Wenn man über die grundlegende Idee nachdenkt, dann ist es schwer zu glauben, dass der Film einerseits auf einem Bestseller basiert, andererseits knapp 70 Millionen Dollar gekostet hat. Früher hätte man aus so einer Prämisse einen trashigen B-Film gemacht. Was, das nur nebenbei, Asylum natürlich auch getan hat, gibt es doch im Fahrwasser dieses Films „Abraham Lincoln vs. Zombies“.

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„Abraham Lincoln Vampirjäger“ ist der neueste Film von Timur Bekmambetov („Wanted“) und entstand nach eigenem Drehbuch des Romanautors Seth Grahame-Smith. Umso erstaunlicher, dass aus dem doch recht guten Roman eine Art lauwarme „Reader’s Digest“-Version geworden ist.

Als kleiner Junge muss Abraham Lincoln (Benjamin Walker) miterleben, wie seine Mutter von einem Vampir getötet wird. Neun Jahre später – er ist nun ein junger Mann – sucht er den Mörder seiner Mutter und will ihn zur Strecke bringen. Doch der Blutsauger tötet ihn beinahe. Lediglich das beherzte Eingreifen von Henry (Dominic Cooper) ist es zu verdanken, dass Lincoln überlebt.

Henry bildet ihn als Vampirjäger aus, warnt ihn aber auch, dass er die Regeln beachten soll: Er darf keine Freunde, geschweige denn eine Frau haben, da sie alle in Gefahr schweben würden. Abraham missachtet diesen Rat, wird zum gefürchteten Vampirjäger und erkennt dann, dass er so der Plage nicht Herr werden kann. Denn die gesamten Südstaaten sind in den Händen der Blutsauger, die sich von Sklaven ernähren. Will er der untoten Brut ein Ende setzen, darf Lincoln nicht zulassen, dass sich der Süden vom Norden abspaltet.

Abraham Lincoln Vampirjäger

- Yes, he can (kill Vampires)
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Wie die Axt im Walde...
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Fremde im Zug

Die Prämisse ist albern, gar keine Frage, aber das hindert den Film nicht daran, zumindest kurzweilig zu sein. Nährwert hat er natürlich keinen. Kaum hat man das Kino verlassen, ist der Großteil des Films auch schon wieder vergessen.

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Abgesehen vom Finale mit der brennenden Brücke, das so „over the top“ ist, dass dagegen sogar ein Abraham Lincoln als Vampirjäger realistisch erscheint. Nein, mit diesem Finale hat sich der Film keinen Gefallen getan, denn es wirkt – ganz lapidar gesagt – einfach immens dumm.

Trotz aller Mängel und Defizite ist Abraham Lincolns Kampf gegen die Vampire zumindest eines: ganz unterhaltsam.Fazit lesen

Dass gerade Filme der phantastischen Genres durchaus mehr Freiheiten genießen, wenn es um die Realität geht, ist selbstverständlich klar. Aber um wirklich überzeugen zu können, müssen sie innerhalb ihrer eigenen Welt klaren Regeln folgen. Einfach jedwede Logik auszuhebeln, geht nicht – zumindest dann nicht, wenn man einen Film abliefern will, der mehr als nur das Äquivalent eines Big Macs sein soll.

Eigentlich wüsste man es ja besser…

Wirklich bedauerlich ist, dass Autor Grahame-Smith offenbar seiner eigenen Vorlage nicht so recht getraut hat. Er nutzt Eckpunkte und Figuren seines Romans, verändert die Geschichte aber derart, dass nur noch ein lebloses Skelett zurückbleibt – und schreckt auch nicht davor zurück, den Epilog gewaltig zu verändern.

Wo der Roman durchaus clevere Ideen hatte, verlässt sich Grahame-Smith darauf, dass Bekmambetov die vielen Actionszenen mitreißend in Szene setzen wird. Das kann er auch ganz gut, wie der Russe schon mehrfach bewiesen hat. Nur nutzt sich der Zeitlupeneffekt inmitten der Kämpfe auch von Mal zu Mal mehr ab.

Die Geschichte hätte etwas mehr Komplexität durchaus vertragen. Gleichsam hätte man die Figuren in ihrer Entwicklung stärker ausarbeiten müssen. So bleiben sie Reißbrettfiguren, die oftmals sogar erstaunlich dumm erscheinen. Nämlich immer dann, wenn sie eigentlich etwas wissen müssten, aber so doof geraten sind, dass sie es dann doch nicht kapieren. Ohne in Spoiler-Territorium eindringen zu wollen, verweisen wir hier einfach mal auf die gute Mrs. Lincoln und ihren verhangenen Blick für die Realität.

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Hinter dir ein dreiköpfiger... äh, ein Vampir.
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Alte Leut‘, ihr seht aber jung aus

Im Lauf des Films vergehen mehr als 25 Jahre. Man hat sich jedoch dafür entschieden, dieselben Schauspieler zu benutzen. An sich eine nachvollziehbare und gute Entscheidung, die aber torpediert wird, wenn alle Figuren, die nun zwischen 50 und 60 Jahre alt sind, immer noch putzmunter und erstaunlich jung aussehen. Denn ein bisschen weißer Puder in die Haare für den Graustich reicht nun wirklich nicht aus, um Mary Elizabeth Winstead oder Anthony Mackie alt aussehen zu lassen.

Lediglich bei Benjamin Walker als Abraham Lincoln hat man sich etwas mehr Mühe gegeben und auch mit Make-up gearbeitet. Er sieht deutlich älter aus, wenngleich seine Erscheinung auch nicht durchgehend überzeugend ist.