Auf dem Mar del Plata Film Festival in Argentinien sprach Regisseur John Landis offen über seinen Hass auf die moderne Filmindustrie.

Aktuelles - Regisseur John Landis spricht über seinen Hass auf die Filmindustrie

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Landis inszenierte auch die Blues Brothers
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Heute scheint der "I hate my Job"-Tag zu sein. Neben Wolfgang Walk, der sich über die Spieleindustrie auslässt, hat auch Regisseur John Landis nicht viel Gutes über sein Berufsfeld zu berichten.

Landis, der besonders in den 80er-Jahren zu den erfolgreichsten und gefragtesten Regisseuren gehörte, so drehte er mit Blues Brothers, Die Glücksritter, Spione wie wir, Drei Amigos und Der Prinz aus Zamunda einige der erfolgreichsten Komödien aller Zeiten, war in dem Jahrzehnt quasi der Spielberg der Komödien. An ihm gab es als Filmfan einfach kein Vorbeikommen.

Auf der Höhe seiner Karriere drehte er gar mit Michael Jackson das mittlerweile als Klassiker geltende Musikvideo zu Thriller. Man erinnert sich: Michael Jackson als tanzender Zombie inmitten einer Gruppe von Untoten, die auf dem Friedhof zu Michael Jacksons unwiderstehlichem Beat abtanzten. Das Musikvideo ist von Landis so einprägsam und fesselnd inszeniert worden, dass es auf ewig mit dem Song des King of Pop verschmolzen bleibt und sich immer wieder in die Gedanken drängt, wenn man den Song hört.

Doch Landis war auch für einen der schlimmsten Unfälle der Hollywood-Geschichte verantwortlich. So verunglückten der Schauspieler Vic Morrow und zwei vietnamesische Kinder 1983 am Set von Landis' Beitrag zum Episodenfilm Unheimliche Schattenlichter, als ein Hubschrauber auf Vic und die Kinder stürzte und sie buchstäblich zerfetzt wurden. Grund dafür waren übertriebene Explosionen, die Landis verlangte und die den Hubschrauber ins Trudeln brachten. Landis' Karriere erholte sich nie wieder von dieser Tragödie.

Doch vielleicht ist es ihm auch ganz recht, denn "die Studios sind nicht mehr länger im Filmgeschäft", so Landis. "Es gibt keine originellen Ideen mehr. Es geht gar nicht mehr um die Idee an sich, es geht nur noch um die Ausführung der Idee. Die Filmstudios sind jetzt allesamt Unterabteilungen von großen, multinationalen Unternehmen. Time Warner, British Petroleum, Sony...das sind keine Firmen, das sind verdammte Nationen. Das sind diese gigantischen, internationalen Dinger, die keine Steuern zahlen. Es ist lächerlich. Sie sind wie Piraten. Es muss wirklich die Verzweiflung sein, weil sie einfach nicht wissen, wie sie die Leute noch in die Kinos bekommen sollen, daher bringen sie 3D und machen all diesen anderen Scheiß."

Es sei mittlerweile üblich, mehr Geld für die Vermarktung eines Filmes auszugeben, als für den Film selbst. Der Grund, warum die Studios dauernd Remakes und Reboots und Sequels produzieren würden, sei der, dass jene Filme nun mal Marken seien.

"Wie Coca Cola. Sie machen Remakes von Filmen, weil sie eine sichere Bank sind. Das ist tragisch, weil man einen Film wie Tobe Hoopers genialen The Texas Chainsaw Massacre hat, und dessen Remakes dennoch mehr Geld einnehmen."

"Als ich Ich glaub, mich tritt ein Pferd drehte, konnte ich mit dem Finger auf das Studio zeigen und euch sagen, wem es gehörte: Lew Wasserman war Universal, David Begelman war Columbia, Arthur Krim war United Artists, Steve Ross war Warner Brothers. Ich weiß nicht, wem diese Studios jetzt gehören. Es gibt keine Einzelpersonen, die jetzt sagen, 'Sicher, ich nehm das Risiko auf mich.' Einfach, weil die Risiken zu hoch sind. Viele meiner Filme machten erst in der zweiten, dritten oder vierten Woche ihr Geld, weil wir an Mundpropaganda gewöhnt waren. Wenn ein Film heute nicht in den ersten beiden Tagen Geld macht, ist man gef*ckt!"

Doch auch die Internetpiraterie mache er für den Missstand verantwortlich, denn Seiten wie Youtube, Google und Yahoo würden von der Piraterie leben und seien insofern wie Vampire. Das Problem hierbei seien viele Jugendliche, die mit dem Gedankengut aufgewachsen sind, dass das Herunterladen von Filmen legitim sei.

"Man konnte mal ein Buch oder ein Stück schreiben und es gehörte dir, aber jetzt wird man ohne Unterlass vergewaltigt. Die Situation ist so kompliziert, und ich habe keine Antworten", gibt der resignierte Landis zu.

Auch wenn er die momentane Filmindustrie hasse, gebe es da draussen noch immer gute Filme. Er sei der Meinung, dass es immer gute Filme geben werde. Es sei nur eben schwerer geworden, sie zu finden. "Und die Studios sind nicht mehr länger daran interessiert, gute Filme zu produzieren. Sie sind nur noch daran interessiert, Filme zu drehen, die einen in die Kinos locken. Daher hat man dann Filme wie Avatar oder Alfonso Cuarons Gravity. Die sind schön anzusehen. Aber sind das gute Filme? Nein! Aber sie sind unterhaltsam, spektakulär und technisch umwerfend."

Generell sei die gesamte Unterhaltungsbranche im Wandel begriffen. "Alles verändert sich. Steve Jobs hat die Musikindustrie zerstört. Er entschied, dass ein Song nur noch 20 Cent wert ist, einfach so (schnippt mit den Fingern). Boom. Zerstört. Somit hat sich alles verändert. Es gibt hier keine Feindbilder. Niemand hat die Kontrolle darüber. Ich kann verstehen, warum sie Angst haben. Alle ihre Entscheidungen basieren auf Angst."

Die verbitterten Worte eines Ewiggestrigen oder die weisen Worte eines Mannes mit Lebenserfahrung?