*UPDATE*

Mittlerweile sind Screenshots zum besagten Interview mit Produzent Toshio Suzuki aufgetaucht, die mit Untertiteln versehen sind.

Übersetzt man diese Passagen, kann man entnehmen, dass doch noch Hoffnung besteht. So sagt Suzuki, dass man zwar darüber nachdenke, die Produktionsabteilung aufzulösen, doch man wolle vorerst "nur" eine Pause einlegen, um sich neu zu strukturieren und über die Zukunft nachzudenken. Keine definitive Zusicherung, dass Studio Ghibli auch weiterhin Animes produzieren wird, eher das Gegenteil davon. Doch ein Funken Hoffnung verbleibt - vorerst.

Ursprüngliche Nachricht:

Nun ist es also traurige Gewissheit. Es hatte sich bereits abgezeichnet, dennoch kommt die Nachricht plötzlich: Studio Ghibli wird die Pforten nach fast 30 Jahren für immer schließen.

Aktuelles - Traurige Gewissheit: Studio Ghibli schließt seine Pforten für immer *UPDATE*

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Eine Ära geht zu Ende: Sayonara Studio Ghibli
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Schon 2010 äußerte sich Studio Ghibli Gründer Hayao Miyazaki zu einem eventuellen Aus für neue Studio Ghibli Produktionen. Damals gab er an, dass man das Studio in naher Zukunft in eine kleine Rechtegesellschaft umwandeln könne, um sich allein auf die Pflege der bestehenden Werke und Lizenzen zu konzentrieren.

Vor kurzem kamen erneute Gerüchte um eine Schließung des Studios auf. Ein Insider teilte mit, dass When Marnie Was There das letzte Werk des Ausnahme-Studios sein werde.

Ein Gerücht, das durchaus Gewicht hatte, schließlich ist die Produktion eines abendfüllenden Animes eine teure Angelegenheit. Ganz besonders, wenn man wie Studio Ghibli Wert auf höchste Qualität legt, sowohl erzählerisch als auch produktionstechnisch.

Studio Ghibli weigerte sich auch bis zuletzt, Aufträge ins Ausland zu verlegen, um konkurrenzfähig zu bleiben. So blieben die Kosten zumeist höher als die Einnahmen, was dem Studio schließlich wohl das Genick brach.

Nun hat Studio Ghiblis Produzent Toshio Suzuki in der Sendung Jounetsu Tairiku beim Sender MBS das Aus für Studio Ghibli verkündet. Das Produktionsstudio werde aufgelöst und er verbleibe als Ein-Mann-Unternehmen zur Rechteverwertung. Damit ist nun sicher, dass When Marnie Was There das letzte Werk des einst von Hayao Miyazaki gegründeten Studios ist.

Doch die finanziellen Probleme mögen nicht die einzigen Gründe für das Aus gewesen sein. Als Hayao Miyazaki 1985 das Studio zusammen mit seinen Kollegen Isao Takahata, Toshio Suzuki und Yasuyoshi Tokuma gründete, wurde der Stil mit Ausnahmen nahezu komplett von Miyazaki und Takahata beeinflusst. Vor allem aber Miyazakis Erzählweise und behutsame Charakterisierung war es, das dem Studio nicht nur seine Handschrift aufdrückte, sondern auch ein Gesicht verlieh.

Bis ins Jahr 2002 führte immer abwechselnd mal Miyazaki, mal Takahata Regie. Beide verfassten auch jeweils die Drehbücher. So blieb denn auch die Qualität der Werke konstant auf hohem Niveau. Sowohl der mittlerweile 73-jährige Miyazaki als auch der stolze 78 Jahre alte Takaha veröffentlichten 2013 mit Wenn der Wind sich hebt und Die Legende von Prinzessin Kaguya ihre jeweils letzten Anime-Werke.

Der Weggang dieser beiden Grundsteine des Studios stellt einen herben kreativen Verlust, aber auch den Verlust einer Leitlinie dar. Dass niemand ihren faszinierenden Stil rekreieren könne, das zeigte sich bereits 2006, als Hayao Miyazaki zu beschäftigt mit der Arbeit an Das wandelnde Schloss war. Studio-Chef Suzuki beschloss daraufhin, dass Miyazakis Sohn Gorō Miyazaki sein Regiedebüt mit der Verfilmung von Ursula K. Le Guins Die Chroniken von Erdsee geben sollte. Der Anime fiel bei Kritikern und Fans größtenteils durch.

Studio Ghibli war nicht nur irgendein Anime-Studio. Der Name stand genauso für seine Animes wie Disney für seine Produkte einsteht. Schaute man sich einen Anime von Studio Ghibli an, wusste man immer, was einen erwartete - der typische Ghibli-Stil zeigte sich nicht nur im visuellen, sondern auch in der Auswahl seiner Geschichten. Obwohl die Animes von Studio Ghibli immer einen Hauch fernöstlicher Verträumtheit aufwiesen, beruhten sie doch häufig auf westlichen Romanen.

Das westliche Publikum wurde erstmals 1998 auf der Berlinale auf die Werke Ghiblis aufmerksam. Damals lief Miyazakis Klassiker Prinzessin Mononoke im Original mit deutschen Untertiteln. Eine Kinoveröffentlichung ließ leider ganze zwei Jahre auf sich warten, und lief dann auch nur mit wenigen Kopien, was dem Anime gerade mal 70.000 Zuschauer bescherte. Fans vermuteten bereits einen Sabotage-Akt seitens Disney, da die Rechte bei Buena Vista International lagen (Disney-Tochter!). Immerhin wurde Studio Ghibli als stärkste Konkurrenz zu Disney gefeiert. Doch Bereits Chihiros Reise ins Zauberland erhielt eine breite Veröffentlichung, immerhin gewann der Anime den Oscar als Bester animierter Spielfilm und einen Goldenen Bären auf der Berlinale.

Es ist ein trauriger Tag für Animefans, aber auch ein trauriger Tag für Fans ansprechender Unterhaltung. Danke Studio Ghibli für einige der besten Animes, ja besten Filme aller Zeiten. さよならスタジオジブリ.

Wer zum letzten Mal eine Studio Ghibli Produktion im Kino erleben möchte, ohne dass es sich dabei um eine zukünftige Retrospektive handelt, sollte sich bei Möglichkeit Hayao Miyazakis Wenn der Wind sich hebt ansehen.

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