Der Skandal um sexuelle Übergriffe in Hollywood hat nun auch das familienfreundliche Pixar erreicht. John Lasseter, der kreative Kopf hinter allen Animationsfilmen sowohl bei Pixar wie auch bei Disney, wurde nun aufgrund "unangemessenen Verhaltens" suspendiert.

Aktuelles - DisneyPixar: John Lasseter suspendiert nach sexuellen Übergriffen

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John Lasseter ist die treibende Kraft bei Pixar und Disney
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Hört man den Namen Pixar, denkt man zuallererst an all die wunderbaren 3D-Animationsfilme, die das Studio seit über 20 Jahren produziert. Angefangen mit Toy Story von 1995 eroberten die Filme die Herzen von kleinen und großen Kindern auf der ganzen Welt. Pixar löste einen regelrechten 3D-Animationsfilm-Boom aus, der klassische von Hand gezeichnete Zeichentrickfilm starb im Kino nahezu aus. Einer der Pioniere, der maßgeblich am Erfolg von Pixar beteiligt war, ist John Lasseter. Der Mann, dessen Jugendtraum es war, für Disney zu arbeiten, zwang die Eigenproduktionen des Micky-Maus-Konzern mit Klassikern wie der Toy-Story-Reihe und Das große Krabbeln, bei denen er Regie führte, in die Knie. Bei allen anderen Pixar-Produktionen war er als Executive Producer beteiligt. Ganz klar: Lasseter ist ein Meister seines Fachs, voller Kreativität, Visionen und Fantasie. Kein Wunder, dass Disney Pixar schließlich 2006 für 7,4 Milliarden Dollar übernahm und Lasseter gleichzeitig die Leitung über Walt Disney Animation überließ. Mit Werken wie Die Eiskönigin - Völlig unverfroren und Zoomania setzte er seine Erfolgssträhne auch bei Disney fort, zwei Oscars hat er bereits gewonnen.

Den Lasseter machen

Aber Menschen haben nun mal unterschiedliche Facetten. Lasseters andere Seite war offenbar nicht die eines verträumten Grüblers, sondern - wenn man den Behauptungen glauben darf - die eines penetranten Grabschers.

Wie ein Bericht nun enthüllt, soll Lasseter für Küsse, Grabscher und unsittliche Kommentare berüchtigt gewesen sein - nicht nur innerhalb Pixars, sondern in der gesamten Animations-Community. Lasseter soll zudem ein Alkoholproblem haben. Es heißt, Frauen bei Pixar wussten, dass sie in seiner Nähe möglichst den Kopf wegdrehen sollten, um keine ungewollten Küsse abzubekommen. Um ihn zudem daran zu hindern, seine Hand auf ihre Beine zu legen, führten sie eine Bewegung aus, den Insider als "den Lasseter" bezeichneten.

Disney sah wohl schlussendlich das familienfreundliche Ansehen des Unternehmens gefährdet und hat seinen wohl wichtigsten Mann in der Animations-Abteilung vorerst suspendiert.

Lasseters Statement gegenüber seinen Mitarbeitern

"Ich wollte immer, dass unsere Animationsstudios Orte sind, wo Kreative ihre Visionen mit Hilfe anderer talentierter Animatoren erforschen können. Diese Art der Kreativität benötigt ständige Umsicht, um aufrechterhalten zu bleiben. Sie basiert auf Vertrauen und Respekt und nimmt Schaden, wenn sich Mitglieder nicht wertgeschätzt fühlen. Als eine Führungsperson ist es meine Verantwortung, sicherzustellen, dass so etwas nicht passiert. Und ich schätze, ich bin ihr nicht gerecht geworden", so Lasseters Erklärung.

Er habe sich seinen Verfehlungen stellen müssen in harten Diskussionen (mit der Disney-Führung). Aber das, so Lasseter, sei der einzige Weg zur Erkenntnis und zur Besserung. "Ich habe viel über den Anführer nachgedacht, der ich heute bin, im Vergleich zum Mentor, Fürsprecher und Meister, die ich hätte sein sollen. Mir wurde mitgeteilt, dass sich einige von euch respektlos behandelt und unwohl gefühlt haben. Das war nie meine Absicht. Ihr bedeutet die Welt für mich und ich entschuldige mich zutiefst, sollte ich euch enttäuscht haben."

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Lasseters Meisterwerk als Regisseur - die Toy-Story-Reihe
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So wolle sich Lasseter vor allem bei denjenigen entschuldigen, die "eine ungewollte Umarmung oder dergleichen" erhalten haben sollten. Nun gelte es, das Unternehmen wieder mit der lebendigen und respektvollen Kultur zu füllen, die das Fundament des Studios darstellt. Und der erste Schritt in diese Richtung, erklärt Lasseter, sei seine Suspendierung für sechs Monate.

Kurz nach Veröffentlichung des Statements wurden bereits Stimmen laut, die Lasseters Worte anzweifeln. So sei es "eine Frechheit", sein unangemessenes Verhalten in der Vergangenheit lediglich als "ungewollte Umarmungen" zu bezeichnen.

Unklar ist, wie die Arbeiten an Toy Story 4 fortgeführt werden. Lasseter ist als Produzent und Drehbuchautor am vierten Teil beteiligt. Das Autorenpärchen Rashida Jones und Will McCormack soll er bereits vergrault haben, indem er sich Berichten zufolge Rashida Jones auf unangemessene Art und Weise genähert haben soll.