Filme über Finanzbetrüge, Korruption und politische Machenschaften gibt es wie Sand am Meer. Dass diese auch gerne einmal starbesetzt sind, ist nichts Neues mehr. Was also hat „American Hustle“, was andere Filme dieses Genres und Themas nicht haben? Herz, zutiefst kaputte Charaktere und einen unerotischen, schmierigen und absolut abstoßenden Christian Bale.

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Christian Bale futtert sich in Form

Dass Christian Bale nicht nur als Superheld eine unglaubliche Leinwandpräsenz hat, weiß man schon seit Filmen wie „American Psycho“. Für seine Rollen macht der Ausnahmeschauspieler wirklich alles und nimmt dafür auch extreme Gewichtszu- und abnahmen in Kauf. So magerte er sich für „The Machinist“ enorm herunter und verlor so 30 Kilogramm.

American Hustle - Starbesetzter Oscar-Favorit

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Hättet ihr ihn so wiedererkannt?
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Ein Jahr später brillierte er dann in Christopher Nolans erstem Teil der Dark Knight-Trilogie, für den er wieder an Gewicht zunehmen musste. Für „The Fighter“ im Jahr 2010 mussten dann wieder 15 Kilo runtergehungert werden, kurz danach wurde für den letzten Teil der Batman-Saga wieder viel Gewicht und vor allem Muskelmasse zugelegt.

Für den Gewichts-Jojo-Künstler sind solche Schwankungen der Waage also inzwischen schon Routine. Christian Bale wird mit seinen Rollen eins, eben auch körperlich. Für das humoristische Gangsterdrama „American Hustle“ durfte er jetzt allerdings wieder ordentlich zunehmen: Aus Batman wurde Fatman und Christian Bale trägt im Film eine unerotische Wampe vor sich herum.

Schade für Jennifer Lawrence, die sich schon sehr auf die Kussszene mit dem ehemals muskulösen Rächer von Gotham City gefreut hatte. Aber umso amüsanter für die Zuschauer, da Bale schon allein mit seinem nun widerwärtigen Aussehen dem Charakter des Irving Rosenfeld Leben einhaucht.

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Was für eine tolle Besetzung.
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Ein Kleinganove gegen die Politik

Irving Rosenfeld ist ein Kleinganove durch und durch. Dies begann schon in seiner Jugend, als das Geschäft seines Vaters, ein Glaser, kurz vor der Pleite steht. Doch durch Irvings Dreistigkeit und Raffinesse gelang ihm wieder der Aufschwung. Seitdem ebnet diese Erfahrung seinen restlichen Weg, der von Betrügereien und Gaunereien gepflastert ist.

Auf einer Party macht er 1978 die Bekanntschaft der hinreißenden Sydney Prosser (Amy Adams), mit der er eine Affäre beginnt und die ihm bei seinen zwielichtigen Geschäften behilflich ist. Zu Hause wartet allerdings jeden Abend seine psychisch belastete Ehefrau Rosalyn (Jennifer Lawrence), die sich einfach nicht von Irving trennen möchte.

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Jennifer Lawrence als Rosalyn.
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Rosalyn lässt sich von Irvings schmutzigen Machenschaften ihr Leben finanzieren und weiß nicht, dass Sydney und ihr Ehemann die Finanzkrise ausnutzen, um falsche Kredite an arme Schuldner zu verhökern. Doch eines Tages geraten die beiden Ganoven an den falschen: Getarnt als interessierter Kunde lässt der FBI-Agent Richie DiMaso (Bradley Cooper) ihre dubiosen Kreditgeschäfte auffliegen.

Aber anstatt sie hinter Gitter zu bringen, schlägt der ehrgeizige Ermittler ihnen einen Deal vor: sie sollen als Lockvögel die Politprominenz von New Jersey in eine Falle locken und Korruption auffliegen lassen, allen voran den gutmütigen Bürgermeister von Camden, Carmine Polito (Jeremy Renner).

David O. Russell: Wiederholungstäter

Wie ihr seht, hat sich Regisseur David O. Russell („Silver Linings“, „Three Kings“, „The Fighter“) nicht lumpen lassen und seinen neuen Film mit einer ganzen Reihe von Stars besetzt.

Ein Film, der einzig und allein von seinen hervorragenden Darstellern getragen wird. Alles andere kann leider nicht punkten.Fazit lesen

Dabei wird er mal wieder zum Wiederholungstäter und schwört auf bereits gute Zusammenarbeiten mit Christian Bale, Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Amy Adams und Robert De Niro. Letzterer ist nämlich in einer kleinen Paraderolle mit von der Partie: Als berüchtigter Mafiaboss Victor Tellegio darf er dem Gauner-Paar, dass sich eher auf kleine Fische als auf die großen Haie spezialisiert hat, Angst einjagen.

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Jeremy Renner ist auch mit von der Partie.
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Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass Russells neuster Streich ein heißer Kandidat für etwaige Preise ist. So wurde „American Hustle“ bereits mit drei Golden Globes ausgezeichnet (der Film lag zusammen mit „12 Years a Slave“ mit je sieben Nominierungen bei der diesjährigen Verleihung vorn im Rennen um die angesehene Auszeichnung) und durfte sich im Anschluss über zehn Oscar-Nominierungen freuen. Ein Top-Anwärter also für den begehrtesten Filmpreis Hollywoods.

Kein Wunder, denn „American Hustle“ passt perfekt ins Oscar-Bild: Der Film überzeugt vor allem durch die schauspielerische Leistung aller Beteiligten und seine eigenwilligen Charaktere, die tief in ihre Psycho blicken lassen. Dabei bewegt er sich stets zwischen Drama und Komödie, wobei, auch wenn er in erster Linie als Komödie ausgezeichnet wird, er für mich durch die Vielzahl an tragischen Figuren eher dem Drama zuzuordnen wäre.

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Schade, dass die Geschichte nicht annähernd so gut ist, wie seine Schauspieler.
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Tragikomische Psychoanalyse

Jede Person hat mit ihren ganz eigenen Problemen zu kämpfen: Hauptfigur Irving Rosenfeld ist weder äußerlich noch innerlich ansehnlich. Er trägt ein schlecht sitzendes Haarteil, das sein zur Glatze neigendes Haar kaschieren soll, eine Wampe und wirkt auch vom Verhalten her nicht gerade wie ein Weiberheld. Das Einzige, was er seinen Frauen bieten kann, ist das Geld, das er durch kriminelle Machenschaften ergaunert.

Seine Frau Rosalyn ist zwar hübsch, aber nicht ganz helle und hat sowieso psychische Probleme. Obwohl sie definitiv unglücklich ist, versucht sie Irving zwanghaft durch Erpressungen bei sich zu halten, um nicht ganz alleine dazustehen. Und auch Sydney Prosser wird getragen von dem Wunsch nach Liebe und Anerkennung, wobei es egal zu sein scheint, von wem sie diese erhält.

In diese Reihe von Handlungsmotiven passt auch Bradley Coopers Figur Richie DiMaso, der von seinem maßlosen Ehrgeiz getrieben und zerfressen wird. Ehrgeizig sind sie jedoch alle auf ihre Art und Weise, allen voran auch Bürgermeister Carmine Polito, durch den wir eine andere, schmalzlockige, Seite von Jeremy Renner kennenlernen dürfen.

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American Hustle startet bei uns am 13.02.2014 in den Kinos.
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Überzeugen können definitiv alle in ihren Rollen. Doch leider ändert dies nichts an den Schwächen der Handlung. So zieht sich der Film stellenweise zäh in die Länge und erscheint dadurch langweilig.

Die Geschichte um einen Trickbetrüger, der bedeutende Leute hops nehmen soll, ist eben auch nichts durch und durch Neues. Originell sind zwar die Figuren mit ihren jeweiligen Hintergrundgeschichten und Problemen sowie deren Konstellation, aber die Handlung hat man so schon mehrere Male in abgewandelter Form gesehen.

Zwar gibt es ein paar Wandlungen, doch sind auch diese nicht überraschend genug, als dass sie den Zuschauer gebannt in den Kinosessel drücken. Wenn die Spannungsbögen, die Höhepunkte und die Originalität in der Erzählung fehlen, können leider auch die besten Schauspieler der Welt darüber nicht hinwegtäuschen.