Im amerikanischen Mainstream- wie auch Independent-Bereich ist das Genrekino der 80er wieder reaktiviert. Allmählich profitieren offensichtlich selbst Amateurfilmemacher von einem Hype, dessen Rückbesinnung nerdig, niedlich, vor allem aber nostalgisch ist. Ganz plötzlich fühlt sich da jedes Kind der Eighties zu einer eigenen Hommage befähigt, selbst wenn diese nicht über ein sinnbefreites Best-Of schlecht nachgeahmter Lieblingsfilme hinausreicht.

Almost Human - Offizieller Trailer

Angriff der Körperfresser

„Almost Human“ ist das jüngste Negativbeispiel falsch verstandener Retro-Verehrung. Ein Sci-Fi-Horror-Gemisch, das bemerkenswert frei ist von jeder Kompetenz, jeder tatsächlichen Liebe zum Genre und leider auch jeder Vergnüglichkeit, die derart dilettantische Nerdprojekte ja zumindest theoretisch noch aus ihrem eigenen Unvermögen zu schöpfen imstande sind. Es reicht halt einfach nicht, die richtigen Filme zu mögen, wenn man sie denn unbedingt schon nachstellen möchte.

Almost Human - Almost a movie - amateurhaftes Blutgesuppe

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Dilettantismus pur: Unheimliche Begegnung der dritten Art in der US-Amateurfilm-Version.
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Immerhin fällt dem semiprofessionellen, nur leicht über Fanfilmniveau angesiedelten „Almost Human“ aber mehr ein, als lediglich Zombies im Supermarkt-Makeup auf Darsteller aus dem Freundeskreis loszulassen. Oder Teenies mit Camcordern über „Blair Witch“-Wiesen zu jagen. Oder ein bisschen Slasher-Kino mit Maske und Messer spielen zu wollen. Vielleicht ist es dem Film deshalb auch gelungen, aus dem US-Amateursektor in die Vertriebswege dieser Welt zu gelangen: weil Alien-Splatter noch vergleichsweise rar ist.

Die Vorbilder hingegen, die kennt man dennoch allesamt zu genüge. „Das Ding aus einer anderen Welt“ und „Die Körperfresser kommen“ sind nur zwei Referenzfilme, aus denen „Almost Human“ seinen Kleinstadtplot speist. Deren Einfälle vermengt er teils zu konkreten Bildzitaten, andere Filme wiederum plündert er in Gänze. Weil etwa der 1982 produzierte, britische Außerirdischen-Horror „X-Tro“ in den USA wohl wenig bekannt ist, bemüht „Almost Human“ guten Gewissens gleich dessen gesamte Handlung.

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Spielt leider gar nicht mal so gut: Graham Skipper als Hellseher des Unheils.
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Hier wie dort wird ein Mann von Aliens entführt, um wenige Jahre später vermeintlich unverändert auf die Erde zurückzukehren. Auch Mark (Josh Ethier), einst spurlos in seltsamen blauen Lichtern verschwunden (zu sehen während der Einganssequenz), taucht nun ganz plötzlich wieder im Heimatkaff auf. Sein Körper allerdings ist längst nur noch ein wandelnder Wirt aus Aliensuppe und oralen Tentakeln. Und sein Auftrag scheint klar: alle Menschen in seinesgleichen zu verwandeln.

„Liebeserklärung“

Leichen pflastern also des bärtigen Marks Weg (Blut muss spritzen!), und einzig Ex-Freundin Jen (so schlecht, dass es schon grausam ist: Vanessa Leigh) sowie Ex-Kumpel Seth (unansehnlich, talentfrei, vollständig überfordert: Graham Skipper) können sich ihm noch in den Weg stellen. Um die Menschheit natürlich vor der Invasion zu schützen. Und den ganzen ungekonnten Popanz halt irgendwie über die knapp 70 Minuten Laufzeit (ohne Abspann) zu retten. Fertig ist die „Liebeserklärung“ ans VHS-Regal aus Jugendtagen.

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Körperfresser und Kettensägengerassel. Fast ein Film.
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Ach so, der Film arbeitet sich übrigens nicht nur ideenlos an 80er-Genreklassikern ab, er spielt sogar auch in den 80ern! Was einzig und allein deshalb gesondert erwähnt werden muss, weil man sonst nicht auf die Idee käme, dass er die entsprechende Jahreszahleinblendung auch tatsächlich ernst meint: Von einigen vordergründigen Details abgesehen (schön platzierte Röhrenfernseher, lauter Holzfällerhemden?!?), versprüht jede Ausgabe der Tagesschau mehr Eighties-Vibes als „Almost Human“.

Anders als etwa bei den vielen Grindhouse-Ehrerbietungen jüngerer Zeit, die sich nach dem Modell von Robert Rodriguez und Quentin Tarantino an „gewolltem“ Trash versuchten, lassen sich die Unzulänglichkeiten hier nicht einmal als möglicherweise beabsichtigt durchwinken. Kein einziges der vielen Referenzvorbilder, auf die „Almost Human“ ja eben auch so entschieden Bezug nimmt, vereint derart hirnrissige Dialoge, grauenvolle Darsteller oder unfilmische Bilder auf sich.

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Regieanweisung: „Jetzt bitte nachdenklich die Axt halten“.
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Bleiben einige nette und handgemachte, wenn auch nicht sonderlich einfallsreiche Makeup-Effekte. Sie orientieren sich augenscheinlich an den fantasievoll-kruden Kreationen eines Rob Bottin oder Screaming Mad George, bleiben aber in ihrem amateurhaften Blutgesuppe hinter deren Charme zurück. Zumal es der Film bei aller sklavisch-nerdigen Throwback-Nostalgie auch versäumt, eigene Akzente zu setzen. Eine irgendwie originäre, nicht auf die Arbeit anderer verweisende Idee sucht man hier weit und breit vergeblich.