Es gibt bestimmte Konventionen, derer man sich bedient, wenn man zu Herzen gehende Dramen über Sterbende präsentiert. Als Zuschauer kennt man die Funktionsweisen und ist umso erfreuter, dass „Am Ende eines viel zu langen Tages“ einen erfrischend anderen Ansatz hat, formal wie auch inhaltlich.

Donald (Thomas Brodie-Sangster) wäre ein ganz normaler Teenager. 15 Jahre alt, noch unberührt, auf der Suche nach einer Identität. Doch bei Donald ist vieles anders. Er ist krank. Krebs. Und was auch immer er macht, die Wahrscheinlichkeit, seinen 18. Geburtstag zu erleben, ist gering.

So flüchtet sich Donald mit Hilfe seines Zeichentalents in eine Phantasiewelt, in der er einen Superhelden erschafft, der gegen lüsterne Vamps und einen Erzfeind antreten muss, der wie der Krebs unnachlässig ist – und auch unbesiegbar.

Seine Eltern machen sich Sorgen. Mehrere Psychologen hat Donald schon verschlissen, doch nun schicken sie ihn zu Dr. Adrian King (Andy Serkis), von dem sie hoffen, dass er Zugang zu dem verschlossenen Jungen findet. Das gelingt ihm auch, indem er nicht mit Gewalt voranprescht, sondern Donald zu sich kommen lässt.

Ein Film, so traurig, dass es weh tut, aber zugleich so komisch, dass man gar nicht anders kann, als herzhaft zu lachen.Fazit lesen

Und dann ist da noch Shelly (Aisling Loftus), das neue Mädchen an der Schule, das so anders ist als die Mädchen, die Donald kennt. Er ist von ihr fasziniert, und sie von ihm. Doch wie geht das mit der jungen Liebe, wenn der Checkout schon kurz bevorsteht, wenn die Zeit immer schneller verrinnt, wenn der Schlusspfiff ertönt?

Am Ende eines viel zu kurzen Tages - Superheld im Kopf

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Todkrank aber nicht am Boden: Donald.
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Vom Roman zum Film

„Am Ende eines viel zu kurzen Tages“ basiert auf dem Roman „Superhero“ von Anthony McCarten (hierzulande bei Diogenes erschienen). Schon dem Buch ist inne, dass McCarten in der traurigen Geschichte eines Sterbenden Humor findet, wo man ihn nicht vermutet hätte. Das kann er auch in das von ihm verfasste Drehbuch transportieren. Am Schicksal seiner Hauptfigur lässt McCarten indes nie einen Zweifel.

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Wo andere Stoffe mit der Hoffnung des Zuschauers spielen, wird dies hier nur kurz gestreift, als Donalds Krebs sich zurückbildet, aber schon bald darauf widerkehrt. Dennoch versinkt der Film nicht in Trauer und ist alles andere als ein Depressivum. Tatsächlich zelebriert er das Leben, wie kurz auch immer es sein mag.

Wir alle sind nur Spieler

Die besten Geschichten sagen etwas aus, das die meisten sich nur unwillig eingestehen wollen. „Am Endes eines viel zu kurzen Tages“ schafft dies in einer Schlüsselszene, in der Dr. King Donald fragt, ob er denn leben, die Krankheit besiegen möchte. Die Antwort ist eine, die nicht von kaltem Gleichmut, sondern von verzweifelter Resignation geprägt ist: Er kann nicht siegen.

Niemand kann das, denn ob nun durch Alter, Krankheit oder Unfall, am Ende gewinnt immer der Tod. Das Leben ist ein Spiel auf Zeit – mal kürzer, mal länger, aber immer mit einem definitiven Ende versehen. Ein jeder verliert, und der Sieger steht von Anfang an fest.

Am Ende eines viel zu kurzen Tages - Superheld im Kopf

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Ohne Hoffnung? Donalds Erfolge sind von kurzer Dauer...
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Realität und Fiktion

Wenn Donald in seine Traumwelt abtaucht, wenn er sich Geschichten zu seinem Superhelden und dessen Erzfeind ausdenkt, dann wird das durch Zeichentricksequenzen illustriert. Sie wurden von der deutschen Animationsschmiede Trixter umgesetzt, erinnern in ihrer kantigen Art an MTV-Shows wie „The Maxx“ und sind dynamische Superheldenmomente.

Diese Zeichentricksequenzen sind jedoch nicht Selbstzweck. Sie sind das Äquivalent dessen, was ein Romanautor mit der Beschreibung von Gedankenprozessen seines Protagonisten für den Rezipienten erfüllbar machen kann.

Erscheinen die Abenteuer des Superhelden anfangs noch losgelöst und sind reiner Eskapismus für ihren Erschaffer, so werden sie schon bald durch Subtext überlagert. Was sich Donald ausdenkt, spiegelt sein eigenes Leben wider.