Kindes wartet. Mia (Annabelle Wallis), deren Spielzeuggeschmack vorsorglich schon mal leicht vergreist scheint, erhält von ihrem Mann John (Ward Horton) eine Puppe geschenkt, nach der sie schon lange vergeblich suchte. So weit, so Annabelle.

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„Rosemaries Baby“ lässt grüßen: Ihr Kind hätte Mia besser nicht in einem Raum mit Annabelle alleinlassen sollen. Und diese Dämonen erst!
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Serienuntauglich

Eines Nachts stürmen benachbarte Anhänger einer okkulten Sekte das Haus der Familie und verletzen Mia lebensgefährlich. Während des Überfalls gelangt das Blut der offenbar besessenen Nachbarin in die Annabelle-Puppe und macht sie somit zu einer Art Medium dämonischer Kräfte. Ein Tapetenwechsel soll den Schrecken vergessen lassen, leider aber ist auch Annabelle in eine der Umzugskisten gelandet.

Seinen Horror entfaltet der Film nun ganz originell über zunächst knarrende Türen, eine sich von selbst betätigende Nähmaschine oder auch plötzliche Musik vom Plattenspieler! Und immer wieder: Schnitt auf die Puppe, wie sie friedlich und unschuldig im Kinderzimmer danieder sitzt. Tatsächlich steht sie mit den unheimlichen Vorgängen in Verbindung, doch als Akteur bleibt sie bis zuletzt unscheinbar.

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Auch geistlichen Vertretern ist kein himmlisches Schicksal vergönnt, wenn Father Perez (Tony Amendola) Bekanntschaft mit Annabelle macht.
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Stattdessen wird die arme Mia von den Geistern ihrer okkulten Exnachbarn heimgesucht, muss sich wie einst „Rosemaries Baby“ durch ihr Apartment winden und droht allmählich den Verstand zu verlieren. Bald auch macht sie Bekanntschaft mit einem hässlichen Dämon, der aussieht wie die schwarzfarbene Version des roten Teufels aus „Insidious“, und erfährt von einem Geistlichen (wem auch sonst), dass die Seele ihres Säuglings in Gefahr ist.

Ideenlos und ungruselig: „Annabelle“ erzählt eine Vorgeschichte, nach der eigentlich niemand gefragt hat. Wahrscheinlich nicht einmal „Conjuring“-Fans.Fazit lesen

Während all dieser generischen Gruselstandards, die der Film nach- und ausbuchstabiert, als habe man das alles nicht schon tausendfach gesehen, bleibt Annabelle stiller Beobachter. Sie ist Titelfigur bzw. –Puppe eines Films, der mit „The Conjuring“ bestenfalls entfernte Verwandtschaft pflegt, und sie könnte serienuntauglicher kaum sein. Ihr fehlt es an Charakter, an Bedrohlichkeit, ja sogar an Präsenz. Und sie macht ja nicht einmal was!

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Ebenso gut (oder halt schlecht) also hätte Produzent James Wan mit seinem „Conjuring“-Kameramann und jetzt eben „Annabelle“-Regisseur John R. Leonetti auch ein Spin-off jedes anderen beliebigen Gegenstandes seines Geisterhaus-Hits über den Kinoäther jagen können. Etwa ein Spin-off für die toten Vögel, das gruselige Bettlaken, die olle Standuhr. Oder was sich sonst noch so im Arsenal von Ed und Lorraine Warren finden ließe.

Aber wer weiß, kann ja alles noch kommen. So lange nur das Einspiel stimmt…