Selbst als eingefleischter, jahrelanger Anime-Fan lässt sich nie vermeiden, wenn der eine oder andere namhafte Titel auf der "Hall of Shame"-Liste landet – selbst wenn es sich dabei um ein Stück Zeichentrickgeschichte handeln sollte. Wenn in dem Falle der zeitlose Anime-Meilenstein "Akira" zu euren Versäumnissen zählt, durftet ihr euch vermutlich unter Gleichgesinnten die eine oder andere Predigt angehört haben. Nichtsdestotrotz kein Problem: Das Gute an solchen zeitlosen Werken ist schließlich, dass sie sich immer nachholen lassen. Mit dem Erscheinen der Steelbook-Edition auf Blu-ray dürfte auch eine perfekte Gelegenheit zum Nachholen gefunden sein.

Verpassen kann man immer mal etwas. Gar kein Problem, die Predigte habe ich auch schon hinter mir. Als versäumt gilt es ohnehin erst, wenn ihr nicht mindestens mal im Leben euch damit befasst habt. Und im Falle von "Akira" habt ihr zumindest storytechnisch keine große Revolution aus heutiger Sicht verpasst. Ein postnukleares Szenario in einem Tokio der nahen Zukunft, politische Intrigen, anarchistische Jugend-Gangs und eine Geschichte um Menschen, die übernatürliche Kräfte entwickeln, die dann im Visier geheimer Militärorganisationen geraten gepaart mit einigen philosophischen Ansätzen... Alles kennt man im Einzelnen schon von irgendwo.

Akira (1988) - So brachial und doch so atmosphärisch wie noch nie

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"Akira" (1988) ist ein Film vom Mangazeichner Katsuhiro Otomo, der zugleich die Regie beim Film führte.
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Hochauflösender Detailreichtum

Mag man aus heutiger Sicht bereits solche Themen schon zu Genüge und Vielfalt in der Popkultur aktuell vorfinden, so markierte der Film aber zu seiner Zeit in den frühen 90ern den Durchbruch und Wendepunkt der Anime im westlichen Raum. Nicht nur rein aus inhaltlicher Sicht, da die Zeichentrickfilme zuvor meist ein junges Zielpublikum angesprochen haben und nicht an erster Stelle mit erwachsenen Themen assoziiert wurden, sondern auch in technischer Hinsicht. Auch der gleichnamige Manga, der aus der Feder vom selbigen Regisseur Katsuhiro Otomo stammt, beeinflusste die japanische Manga-Szene der nächsten Jahre nachhaltig.

Die technischen Feinheiten des Anime liegen im visuellen Detail. Selbst nach so vielen Jahren hat der noch mit analog gezeichneten Animationen produzierte Film nichts von seinem Charme eingebüßt. Besonders von der 1080p-Auflösung profitieren die bildgewaltigen Szenen, in denen die zeichnerisch realistisch ausgearbeiteten Hochhäuser in sich zusammenfallen und riesige Aschewolken hinterlassen oder in denen der Protagonist Tetsuo durch seine neuentdeckten Fähigkeiten seine Zerstörungswut freien Lauf lässt. Eindrucksvoll animiert präsentiert sich auch eine der Szenen gegen Ende, in denen Tetsuos Arm und später sein ganzer Körper sich in ein riesigen Innereien-ähnliches Fleischgemisch verwandelt.

Akira (1988) - So brachial und doch so atmosphärisch wie noch nie

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"Kanedaaaaaa!" - "Tetsuooooooo!" - Der legendäre Schlagabtausch zwischen ehemaligen Kumpels.
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Früher wie heute ebenso beispielhaft ist unter anderem die inzwischen etablierte Vorgehensweise bei den Dialogszenen, sämtliche Synchronsprecher zunächst ihre Text-Parts aufnehmen zu lassen und sich dann bei den Figurenanimationen im Nachhinein an diese zu orientieren.

Auch als jemand, der mit "Akira" bereits in Berührung kam und sich nach wie vor von der Machart verzaubern lässt, wird man auch in vielerlei Hinsicht mit der neuen Blu-ray-Version auf seine Kosten kommen.

Auch ein Schmankerl für Fans

Dass der Film nicht nur optisch, sondern auch audiovisuell von atmosphärischer Qualität zeugt, welche durch die Neufassung noch besser zum Tragen kommt, ist dem verlustfrei komprimierten DTS-HD-Ton zu verdanken. Da bereits zu Beginn an bei den Aufnahmen von "Akira" mit Frequenzen bis zu 100kHz gearbeitet wurde, wirkt die sehr markante Soundkulisse in Kombination mit dem voll zur Geltung kommenden Soundtrack von Shoji Yamashiro noch räumlicher. Die Geräuschkulisse reicht hierbei von surrenden, mechanischen Maschinen bis hin zu röhrenden Motorrädern.

Akira (1988) - So brachial und doch so atmosphärisch wie noch nie

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Na, wer erinnert sich noch an diese schräge Monsterplüschtier-Szene? Sie ist eine von vielen Szenen, die im Manga nicht vorkamen.
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Neben dem 124 Minuten langen Hauptfilm kommen noch satte 91 Minuten Laufzeit für diverse Extras hinzu. Wertschätzer des Animationshandwerks werden sich über die animierten Cuts in ihren frühen Entwicklungsstadien freuen. Schöne neue Erkenntnisse und Eindrücke bekommt der Fan zudem durch die Kurzdokumentation, die unter anderem den Zuschauer dem Sound-Team über die Schulter schauen lässt.

Es war nur eine Frage der Zeit bis Fans sich mit der Blu-ray-Version des Anime-Klassikers bereichern durften. Eine Investition für diese und auch für Anime-begeisterte Neulinge ist der Film allemal. Die kaum merklichen, aber dennoch in der Gesamtheit spürbaren Neuerungen in Sachen Optik und Klangerlebnis tun ihr Übriges.