Der Film zum Ride, schon wieder. Nachdem „Pirates of the Caribbean“ so ein massiver Erfolg war, setzt „A World Beyond“ nun auf den Zauber von Disneys „Tomorrowland“, der Heimat zum Beispiel von „Space Mountain“ oder „Captain EO“. Es geht generell um die Welt der Zukunft, eine bombastische Vision futuristischer CGI-Wunder. Nach Disney haben wir es nämlich selbst in der Hand, was uns in den künftigen Jahrhunderten erwartet, solange nur jeder ganz fest an sich glaubt. Und dieses sowohl aufgeblasene als auch penetrant belehrende Science-Fiction-/Abenteuer-Spektakel zu einem Sequel-würdigen Hit macht.

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Die Welt hinter der Welt

Ob dies plangerecht gelingt, darf allerdings bezweifelt werden, denn Disneys generalstabsmäßiger Großangriff auf die Multiplexe ist vor allem kalkulierter Mainstream, der seine grundsätzlich interessante Idee auf einen kindgerechten Nenner zusammenschrumpft und dazu eine peinliche „We are the world“-Botschaft reinwürgt. Für Tomorrowland sind wir alle wichtig, vor allem aber träumende, idealisierende Kinder. Wenn wir sie nicht für die Zukunft begeistern können, ist unsere Erde verloren und „Interstellar: The teen years“ (der Alternativtitel?) wäre der Schuldige für halbfertige Themenparks und riesige Merchandise-Müllhalden.

A World Beyond - We are the world: George Clooney im Disney-Wunderland

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Nur besonders helle Köpfe dürfen ihn berühren: den „T“-Pin.
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Das kann nicht sein, das darf nicht sein. Und trotzdem stehen die Chancen dafür gar nicht mal so schlecht, weil „A World Beyond“ einfach kein allzu guter Film ist, besonders was das erbärmlich schlichte Drehbuch von Damon Lindelof und Regisseur Brad Bird angeht. Ausgehend von einem „Matrix“-mäßigen Szenario einer geheimen Parallelwelt, die von einem Auserwählten gerettet werden muss, geht es hier um eine extrem helle Teenagerin (Britt Robertson), die über einen geheimnisvollen „T“-Pin Zutritt zu Tomorrowland, der Welt der Zukunft bekommt. Der Herrscher dieser Welt (Hugh Laurie) ist selbstredend böse und so muss nun dieses Mädel uns alle (mal wieder) erretten.

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Doch halt, natürlich ist sie auf dieser Mission nicht allein! An ihrer Seite stehen ein weiteres Mädchen, die geheimnisvolle Athena (Raffey Cassidy), und ein grummeliger Wissenschaftler (George Clooney), der mit dem Tomorrowland-Herrscher noch eine alte Rechnung offen hat. Dieses ungleiche Trio (TM) begibt sich nun auf das Abenteuer ihres Lebens (nochmal TM) und kämpft dabei für Fortschritt, Offenheit, Multikulti und ewig blühende Hoffnung. Wer hier am Ende gewinnt, bedarf keinerlei Kristallkugel, denn genauso wie Tomorrowland von rückschrittlichem Konservatismus geplagt wird, lässt auch der ganze Film keinerlei Zweifel an seiner alles umarmenden Massenverträglichkeit.

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Böse mit mindestens drei „ö“: Hugh Laurie als Chef von Tomorrowland.
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Die nette NASA von nebenan

Runde Ecken, leicht überdrehte Charaktere und staunende CGI-Wunder. Der unterschwellige Entdecker-Spirit der NASA lebt auf, als der Pin das erste Mal eingeführt wird und Tomorrowland das erste Mal bereist wird, doch schon bald danach wird das Abenteuer hohl, die Mission ein nicht genügend motivierter Verfolgungs-Ride. Anders als bei „Mission-Impossible 4“ gelingt Brad Bird hier kein strahlender Blockbuster, sondern lediglich leicht verträglicher Allerwelts-Bombast, der mehr als einmal rote Animationsknöpfe drückt. Die Bösen sind böööse, die Cleverness der Guten manifestiert sich in ständigem Handheben (in der Schule) und zappeliger Plapperei, und der „grumpy old man“ (=Clooney) reitet genauso in die Klischeehölle wie die ständige Überbetonung der jeweiligen Stimmung und das alles noch fünfmal unterstreichende Orchester-Gedöns von Michael Giacchino.

„A World Beyond“ streicht dem Zuschauer alles briegelbreit aufs Butterbrot und riecht unangenehm streng nach Sicherheit, Marketing und Kontrolle. Man wird unterhalten, das auf jeden Fall, aber wirkliche Abenteuer oder gar Neugierde entstehen dabei nicht. Selbst in der hoffnungsfrohen Anfangsstunde, in der noch der Entdeckerdrang der Zuschauer gekitzelt wird, weht ein bisschen der Universum-Gedanke von Marvel durch die Gehirnwindungen. Zu Beginn spielt der Film in einem Freizeitpark, eine Szene findet in einem Laden voller „Star Wars“-Merchandise statt und das altbekannte Disney-Sirup des positiv besetzten Fortschritts quillt quasi ständig von der Leinwand.

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Staunen über bombastische CGI-Welten.
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Alles ist verbunden, man soll sich wiederfinden und selbst in der Zukunft zuhause fühlen. Als Gegenpart dazu stehen wie üblich Unmengen an CGI-Effekten und eine aufwändige Produktion, die die Belanglosigkeit der Geschichte immerhin abfedern kann. Knalliger Augenzucker als Allerheilmittel gegen grob geschnitzte Figuren und Dialoge – die dann gegen Ende auch noch glatt polierte Lebensweisheiten absondern und auf ganz, ganz liberale Weise ein Sequel auf den Weg bringen wollen. „We are the world“, Glaube versetzt Berge, man muss etwas nur wirklich wollen und der eigene Weg ist das allerwichtigste. Es ist, mit Verlaub, zum Augenverdrehen.

A World Beyond - Hugh Laurie und George Clooney in Tomorrowland

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