Kevin Tsujihara ist von seiner Position als CEO und Vorsitzender von Warner Bros. zurückgetreten, nachdem aufgedeckt wurde, dass er einer jungen Schauspielerin im Gegenzug für Sex Filmrollen und -Castings angeboten haben soll.

Charlotte Kirk versucht sich auch als Sängerin

"Es ist im besten Interesse von WarnerMedia, Warner Bros., unserer Mitarbeiter und unserer Partner, dass Kevin Tsujihara als Vorsitzender und CEO von Warner Bros. zurücktritt", so Jon Stankey, CEO von WarnerMedia in einer Pressemitteilung. "Kevin Tsujihara hat in den vergangenen 25 Jahren zum Erfolg des Studios beigetragen und wir danken ihm dafür. Er ist sich im Klaren darüber, dass seine Fehler nicht den Erwartungen der Unternehmensführung entsprechen und die zukünftigen Entscheidungen des Unternehmens beeinträchtigen könnten."

Dem Rücktritt Tsujiharas gingen Enthüllungen voraus, wonach er eine mehrmonatige Sexaffäre mit einer jungen britischen Schauspielerin hatte im Austausch für Filmrollen und -Castings. Allerdings beendete er die Affäre, nachdem Charlotte Kirk immer drängender wurde und andeutete, ausgenutzt worden zu sein und die Sache auffliegen lassen zu wollen.

Kennengelernt hatten sie sich durch den australischen Milliardär James Packer, Ex-Partner von ausgerechnet Brett Ratner, dem selbst vorgeworfen wird, mehrere Schauspielerinnen sexuell belästigt zu haben. Im Vorfeld hatte Kirk eine Liebesaffäre mit Packer. Hunderte von Nachrichten liegen THR vor, in denen Tsujihara zwar nie mit Namen genannt, aber aus denen offensichtlich wurde, wer gemeint ist. Aus ihnen geht hervor, dass es Tsujihara unangenehm wurde, sie wichtigen Verantwortlichen bei Warner Bros. vorzustellen und für Rollen vorzuschlagen, er müsse vorsichtig agieren, ließ er sie in einer Nachricht wissen, denn das sei normalerweise nicht sein Aufgabenbereich, sich in den Casting-Prozess einzuschalten. Nachdem sie dann immer fordernder wurde, brach er den Kontakt offenbar ab. "Ich weiß, du bist beschäftigt. Aber als wir im Motel Sex hatten, sagtest du, dass du mir helfen wirst; und nun ignorierst du mich jetzt. Ich fühle mich benutzt. Hilfst du mir nun oder nicht?", schrieb sie ihm zuletzt im März 2015. Ratner warf sie in einem Schreiben vor, für einen 450-Millionen-Dollar-Deal von ihm und Packer als Lockmittel für Tsujihara ausgenutzt worden zu sein. "Hör auf, Kevin Tsujihara zu schreiben und zu sagen, was er mir aufgetragen hat. Ich arbeite nicht für ihn, das ist beleidigend. Ich helfe dir, aber deine Haltung ist mies. Wie ich schon sagte, ich schulde dir nichts. Wenn überhaupt, dann schuldest du mir Geld für alles, was dir James Packer gegeben hat. Ein Dankeschön wäre nett", schrieb ihr Ratner im August 2015, nachdem Kirk ihn mehrfach darauf hingewiesen haben soll, dass Tsujihara ihm aufgetragen hätte, ihr Rollen zu verschaffen. Ratner warf ihr zudem vor, ihn erpressen zu wollen.

Kirk hatte in in der Zeit in zwei Warner-Produktionen kleine Rollen: in How to be Single und Ocean's 8. Sie soll dank Tsujiharas Hilfe auch mehrere Vorsprechen in anderen Produktionen erhalten und auch Interesse an Wonder Woman gezeigt haben, eine Rolle, die später an Gal Gadot ging. Bereits im September vergangenen Jahres soll Warner Bros. durch anonyme Zuschriften erfahren haben, dass ein hochrangiger Mitarbeiter des Studios in Machenschaften verwickelt sein soll. Ratner selbst soll eigenen Aussagen zufolge nichts mit der Sache zu tun haben; er habe lediglich versucht, ihr beim Casting zu helfen. Kirk selbst hat über ihren Anwalt verlauten lassen, keine Anschuldigungen in Richtung Tsujihara, Ratner oder Packer erheben zu wollen.

Unter Tsujharas Schirmherrschaft als CEO änderte sich bei Warner Bros. auch die Ausrichtung des DC Extended Universe. Er soll etwa James Wan mit an Bord geholt haben, der mit Aquaman den bis dato erfolgreichsten Superheldenstreifen in der Geschichte des Studios inszeniert hat. Ein Nachfolger ist bislang noch nicht genannt worden.

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