In einem Interview sprach Regisseur und Produzent Steven Soderbergh über seine Entscheidung, keine Kinofilme mehr zu machen und warum TV die neue Leinwand für den Autorenfilm darstellt.

Aktuelles - Regisseur Steven Soderbergh erklärt, warum er keine Filme mehr drehen will

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Steven Soderberghs letzter Kinofilm war Side Effects - Tödliche Nebenwirkungen
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Steven Soderbergh gehörte jahrelang zu den kreativsten Regisseuren Hollywoods, ein Regisseur der alten Schule des Autorenfilms. Vielleicht war es auch die Erfahrung, dass kein Studio seinen Film Liberace - Zuviel des Guten ist wundervoll über den polnischen Showpianisten Władziu Valentino Liberace produzieren wollte, da man die Thematik für "zu schwul" hielt. Stattdessen nahm sich der Sender HBO des Materials an und produzierte den Film für das Fernsehen. In Europa lief der Film dennoch im Kino. Jedenfalls teilte Soderbergh mit, keine Kinofilme mehr inszenieren zu wollen.

Dafür übernahm er die Regie an der ersten Staffel der Arztserie The Knick mit Clive Owen in einer der Rollen. Die zweite Staffel ist auch bereits geplant und Soderbergh produziert demnächst mit STARZ eine TV-Serie basierend auf seinem Film The Girlfriend Experience, in dem Sasha Grey ihre erste nicht-pornografische Hauptrolle spielte. Dabei möchte Soderbergh mit der Serie die Einblicke gewähren, die er im Film nicht aufzeigen konnte. Normalerweise seien TV-Serien eine Synergie aus Drehbuchautor und Produzent. Doch bei ihm sei es das typische Konstrukt aus Autor und Regisseur. Eben wie beim Film, nur auf das Fernsehen angewandt.

"Der Unterschied zwischen dem hier und normalem Fernsehen: Kein verdammter Executive würde das durchwinken. Ich bin stolz, meinen Namen darauf zu lesen, so wie auf allem, was ich jemals gemacht habe."

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Sasha Grey in The Girlfriend Experience
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STARZ' CEO Chris Albrecht, den er seit langer Zeit kenne, konnte über damit überreden, indem er ihn darum bat, ihm einen Betrag zu nennen, der ihm finanziell nicht wehtäte und dennoch genug wäre, um die verrücktesten Dinge zu produzieren. "Er gab uns eine Zahl und wir sagten, 'Okay, wir machen es dafür.' Ich kann euch sagen, er sieht das Ganze als eine Art Test oder Musterbeispiel für das, was sie in zukünftigen Serien umsetzen könnten. Das ist wahres Autoren-Fernsehen. Es ist wie das, was ich bei The Knick gemacht habe, was Cary Fukunaga bei True Detective gemacht hat [auch Fukunaga inszenierte die komplette erste Staffel von True Detective im Alleingang]. Ein Filmemacher, der das ganze Ding dreht - hier entsteht eine gewisse Einheit, die man anders nicht erreichen kann. Das ist ein wahrer philosophischer Wechsel und er macht gewisse Leute nervös."

Damit meint er wohl Hollywood-Produzenten. Die haben Autorenfilme und überhaupt Filme unterhalb von 100 Millionen Dollar sowieso so gut wie abgeschrieben. Jedes Studio ist nur noch darauf bedacht, möglichst große Filme zu produzieren, die viel, viel Geld einspielen sollen. Da bleibt kein Platz für Experimente, für weltliche Themen und menschliche Dramen. Das Fernsehen ist der neue Ort für diese Art Film.

"Von meinem persönlichen, subjektiven Standpunkt aus betrachtet, habe ich keinerlei Interesse daran, einen weiteren Kinofilm zu inszenieren, es sei denn, meine Haltung oder die Haltung der Industrie ändert sich. Eine Reihe an Dingen haben dazu beigetragen - ich denke, das Publikum hat eine Rolle dabei gespielt, genauso wie die Studios - aber Film ist sehr stark abhängig von Entscheidungen, die aus Angst heraus getroffen werden. Und das ist keine gute Basis für Kreativität."

Viele der Rechte an seinen Filmen wie Kafka oder Voll frontal und Bubble sind mittlerweile wieder in seinem Besitz. Für Soderbergh eine interessante Gruppe an Filmen. "Ich versuche, herauszufinden, was ich mit denen anstellen könnte. Etwas, das die Leute fesseln könnte."

Was denkt ihr? Es ist kein Geheimnis, dass TV-Serien und Streaming-Dienste wie Netflix immer populärer werden. Viele Filmemacher bezeichnen Serien als die "wiederentdeckte" Form des Erzählens. Während Kinofilme in Sequels und Remakes und Reboots stagnieren, entwickeln sich im Bereich TV nicht zuletzt durch Eigenproduktionen der Streaming-Anbieter völlig neue Erfahrungen.

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