Ein Film hat auf dem amerikanischen Markt in dem Augenblick verloren, wo er nicht in der Lage ist, den richtigen Moment zu küssen. Haben die Kollegen aus Übersee zu viele Filme eines Genre gesehen, befinden sich momentan in einer besonders verbitterten Phase oder wird der Film einfach nicht den surrealen Erwartungen des Kritikers gerecht, da ist es mit der viel prophezeiten Neutralität und objektiven Bewertung auch schon wieder vorbei. Und so gehen gute Filme den Weg allen Irdischen und werden bereits kurz nach Release beerdigt.

American Ultra - Official Trailer #33 weitere Videos

„American Ultra“ ist wieder so ein Kandidat. Wir verstehen ja, wo das Problem der lieben Kollegen begraben liegt. Wir sehen, was sie sehen. Und doch verstehen wir nicht, wie man so zynisch, hundsgemein und fernab jeglicher gerechter Berichterstattung und Kritik um sich schlagen kann. Dieser Film mag Diskussionsbedarf liefern und er wird nicht jedem gefallen – wird schon nicht jedem gefallen können – doch die Bewertungen die er momentan einstecken muss, sind fernab jeder professionellen Einschätzung. Man fühlt sich in die Zeit zurück versetzt, wo ein alter, genervt aussehender Mann auf einem Hocker beim ZDF sitzt und jeden gängigen Blockbuster-Streifen in der Luft zerreißt, während er nur Lob und Samenerguss für Filme übrig hat, die einladende Titel wie „Der Schmetterling, der in einer lauen Sommernacht das Mädchen küsste“ haben.

American Ultra - gamona gegen den Rest der Welt

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 18/211/21
Der Film läuft bei uns am 15.10.2015 in den Kinos an.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Kiffen, kotzen, glücklich sein

Um es grob zu umreißen, in „American Ultra“ geht es um einen jungen Mann, der sich selbst für einen Versager hält und das aus gewissen Perspektiven wohl auch ist. Er glaubt, er ist der Grund, warum sich seine Freundin nicht entfalten kann und niemals ihr volles Potenzial in der Welt ausschöpfen wird. So leben beide kiffend und andere Substanzen einnehmend von Tag zu Tag, erfreuen sich irgendwie trotzdem an ihrer Liebe und träumen von dem kleinen bisschen mehr.

Na, ja. Das „bisschen“ mehr ist schon ein bisschen „mehr“ und Protagonist Mike (Jesse Eisenberg) stellt sich als Elite-Killer der Regierung raus, der nach einer Gehirnwäsche alles aus seinem alten Leben vergessen hat. Doch so richtig hat seine Reaktivierung nicht geklappt und nun ist er halb extrem tödliche Kampfmaschine und halb verkiffter Loser. Das führt natürlich zu einigen unangenehmen Situationen, vielen Lachern, aber auch ganz derber Action.

American Ultra - gamona gegen den Rest der Welt

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 18/211/21
Eines der wenigen Paare aus einem Actionfilm, denen wir ihre Liebe auch abkaufen.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Muss ja nicht sein

Was uns stört, ist offensichtlich nicht das, was zu diesen miesen Kritiken weltweit geführt hat; denn unsere Kontrapunkte wiegen niemals so schwer, um solche Tiefstapler-Bewertungen zu rechtfertigen. Aber wir können sehen, wo das Problem ansetzt und die Kollegen entrüstet die Brille auf der Nase zurecht geschoben haben.

„American Ultra“ ist sehr wechselhaft. Er kitzelt in einem Moment Lacher für Lacher aus dem Zuschauer und setzt diesem im nächsten Augenblick ein Over-the-top-Blutbad vor die Nase. Lustige und auch sympathische Charaktere werden eingeführt und im nächsten Moment müssen sie bereits – oft auf recht brutale Weise – das Zeitliche segnen. Und vielleicht der größte, knirschende Knackpunkt: während man die meiste Zeit darauf achtet, keine Logikfehler dominieren zu lassen und Unsinnigkeiten im Film selbst anspricht und ins Lächerliche zieht, schleichen sich dennoch einige Dummheiten ein, die folgerichtig im starken Kontrast zu der allgemeinen Herangehensweise stehen.

Wen interessiert es schon, was der Rest der Welt sagt? American Ultra ist super. Äh. Ultra. Äh. Gut. Sehr gut. Ja.Fazit lesen

Das sind Punkte, die gegen den Film sprechen können, in der Tat. Aber der Film besteht schließlich nicht nur aus diesen Negativpunkten, ansonsten könnten wir uns diesen Text hier sparen und hätten unter die Überschrift einfach nur „ - nein - „ geschrieben. Haben wir aber nicht. Warum? Weil der Film aus professioneller und aus unserer persönlichen Sicht super ist.

American Ultra - gamona gegen den Rest der Welt

alle Bilderstrecken
Wischen für nächstes Bild, klicken um Infotext ein- / auszublendenBild 1/4Bild 18/211/21
Die Mischung aus harter Action und Situationskomik gefällt. Kiffer Mike ist in beiden Bereichen der Star.
mehr Bildersteckenalle Bilderstrecken

Auch wenn er ein wenig langsam anfängt, so erreicht er doch schnell eine beeindruckende Geschwindigkeit, die mit viel Humor und satter Action gespickt wird. Szenen, die aus einem ernsten Agentenfilm stammen können, surreale Begebenheiten, die uns fragen lassen, ob wir selbst die falschen oder auch richtigen Drogen genommen haben und fantastische Situationskomik, gehen hier nicht nur Hand in Hand, sie fördern sich auch gegenseitig und spielen sich den Ball immer wieder zu.

Der Kontrast kann verwirrend sein, die Umsetzung ist aber äußerst gelungen. Während viele andere Titel beides versuchen und nichts Halbes und nichts Ganzes abliefern, vereint „American Ultra“ diese Grundkonzepte und baut sich damit etwas ganz eigenes auf. Und was ist für einen gemütlichen Abend besser geeignet, als eine Geschichte, die alles andere als anspruchslos ist, jedoch nicht versucht, zu kompliziert oder auch nur ansatzweise tiefgründig zu werden, satte Action bietet und augenzwinkernden Humor besitzt?

Was die schauspielerische Leistung angeht, muss sich niemand im Film verstecken. Doch besonders Hauptfiguren Jesse Eisenberg und Kristen Stewart sollten hier gelobt werden. Denn sie bauen den romantischen Teil in die Geschichte mit ein und es ist äußerst selten, dass in einer Action-Komödie dieser Part überzeugend gespielt wird. Die beiden bekommen es hin, harmonieren super zusammen und schaffen es, sympathisch und angenehm zu wirken. Ihre Probleme sind – bis zu einem gewissen Punkt – unsere Probleme und ihre Art miteinander ist die Art, die jeder von uns kennen sollte.