Wenn die stagnierenden Karrieren eines Hollywood-Stars und des als Wunderkind gepriesenen Regisseurs von „The Sixth Sense“ für eine Rettungsaktion zueinander finden, dann muss der entsprechende Film gleich doppelt abliefern. „After Earth“ aber gleicht eher einer Arbeitsverweigerung: Mit verständlichem Desinteresse fungiert M. Night Shyamalan hier als Erfüllungsgehilfe eines Familien-Vehikels für Will Smith und Anhang.

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Ein Sippschaftserzeugnis

Der Science-Fiction-Film basiert, laut Abspann, auf einer Story-Idee von Smith selbst, der die Hauptrolle seinem Sohn Jaden überließ. Zusammen standen die beiden schon für „Das Streben nach Glück“ gemeinsam vor der Kamera, bevor Smith seinem Sprössling noch ein „Karate Kid“-Remake spendierte. „After Earth“ wiederum kann als Großprojekt der Familie gesehen werden: Produziert wurde er von Jada Pinkett Smith und Caleeb Pinkett, also Mama und Onkel Smith.

After Earth - Wenn der Vater mit dem Sohne, kommt am Ende nur La-Le-Lu heraus

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Pustekuchen: Statt Papa Will steht Sohnemann Jaden Smith im Mittelpunkt von After Earth.
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Einem solchen Sippschaftserzeugnis, das selbstredend schon vorab alle Alarmglocken läuten lässt, muss man einiges entgegensetzen. M. Night Shyamalan mag hierin die Chance gesehen haben, seinem kommerziellen Sinkflug entgegenzuwirken. Nach dem Kassenflop „Das Mädchen aus dem Wasser“ blieben sowohl „The Happening“ als auch „Die Legende von Aang“, sein erster Versuch eines Blockbusters in neunstelliger Höhe, hinter den Erwartungen zurück.

Den Erfüllungsgehilfen eines Smith-Family-Vehikels zu spielen, kann aber auch keine Lösung sein. Will Smith schließlich ist mittlerweile selbst an einem Punkt seiner Karriere angelangt, an dem sein Name allein nicht mehr ausreicht, um das Publikum zu locken (und mit fremden Stoffen vertraut zu machen). „Men in Black III“ galt als erster Schritt einer Kurskorrektur, gemäß der Smith nicht länger auf Star- sondern Franchise-Zugkraft setzen muss. Demnächst ist er ausschließlich in Sequels seiner größten Hits zu sehen.

Beiden Parteien aber hat „After Earth“ wenig genützt. Das US-Startergebnis ist nahezu katastrophal, die Kritiken ausnahmslos vernichtend. Im Zweifel für den Film möchte man als Verteidiger der letzten Shyamalan-Regiearbeit gern für ihn argumentieren, aber es hilft alles nichts. Auch eine derart branchenorientierte Betrachtung des Science-Fiction-Dramas mag vielleicht dessen berechnende Elemente, nicht aber den künstlerischen Offenbarungseid der Beteiligten erklären.

Packshot zu After EarthAfter Earth

Die Geschichte ist schnell erzählt. 1000 Jahre nach der Evakuierung der Erde lebt die Menschheit auf dem Planeten Nova Prime. General Cypher Raige, bekannt für seine „Ghosting“-Fähigkeiten im Kampf gegen sogenannte Ursa-Monstren, gerät während einer Mission in einen Asteroidensturm und muss auf der mittlerweile unbewohnbaren Erde notlanden. Schwer verletzt durch den Crash, schickt Cypher seinen Sohn Kitai allein auf die Suche nach Hilfe. Der kleine Soldat muss nun zum Mann werden.

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Familienschmonz der übleren Sorte: An After Earth war ein Großteil der Familie Pinkett-Smith beteiligt.
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Family-Entertainment à la Smith

Im ersten Drittel mögen sich noch am ehesten Ansätze für eine Verteidigung finden lassen. Das schlichte, unaufgeregte Design, die angenehm gelassene Exposition, der untypische Einsatz von James Newton Howards eher Thriller- denn Sci-Fi-verwandter Musik. Hier scheinen die Erwartungen an einen Blockbuster mit Shyamalans bewusstem Verzicht auf Formelhaftigkeit eine annähernd interessante Verbindung einzugehen. Zumindest bis der Crash kommt.

Was dann folgt, ist eine klare Mogelpackung. Will Smith verbringt den Film als verwundeter Papi im Wrack des Raumschiffs, der seinem eigenen Sohn lediglich als Stichwortgeber dienen darf. Stattdessen kämpft Jaden Smith sich durch zwei, drei nicht gerade handverlesene Abenteuerstandards, um dann im finalen Ursa-Duell zum gehorsamen Kadetten reifen zu können. Nach bereits 90 Minuten ist dieser nichtsdestotrotz wenig kurzweilige Sci-Fi-Schmu dann schon wieder vorbei.

Ein Sakrileg für Regisseur und Star gleichermaßen. Will Smith wäre gut beraten, den eigenen Sohnemann künftig besser vom Kinogeschäft fernzuhalten.Fazit lesen

Die Frage, ob ein Großteil des Publikums tatsächlich einen nervigen Knirps, einen Star-Zögling wie Jaden Smith statt seines Vaters als Helden eines Effektspektakels sehen will, kann doch kein Produzent ernsthaft bejaht haben?! Im Schutzmantel familiärer Star-Power darf sich das Smith-Balg dennoch richtig austoben und in „After Earth“ gegen eine Handvoll gefährlicher, mittelmäßig animierter Tiere kämpfen. Auch wenn kein Mensch danach verlangt hat. Und derartige Hollywood-Vetternwirtschaft einem den Magen umdreht.

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High Five statt Sixth Sense: M. Night Shyamalan dürfte damit seinen einstigen Ruf endgültig los sein.
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Den Ohren wiederum ist gut damit getan, sie gänzlich auf Durchzug zu schalten. Wenn Smith senior Smith junior per Funkübertragung den Weg weist, klatscht einem der Film unsäglichstes Militärpathos, triviales Familiengewäsch und stumpfe Initiationsweisheiten vor den Latz. In Kombination mit dem betont entschleunigten Erzählrhythmus (Shyamalan könnte sein Desinteresse an Spektakel und Blockbuster-Heroismus kaum deutlicher ausstellen) sind die Vater-Sohn-Gespräche noch um einiges unerträglicher.

Wirklich was zum Sehen (geschweige denn Staunen) gibt es in „After Earth“ indes auch nicht. Großspurig als erster mit der Sony F65 4K gedrehter Film angekündigt, glänzen die Bilder in Shyamalans Digitalpremiere bestenfalls durch ihre Einfallslosigkeit. Kaum verwunderlich, wird Kameramann Peter Suschitzky („Das Imperium schlägt zurück“) hier ebenfalls nur die Anweisungen der Smith-Family befolgt haben. Was für ein dröges Nichts von einem Film.